Das erste Bundesligaspiel

Eike Immels erstes Bundesliga-Spiel

Der eine schon damals eine Legende, der andere ein 17-jähriger Jungspund: Sepp Maier (links) und Eike Immel am 12. August 1978 auf dem Weg auf den Platz. Das Spiel gegen die Bayern gewann der BVB mit 1:0 – auch dank einiger starker Paraden seines jungen Bundesliga-Debütanten im Tor.

Der eine schon damals eine Legende, der andere ein 17-jähriger Jungspund: Sepp Maier (links) und Eike Immel am 12. August 1978 auf dem Weg auf den Platz. Das Spiel gegen die Bayern gewann der BVB mit 1:0 – auch dank einiger starker Paraden seines jungen Bundesliga-Debütanten im Tor.

Stadtallendorf. Es war ein Moment, der sich in seine Erinnerung eingebrannt hat: Es ist der 12. August 1978, etwa 15 Uhr. Bald wird das Spiel des BVB gegen den FC Bayern angepfiffen. Fast 50.000 Zuschauer sind dabei, auf dem Feld steht Eike Immel. Er lässt sich warmschießen – von Siggi Held, Vizeweltmeister von 1966. „Unfassbar“, sagt Immel, wenn er fast 42 Jahre später darauf zurückblickt.

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„Ich war doch nur der Junge aus Erksdorf, der Junge vom Bauernhof. Jetzt stehe ich da auf dem Platz und eine Legende schießt mich warm.“ Hypernervös, könnte man meinen, muss der 17-Jährige gewesen sein. „War ich aber überhaupt nicht“, erzählt er im Gespräch mit der OP. „Ich habe mich einfach nur gefreut.“ Auch darüber, dass seine Eltern im Stadion dabei waren.

Wenige Stunden zuvor hätte Immel „im Leben nicht daran geglaubt, dass ich spielen würde“. Er hatte nicht mal seine Handschuhe gewaschen – „das war nötig, damit sie genug Grip haben“. Er war stolz, überhaupt zum Dortmunder Profikader zu gehören. Stammkeeper Horst Bertram hatte sich zwar ein paar Tage vorher im Training verletzt, „aber für mich war klar, dass er spielen würde. Ich hatte mir gar keine Gedanken gemacht, dass es anders sein könnte.“ Doch es kam anders. Immels Name stand am Vormittag bei der Mannschaftsbesprechung auf der Tafel, auf der Trainer Carl-Heinz Rühl die Aufstellung notiert hatte. Und Immel musste handeln.

Eltern sind rechtzeitig da

Er musste telefonieren, nämlich mit seinen Eltern. „Ich habe sie sofort angerufen und gesagt, dass sie nach Dortmund kommen müssen.“ Sie stiegen zu Hause ins Erksdorf sofort ins Auto, waren rechtzeitig da. Ebenso wie seine Handschuhe. „Ich weiß bis heute nicht, wie Walter Betzer das geschafft hat“, sagt Immel und erzählt: Der BVB-Zeugwart schnappte sich das wichtigste Arbeitsmaterial des Torwarts, wusch es, bekam es schnell wieder trocken. „Die Handschuhe haben gegriffen wie sonstwas.“ Ohne den rüstigen Betzer, meint Immel, wäre das folgende Spiel womöglich anders ausgegangen. Schlechter für ihn.

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Torwart Eike Immel, damals beim BVB, sichert sich den Ball im Zweikampf.

Torwart Eike Immel, damals beim BVB, sichert sich den Ball im Zweikampf.

Es war der erste Spieltag der Saison 1978/1979. Die Bayern waren in dieser Zeit nicht die Dominatoren des deutschen Fußballs, favorisiert war das Team um Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Paul Breitner und Sepp Maier aber allemal. So trat es auch auf: Kaum war das Spiel angepfiffen, musste Immel einen Hoeneß-Freistoß abwehren. Wenige Minuten später stand Branko Oblak frei vor ihm, kam auch nicht vorbei. „Das hat mir die Sicherheit gegeben. Ich hatte das Gefühl, dass alles funktioniert.“ Manni Burgsmüller brachte die Schwarz-Gelben nach einer guten halben Stunde in Führung. Die Münchner erhöhten den Druck, doch immer wieder stand Immel ihnen im Weg. „Es war wie im Traum“, blickt der heute 59-Jährige zurück.

Nach sechs Spielen ist erst mal Schluss

Dass er eigentlich auch nicht ganz fit war, war egal. Nicht nur Stammtorhüter Bertram war verletzt, auch Immel hatte sich wenige Tage zuvor eine Risswunde zugezogen, als er im Training mit dem Knie auf einem Stein landete. Die Wunde musste gar genäht werden, der Youngster behielt es für sich. „Es tat weh, aber davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen“, erzählt er und ist „froh, dass es niemand gemerkt hat. Sonst hätte ich ganz sicher nicht gespielt.“

So aber spielte er. Und er spielte erst mal weiter, auch in den folgenden Wochen. Bis zum 6. Spieltag: „Ich war plötzlich die Nummer eins, ich hatte plötzlich was zu verlieren und habe mir darüber Gedanken gemacht.“ Die Nervosität kam plötzlich auf. Und die Leistung schwankte – mit dem Tiefpunkt bei einem Spiel bei Hertha BSC. „Da stand ich völlig neben mir.“ Dortmund verlor mit 0:4, Immel wurde nach dem dritten Gegentor nach rund einer Stunde gar ausgewechselt, verlor zunächst seinen Stammplatz. „Es hat mich nicht umgeworfen“, sagt er mit etwas Abstand, „vielleicht hat es mich sogar stärker gemacht.“

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Zur Person: Eike Immel

Mit 17 Jahren debütierte Eike Immel in der Bundesliga, schon als 19-Jähriger bestritt der Torwart aus Erksdorf sein erstes von insgesamt 19 A-Länderspielen. Bis 1986 blieb er bei Borussia Dortmund, wechselte dann zum VfB Stuttgart, mit dem er 1992 Deutscher Meister wurde. Zuletzt spielte er zwischen 1995 und 1997 in England für Manchester City. Nach einer schweren Zeit mit persönlichen Krisen lebt der 59-Jährige inzwischen in Stadtallendorf, wo er sich beim TSV Eintracht einbringt. Seit vergangenem Sommer ist Immel Trainer der Kreisliga-A-Mannschaft des Vereins.

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