Religion

Studie: Mehr islamische Seelsorger für junge Häftlinge nötig

Tübingen/Hannover. Die Wissenschaftler fordern mehr muslimische Gefängnisseelsorger. Für Resozialisierung und Radikalisierungsprävention spiele dies eine wichtige Rolle.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Für die Studie "Muslime im Jugendstrafvollzug - Chancen und Risiken für eine gelingende Integration" wurden mehr als 800 junge Häftlinge, Seelsorger und Beschäftigte von Justizvollzugsanstalten in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen befragt. Jeweils 41 Prozent der befragten Jugendlichen gehörten muslimischen oder christlichen Religionsgemeinschaften an. Weitere 16 Prozent rechnen sich selbst keiner Religion zu.

"Für die große Mehrheit der Jugendstrafgefangenen spielt der Glaube eine wichtige Rolle: 84 Prozent der Muslime und 78 Prozent der Christen schätzen sich als religiös ein", heißt es in einer Mitteilung. Über religiöse Bedürfnisse und seelsorgerische Betreuung der jungen Muslime gebe es wenig Informationen, obwohl ihr Anteil in den Jugendstrafanstalten bei etwa 40 Prozent liege.

"Das Interesse an der Religion hatten wir in diesem Ausmaß nicht erwartet. Es zeigt sich, dass viele Jugendliche im Gefängnis die Religion wiederentdecken, weil sie ihnen Orientierung und ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln kann", so Projektleiter Tillmann Bartsch, Professor für Kriminologie an der Universität Tübingen. Anders als in Gesprächen mit Sozialarbeitern oder Psychologen fühlten sich viele im Kontakt mit Seelsorgern weniger bewertet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mehr als die Hälfte der Muslime fühle sich indes benachteiligt, da eigene Gebetsräume fehlten oder religiöse Gebräuche wie das Fastenbrechen im Ramadan mit den Abläufen im Strafvollzug kollidierten. Mehr als zwei Drittel sehen sich in der Ausübung ihres Glaubens nicht hinreichend unterstützt. Wesentlicher Grund sei, dass muslimische Seelsorger im Gegensatz zu christlichen Kollegen nur als Teilzeitkräfte auf Honorarbasis beschäftigt seien.

© dpa-infocom, dpa:210915-99-228851/2

dpa

Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen