Bundestagswahl

Das Wissen der Vielen

Rüdiger Schapner ist Direktkandidat der „Basispartei“ in Marburg-Biedenkopf.

Rüdiger Schapner ist Direktkandidat der „Basispartei“ in Marburg-Biedenkopf.

Dautphe. Vielleicht hat Rüdiger Schapner ihn ja schon immer gehabt, diesen Gesichtsausdruck: halb belustigt, wissend lächelnd, entspannt und gleichzeitig konzentriert. Oder er hat ihn sich abgeschaut bei Menschen wie dem Stuttgarter Querdenker Michael Ballweg, der auch jede skeptische Äußerung, jede Kritik erst einmal kurz weglächelt, bevor er zur Replik ansetzt.

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Genauso entspannt sitzt Schapner, der für die Partei "Basisdemokratische Partei Deutschland" in den Bundestag einziehen will, im noch leicht regenfeuchten Korbstuhl vor einem Café in Dautphe, in der Asphalt-Tristesse zwischen Supermärkten und Parkplätzen. „Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich das hier aufzeichne, für mich ist das alles ja noch neu“, entschuldigt sich Schapner und stöpselt das Powerbankkabel in sein Smartphone. Ja, man kann wohl nicht vorsichtig genug sein, denn den Medien traut der Bundestags-Direktkandidat und Landeslisten-Erste aus Kombach nicht so recht, da hat er in der Vergangenheit so seine Erfahrungen gemacht: „Je nachdem, worum es geht, wird recherchiert oder eben auch nicht“, ärgert sich der 49-Jährige über die „Schreiberlinge“ und nippt an seinem schwarzen Kaffee. Schwarz ist auch die Anzughose, weiß das Hemd, weiß die Regenjacke mit dem „Basisdemokratische Partei Deutschland“-Logo. Adrett und gleichzeitig wetterfest, für den fliegenden Wechsel zwischen Schreibtisch und Wahlkampf.

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Das Engagement in der Politik begann für Rüdiger Schapner im ersten Pandemiejahr 2020, im Widerstand gegen die Corona-Politik der Bundesregierung. „Davor gab es keine Partei, bei der ich mitgemacht hätte“, sagt der Familienvater aus dem kleinen Örtchen Kombach bei Biedenkopf.

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„Mitmacher“ in örtlichen Vereinen

Ein „Mitmacher“ war er allerdings auch früher schon, engagierte sich bei den Sängern, dem Obst- und Gartenbauverein, dem Förderverein der Schule, die seine Kinder besuchen: „Da habe ich nie ,Nein‘ gesagt, wenn jemand gebraucht wurde.“ Politisch interessiert sei er schon immer gewesen und er habe ein gutes Gedächtnis, sagt Schapner und lächelt wissend in sich hinein, während er darüber spricht, wie oft sein gutes Gedächtnis ihm dabei geholfen hat, zu einer Erkenntnis zu gelangen: Was etablierte Politiker heute sagen, stellen sie wenig später schon wieder in Abrede.

„2020 war die Chance da, Basisdemokratie zu machen“, erinnert sich der "dieBasis"-Kandidat an die Geburtsstunde seiner Partei, die mittlerweile bundesweit weit mehr als 22 000 Mitglieder hat. „Und wir werden immer noch als Kleinstpartei bezeichnet“, sagt Schapner mit jener kleinen Dosis Ärger, die nicht zu sehr nach Opferrolle klingt. Immerhin: Mehr als 80 Anhängerinnen und Anhänger hat die Partei schon in Marburg-Biedenkopf, in allen hessischen Wahlkreisen stehen Direktkandidaten in den Startlöchern.

Weg vom „Pyramidendenken“

Klar, ohne Corona gäbe es seine Partei heute nicht, räumt Schapner ein, und aus dem Lächeln wird ein Lachen: „Es musste wohl erst schlimm genug werden.“ Dabei hält er die Pandemie nicht wirklich für das größte Problem – sondern sieht sie als stellvertretendes Symptom für eine Gesellschaft, in der „die Leute mitschwimmen“ und denken: Was von oben kommt, stimmt.

Diese Strukturen will "dieBasis“ abschaffen, will weg vom „Pyramidendenken“ und hin zu einer Gesellschaft, in der das „Wissen der Vielen“ mehr zählt als die Entscheidungen von Bundes- und Landesregierungen. Schapner sagt es noch deutlicher und diesmal völlig humorlos: „Für mich ist das Zeitalter der parlamentarischen Demokratie vorbei.“ Warum er sich dann über eine Kandidatur für den Bundestag in genau dieses System begeben will?

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„Wenn ich etwas verändern will, muss ich aufs Spielfeld“

Die Antwort kommt prompt, als habe Schapner mit dieser bösesten aller Fangfragen gerechnet: „Ein Freund von mir hat einmal gesagt: Wenn ich etwas verändern will, muss ich aufs Spielfeld.“

Steckbrief

Name: Rüdiger Schapner

Alter: 49

Sternzeichen: Steinbock

Geburtsort: Biedenkopf-Kombach

Wohnort: Biedenkopf-Kombach

Familienstand: verheiratet, 2 Kinder

Bildungsabschluss: Realschulabschluss/Berufsausbildung

Beruf: gelernter Modellschlosser, jetzt Projektleiter und Prozessoptimierer

In der Politik aktiv seit: 2020

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