Kinoneustart

Erlaubt, aber extrem hohe Hürden

Das Cineplex Marburg und der Kunstverein im Abendlicht. Es ist ein Foto aus Vor-Corona-Zeiten. Die Kinos sind seit Wochen geschlossen.

Das Cineplex Marburg und der Kunstverein im Abendlicht. Es ist ein Foto aus Vor-Corona-Zeiten. Die Kinos sind seit Wochen geschlossen.

Marburg. Seit acht Wochen sind in Hessen Kinos, Theater, Museen und Restaurants geschlossen. Ganz langsam werden sie nun geöffnet – genauer: könnten sie geöffnet werden.

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Das Land Hessen hat am 7. Mai beschlossen: Die Einrichtungen dürfen wieder öffnen. Theoretisch wäre es also möglich, essen zu gehen und einen Kinobesuch anzuschließen – oder umgekehrt.

Doch das damit quasi über Nacht wieder ein Stück Normalität und Vor-Corona-Alltag einkehrt, ist noch fern. Die Auflagen etwa für die Kinos, die in Marburg einen enorm hohen Stellenwert haben, sind enorm.

„Ich war im ersten Moment total erschrocken und schockiert, als die Nachricht kam: Ihr könnt wieder aufmachen“, sagte die Marburger Kinobetreiberin Marion Closmann im Gespräch mit der OP. Der erste Schreck hat sich gelegt. Nun stellen Marion Closmann und ihre Kollegen in Hessen Überlegungen an, ob es überhaupt möglich ist, die Auflagen zu erfüllen und damit ein Kino wirtschaftlich zu betreiben.

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Nur jede zweite Reihe darf besetzt werden

„Kann ich den Gäste- und Mitarbeiterschutz organisieren? Kann ich es finanziell stemmen?“ Diese Fragen hat sich Marion Closmann gestellt und ist zu dem Fazit gekommen: „Die Auflagen sind wirtschaftlich kaum umsetzbar.“ Fünf Quadratmeter benötige jeder sitzende Kinobesucher. Das sei mit einem Zugangskorridor theoretisch zu organisieren. Besetzt würde dann nur jede zweite Kinoreihe.

Weil sich aber einander unbekannte Personen nicht zu nahe kommen dürfen, kann es nach dieser Regel passieren, dass in einer Reihe nicht etwa eine größere Gruppe, sondern nur eine Person sitzt – denn man darf nicht nah an einem anderen Menschen vorbeigehen. Sich in einer Reihe an einer anderen Person zu seinem Platz vorbeizuschlängeln, wie früher üblich, ist nicht erlaubt.

Auflagen erfordern wohl mehr Mitarbeiter

Zudem müssen die Personalien der Besucher erfasst werden, um im Falle einer Ansteckung weitere potenzielle Corona-Virus-Träger ausfindig machen zu können. Das ist für die Kinos organisatorisch möglich, wenn die Karten online gekauft werden.

Das zweite Problem sind die Toilettenanlagen im Cineplex und im Capitol-Center, die aufgrund der Abstandsregelungen je nach Größe nur von einer bis drei Personen gleichzeitig benutzt werden dürfen.

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„Wie kann ich sicherstellen, dass nicht mehr Menschen in der Toilette sind?“, fragt sich Marion Closmann. Vor jede Toilette einen Wächter? Eine Ampelanlage, die es noch gar nicht gibt? Sie bräuchte auf jeden Fall mehr Mitarbeiter bei einem geringeren Umsatz.

Popcorn im Kino noch verboten

Im Schnitt kostet eine Kinokarte aktuell rund 10 Euro. Davon gehen Lizenzgebühren für die Filme ab, Kosten für Lüftung, Klimaanlage, Strom, Technik, Reinigung und die Mitarbeiter. Eine Kinokarte ist also nur eine Einnahmequelle für die Kinos.

Fast genauso wichtig ist der Verkauf von Süßigkeiten, Popcorn und Getränken. Dürfen Kinos Popcorn oder Getränke verkaufen? Derzeit gilt: Popcorn im Lieferservice ja, im Kino nein.

Und zu guter Letzt: Es gibt aktuell keine neuen Filme, weil die Verleiher die Starts von Blockbustern wie dem neuen James-Bond-Film in den Herbst oder sogar ins kommende Jahr verschoben haben.

Abhängig von den großen Bundesländern

„Neue Filme kommen nur dann in die Kinos, wen auch die großen Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen ihre Kinos öffnen“, sagt Marion Closmann, die derzeit auch ein Autokino auf dem Messegelände im Afföller betreibt. Sie könne sich vorstellen, dass Filme, die um Weihnachten herum gestartet wurden und im Trubel untergegangen sind, noch Besucherpotenzial hätten.

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Ihr Fazit: „Die Öffnung ist erlaubt, aber die Hürden sind so hoch, dass wir sie kaum nehmen können.“ Ob die Kinos in Marburg bald öffnen, ist also noch offen.

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