Besuch bei Biontech

Merkel appelliert an Ungeimpfte

Ugur Sahin (rechts), Gründer und Vorstandsvorsitzender des Biotechnologieunternehmens Biontech, zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Besuch des Biontech-Impfstoffwerks Dummy-Ampullen des Biontech/Pfizer Impfstoffs.

Ugur Sahin (rechts), Gründer und Vorstandsvorsitzender des Biotechnologieunternehmens Biontech, zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Besuch des Biontech-Impfstoffwerks Dummy-Ampullen des Biontech/Pfizer Impfstoffs.

Marburg. Am Donnerstag (19. August) verabschiedete sich die Bundeskanzlerin aber zunächst nur von den Vorständen und Mitarbeitern des Werks des deutschen Corona-Impfstoffherstellers Biontech in Marburg. Zuvor hatte die CDU-Politikerin eine Wissenschaftstour in Gießen gestartet.

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Gemeinsam mit Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) besichtigte sie dort am Vormittag das Liebig-Museum im historischen Labor des Chemikers Justus von Liebig (1803–1873) und das benachbarte Mathematikum. Am Mittag fuhr Merkel weiter nach Marburg, wo sie sich das Biontech-Werk anschaute, das als eine der größten Produktionsstätten von mRNA-Impfstoffen europaweit gilt.

Mit nur vier Minuten Verspätung kamen Merkel und Braun in Marburg an, flankiert von einem großen Polizeiaufgebot – der Besuch straff durchgetaktet, die Sicherheitsvorkehrungen streng. Biontech-Mitarbeiter, die aus geöffneten Fenstern herauslehnten, um die Kanzlerin zu sehen, mussten die Fenster wieder schließen.

Ein Markenzeichen für Deutschland

Merkel begrüßte die beiden Biontech-Vorstände Özlem Türeci und Ugur Sahin per Ellenbogenschlag. „Das ist ja wie eine kleine Stadt hier“, sagte sie über das weitläufige Firmengelände. Noch ein kurzer Gruß an die Medienvertreter, und schon war die Delegation im Werk verschwunden. Nur Fotografen und Kameramänner durften sie auf dem Rundgang begleiten, bei dem sich Merkel ein Bild vom Produktionsprozess machte.

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Nach einer guten Stunde dann noch ein kurzes Statement vor dem grün-grauen Firmengebäude. Biontech sei ein Markenzeichen für Deutschland, sagte die als wissenschaftsaffin geltende Kanzlerin. „Wenn man die Produkte sieht, dann sehen sie gar nicht so spektakulär aus. Dafür ist aber die Wirkung spektakulär“, so Merkel. Auf dem Fundament jahrzehntelanger Forschung habe Biontech mit seinem Impfstoff einen schnellen Ausweg aus der Corona-Pandemie gefunden. „Das bestätigt mich, dass wir in Wissenschaft und Forschung und in Innovation wirklich auch investieren müssen.“

Merkel wandte sich gestern erneut an alle Ungeimpften: „Wir hatten monatelang zu wenig Impfstoff. Jetzt sind wir in der ganz außergewöhnlichen Lage, und viele Länder auf der Welt sind das nicht, dass wir genug Impfstoff haben, dass wir uns schützen können. Und dass wir auch andere schützen können. Und gerade angesichts von steigenden Infektionszahlen zeigt sich nochmal die Bedeutung eines solchen Impfstoffes.“

Auch bei ihrem Besuch in Gießen, dem Wahlkreis ihres Kanzleramtschefs Helge Braun, betonte die Kanzlerin den Stellenwert der Wissenschaft. „Gute Forschung, hohe Experimentierkunst, Innovationsfähigkeit, verbunden dann auch mit der Anwendung, das ist im Grunde das, was unseren Wohlstand schafft. Das sollten wir nie aus den Augen verlieren.“

Neben Braun und dessen Frau Katja empfingen auch Schaulustige die Bundeskanzlerin. In Gießen verfolgten rund 150 Neugierige die Ankunft der Bundeskanzlerin, eine Frau rief laut etwas Unverständliches zur Situation afghanischer Bürgerkriegsflüchtlinge.

In Marburg warteten nur eine Handvoll Menschen auf Merkel – wohl auch, weil im Vorfeld nur wenige Informationen über die genaue Ankunftszeit der Kanzlerin die Runde machten. Unter ihnen waren Sarah Darasaraee und Sylvie Cloutier sowie Sohrab Nazari und weitere Vertreter des Vereins Kosmos. Ihr Protest richtete sich ebenfalls gegen die Afghanistanpolitik der Bundesregierung. „Der Ausländerbeirat möchte seine Solidarität mit den aus Afghanistan stammenden Mitbürgern aus Marburg zeigen“, sagte Cloutier. „Wir möchten Frau Merkel darauf aufmerksam machen, dass ihre Politik und die des Außenministers die Lage in Afghanistan falsch eingeschätzt haben. Zudem dürfen die Menschen hier nicht weiter abgeschoben werden. Wir brauchen die Aufklärung der gemachten Fehler“, sagte Nazari.

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Merkel gab in Gießen bekannt, dass die Bundesregierung „mit Hochdruck“ daran arbeite, möglichst viele Leute zurückzuholen. Den Soldaten der Bundeswehr dankte Merkel für den gefahrvollen Evakuierungseinsatz im Rahmen der Luftbrücke. Die Mission sei „hochkompliziert“.

Von Burkhard Möller, Nicole Schippers und Jenny Tobien

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