Pandemie-Bekämpfung

Wird Marburg Corona-Impfzentrum?

Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor. In Marburg steht die Produktion des Corona-Impfstoffs bevor – geplant ist der Start laut Firmenangaben nach dem Jahreswechsel. Mit einer Zulassung rechnet man in den nächsten Wochen.

Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor. In Marburg steht die Produktion des Corona-Impfstoffs bevor – geplant ist der Start laut Firmenangaben nach dem Jahreswechsel. Mit einer Zulassung rechnet man in den nächsten Wochen.

Marburg. Die Produktion eines Corona-Impfstoffs in Marburg rückt näher. Wie die Firma Biontech, die im September das Novartis-Werk am Behring-Standort in der Marbach übernommen hat, mitteilt, laufen nun sowohl bei der zuständigen europäischen als auch der US-Behörde die Zulassungsverfahren.

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Nach Unternehmensangaben strebt man für die USA eine Notfallgenehmigung an – und das schon in wenigen Tagen. Denn Biontech-Geschäftsführer Ugur Sahin geht kurz vor dem Ergebnis der Wirksamkeitsstudie nach eigenen Angaben davon aus, dass die Immunität „mindestens ein Jahr anhalten wird“. Angesichts der im Laufe dieser Zeit aufgebauten Produktionskapazitäten wären jährlich nötige Nach-Impfungen „kein Drama“.

Noch bis zum Ende des laufenden Jahres sollen laut Biontech bis zu 100 Millionen Impfdosen verfügbar gemacht werden. Für das Jahr 2021 plane man – mit maßgeblicher Hilfe des Marburg-Werks –, ungefähr 1,3 Milliarden Dosen zu produzieren. Am Behringstandort sollen so dann im ersten Halbjahr 2021 etwa 250 Millionen Dosen produziert werden. Danach bei voller Betriebsfähigkeit bis zu 60 Millionen Anti-Corona-Dosen pro Monat. Sahins selbst erklärtes Ziel: Rückkehr eines normalen Alltags im Sommer 2021.

Marburg-Werk wird für Produktion aufgerüstet

Der Zulassungszeitpunkt in Europa sei noch offen, eine Marktzulassung aber in Arbeit. In den nächsten Wochen werde Biontech Weiteres mit dem Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelbehörde EMA abstimmen und dort benötigte Daten einreichen. Ist das abgeschlossen, werde man den finalen Antrag stellen.

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Wie Biontech auf OP-Anfrage mitteilt, sind 300 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Aktuell bereite man sich im Werk auf die Produktion vor, es laufe der Techniktransfer. Während man die 100 Millionen Dosen in bereits fertig ausgestatteten Werken – etwa in Mainz – herstelle, werde Marburg zum Jahreswechsel 2021 einsteigen. Die Anlage werde dann eine der größten mRNA-Produktionsstätten in Europa und sei das dritte Werk im Biontech-Produktionsnetzwerk, das den „BNT162“ genannten Stoff für die globale Versorgung produzieren werde.

Nach OP-Informationen ist Marburg nicht zuletzt wegen der Impfstoff-Produktionsanlage zwischen Marbach und Michelbach als eines von mehr als 60 bundesweiten Impfzentren im Gespräch. Denn nach Plänen der Bundesregierung soll zumindest zu Beginn der Corona-Impfungen – eventuell ab Ende dieses Jahres – der Großteil des Wirkstoffs nicht in Arztpraxen, sondern in zentralen Anlaufstellen, ähnlich dem aktuellen Testzentrum-Modell, verabreicht werden. Das Bundesgesundheitsministerium will jedenfalls von der hessischen Landesregierung bis Anfang nächster Woche mögliche Adressen für Impfzentren genannt bekommen.

Neben der zentralen Lage Marburgs in Hessen sowie der geografischen Nähe zum stark betroffenen Nordrhein-Westfalen spricht offenbar vor allem die gesamte medizinische Infrastruktur für die Universitätsstadt: vor allem Präsenz, Ausstattung und Knowhow des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) auf den Lahnbergen – das regionale und koordinierende Corona-Schwerpunkt-Krankenhaus – sowie das Vorhandensein vieler Ärzte und anderem medizinischen Personal, das Menschen impfen könnte. Denn die Ansiedelung der Impfzentren an Kliniken gilt als wahrscheinlich. In Marburg wären so neben den UKGM-Medizinern auch Niedergelassene, etwa über den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, direkt vor Ort.

Land Hessen baut Impf-Infrastruktur auf

In und für Mittelhessen ein Konkurrent, vor allem aus logistischen Gründen: Gießen – unter anderen wegen der autobahnbedingt besseren Erreichbarkeit für einen größeren Einzugsbereich: Landkreis Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Vogelsbergkreis, und eben auch Teile Marburg-Biedenkopfs und der Wetterau.

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Grundsätzlich sollen Impfzentren nicht nur wegen der geplanten Massen-Immunisierung, dem zu erwartenden stündlichen Durchsatz von Patienten, sondern vor allem wegen der Lagerung des vielversprechendsten Impfstoffs nötig sein: Der Biontech-Kandidat muss, um fünf Tage haltbar zu sein, nach Unternehmensangaben bei minus 80 Grad gelagert werden.

Das erfordert spezielle Kühltechnik, die zwar in den meisten Krankenhäusern, nicht aber in allen Arztpraxen vorhanden sei. Nach der ersten Impf-Phase könnten laut Biontech aber Arztpraxen und Apotheken direkt beliefert werden.

Das Land Hessen hat nach eigenen Angaben begonnen, für die Massen-Impfung benötigte Materialien wie etwa Kanülen, Spritzen und Desinfektionsmittel zu besorgen.

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