Corona

Biontech startet Impfstoffproduktion in Marburg

Ein Blick in die Impfstoffproduktionsanlage von Biontech in Marburg.

Ein Blick in die Impfstoffproduktionsanlage von Biontech in Marburg.

Marburg. Das Mainzer Unternehmen Biontech hat am Mittwoch mit der Produktion seines Corona-Impfstoffs in Marburg begonnen. Das im September von Novartis gekaufte Werk spielt künftig eine zentrale Rolle bei der Herstellung des begehrten Vakzins. Bis zu 750 Millionen Dosen jährlich sollen dort hergestellt werden, wenn der Betrieb richtig angelaufen ist. Als erster Schritt werde der Botenstoff mRNA hergestellt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Biontech hatte vor wenigen Tagen die arzneimittelrechtliche Erlaubnis dafür erhalten. Im ersten Halbjahr 2021 sollen in Marburg 250 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech und seines US-Partners Pfizer hergestellt werden. Die ersten am Standort Marburg hergestellten Impfstoffe werden nach Unternehmensangaben voraussichtlich Anfang April ausgeliefert.

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Sobald das Werk voll betriebsbereit ist, will Biontech dort bis zu 750 Millionen Dosen des Covid-19-Impfstoffs jährlich herstellen. Der neue Standort in Mittelhessen gilt als wichtiger Pfeiler in dem Bemühen von Biontech und Pfizer, in diesem Jahr die weltweite Produktionskapazität auf zwei Milliarden Dosen des Impfstoffs zu erhöhen.

Mitte September hatte Biontech den Novartis-Standort übernommen, um die Herstellungskapazitäten im Hinblick auf den Corona-Impfstoff zu erweitern.

Beste Bedingungen

Biontech-Finanzvorstand Dr. Sierk Poetting sagte damals, man arbeite eng mit Novartis zusammen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen und „sofort anfangen“ zu können, den Corona-Impfstoff in Marburg herzustellen. Der Novartis-Standort Marburg biete dafür beste Bedingungen: „Die Site ist voll ausgestattet zur Herstellung rekombinanter Proteine und für die Zell- und Gentherapie – wir können quasi direkt einziehen und mit den 300 hoch qualifizierten Mitarbeitern den Impfstoff hier produzieren“, so Poetting seinerzeit. Begünstigt wurde die Tatsache auch dadurch, dass Novartis bereits mit der entsprechenden Technologie in Marburg gearbeitet und ein entsprechendes Labor ausgebaut hatte (die OP berichtete).

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Auch hatte der Finanzvorstand erklärt, durch die Übernahme wolle man „eine der größten Messenger-RNA-Produktionsstätten in Deutschland und Europa“ werden. Dieses Ziel bestätigte das Unternehmen am Mittwoch noch einmal – die Produktionsstätte in Marburg sei „ein entscheidender Faktor bei der Erweiterung unseres Produktionsnetzwerks“.

Vier Schritte sind nötig

Die Impfstoff-Produktion läuft in vier Schritten ab – drei davon finden in Marburg statt. Zunächst wird die sogenannte „Messenger-RNA“ (mRNA) in Bio-Reaktoren hergestellt. Sie ist der eigentliche Wirkstoff im Vakzin. Danach wird das entstandene Produkt in mehreren Prozessen aufgereinigt und konzentriert. Im dritten Schritt wird die mRNA mit bestimmten flüssigen Nano-Partikeln gemischt und so in eine schützende Hülle aus Lipiden gebracht, um letztlich den fertigen Impfstoff zu erhalten. Lediglich die Abfüllung findet nicht in Marburg statt. Dazu transportiere man den Impfstoff zu einem Produktionspartner, wo er „unter sterilen Bedingungen abgefüllt und fertiggestellt“ werde, so das Unternehmen.

Der Produktionsprozess wird von mehreren Qualitätsprüfungen begleitet, wie Biontech weiter erklärte. Die einzelnen Produktionsschritte der neuen Anlagen müssen demnach von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA genehmigt werden. Entsprechende Daten von den ersten Produktionschargen sowie von den Validierungsprozessen würden im Februar und März eingereicht. „Basierend auf der Zulassung durch die EMA können dann erste Produktchargen des Impfstoffs zur sterilen Abfüllung und Fertigstellung an die Partnerstandorte geliefert werden“, so Biontech. Im Anschluss erfolge die Verteilung an die Impfstellen „gemäß den festgelegten Vereinbarungen mit den Regierungen“.

Die Qualität des Endprodukts wird den Angaben zufolge vom firmeneigenen Labor im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein und vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im hessischen Langen geprüft, bevor das Vakzin schließlich zur Verwendung freigegeben wird.

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Von unserer Agentur und Andreas Schmidt

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