4 Fragen, 4 Antworten

Damit die Welt kein Instagram-Beauty-Kanal wird

Lars Ruppel moderiert die Aktion „Marburg spricht“.

Lars Ruppel moderiert die Aktion „Marburg spricht“.

Marburg. Poetry-Slammer Lars Ruppel unterstützt die Aktion „Marburg spricht“. Im Gespräch mit der OP nimmt er Stellung über den Stellenwert von Begegnungen und persönlichem Austausch.

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Warum soll ich mit einem Menschen sprechen, mit dem ich nicht einer Meinung bin? Ich ärgere mich doch nur darüber.

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Lars Ruppel: Das gehört dazu. Durch die Begegnung mit Menschen mit anderen Weltbildern und Standpunkten gerät unsere eigene Vorstellung von uns in dieser Welt ins Schwanken. Wir werden gezwungen, uns zu hinterfragen und zu reflektieren. Das tut weh, ist aber die Grundlage für persönliche Entwicklung und die einzige Möglichkeit, in dieser sich wandelnden Welt nicht den Anschluss zu verlieren. Wenn ich das nicht tue, bleibt die Welt ein Instagram-Beauty-Kanal.

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OP: Ich kann nur die von meiner Meinung überzeugen, die unsicher in ihrer eigenen Haltung sind.

Man muss ja niemanden überzeugen. Ein Gespräch zu führen heißt ja nicht, einen Sieg erlangen zu wollen. Jeder Mensch kann seine Meinung behalten und sich daran klammern. Ich glaube, die meisten Menschen, die zum Beispiel von Cancel Culture sprechen, haben lediglich Angst davor, zu erkennen, dass ihre Meinung mit dieser Welt nicht mehr kompatibel ist. Aber das muss sie ja auch nicht.

Ein Meinungsaustausch ist schön und gut – aber verändere ich dadurch etwas?

Nicht unbedingt! Aber etwas verändert sich, wenn wir es nicht mehr versuchen. Dann schotten wir uns ab und verlieren etwas, das uns von Robotern oder Alexander Gauland unterscheidet: Empathiefähigkeit.

Werte ich nicht bestimmte Meinungen, z. B. von der AfD, auf, wenn ich mich mit ihnen auseinandersetze?

Ja, und das ist gut so. Eine pauschalisierte Ablehnung stärkt deren Opferhaltung und die Grundlage ihrer politischen Agenda. Man sollte sich die Zeit nehmen, die Argumente faktisch zu zerlegen und ihnen den Unsinn vieler Aussagen zu verdeutlichen. Was diese Leute dann damit machen, ist ihre Sache.

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