Prozesse

Antworten auf Fragen der Familie Lübcke angekündigt

Der Hauptangeklagte Stephan Ernst sitzt auf der Anklagebank.

Der Hauptangeklagte Stephan Ernst sitzt auf der Anklagebank.

Frankfurt/Main. Im Prozess um den mutmaßlichen Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke will der angeklagte Stephan Ernst seinem Verteidiger zufolge bald Antworten auf Fragen geben, die die Familie des Opfers aufgeworfen hat. Dies solle voraussichtlich am kommenden Donnerstag geschehen, sagte Rechtsanwalt Mustafa Kaplan, der den 47 Jahre alten Deutschen vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt vertritt.

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Irmgard Braun-Lübcke und Sohn Jan-Hendrik Lübcke hatten als Zeugen ausgesagt. Die Witwe hatte gesagt, sie und ihre Söhne seien auf der Suche nach der "vollen Wahrheit", nach den letzten Sekunden, der letzten Minute im Leben von Walter Lübcke. Was habe er gesehen, gab es einen Blickkontakt, gab es einen letzten Wortwechsel? "Ich will die volle Wahrheit, die würde uns vielleicht helfen, das etwas besser zu verarbeiten", sagte Braun-Lübcke Mitte November vor Gericht.

Bereits in seiner Einlassung vor Gericht hatte Ernst im Sommer versichert, er wolle der Familie Lübcke Antworten auf ihre Fragen geben. Diese dürften sich auch mit der Rolle des wegen Beihilfe angeklagten Markus H. befassen, zu dem Ernst in seinen Geständnissen vor der Polizei und vor Gericht unterschiedliche Angaben gemacht hatte. Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremistischen Tatmotiv aus. H. soll Ernst politisch beeinflusst haben.

Am Donnerstag sagte ein Zeuge aus, der als Helfer für Ernsts Ex-Verteidiger Frank Hannig tätig war. Dabei ging es auch um das Zustandekommen des zweiten Geständnisses von Ernst. Darin hatte Ernst den Tod Lübckes als Unfall geschildert. Der Mitangeklagte H. habe die Waffe gehalten, als sich der Schuss versehentlich gelöst habe. Der Zeuge berichtete, Hannig habe ihm erzählt, das H. in den Gesprächen mit Ernst "immer mehr in den Fokus" gerückt sei. Nach einer gewissen Zeit habe Ernst gesagt, auch H. sei am Tatort gewesen und habe die Waffe geführt. Der Schuss habe sich versehentlich gelöst.

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Im Prozess vor dem OLG hatte Ernst angegeben, Hannig habe ihm diese Schilderung nahegelegt, um eine Einlassung von H. zu erreichen. Kurz darauf kam es zu der Trennung von Ernst und seinem Anwalt.

Außerdem sagten am Donnerstag Zeugen zu der Messerattacke auf einen irakischen Flüchtling aus, die Ernst ebenfalls vorgeworfen wird. Das Paar war auf dem Heimweg an den Tatort gekommen und hatte angesichts des auf der Straße liegenden Mannes zunächst einen Verkehrsunfall vermutet. Zu diesem Zeitpunkt sei bereits ein anderer Mann vor Ort gewesen und habe sich um den Verletzten gekümmert, sagten beide Zeugen. Der Mann habe daraufhin den Notruf angerufen. Kurz darauf seien auch Menschen aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft hinzugekommen. Beide Zeugen hatten allerdings nur wenige konkrete Erinnerungen an den mehr als vier Jahre zurückliegenden Vorfall.

dpa

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