Migration

Studie erforscht Wirksamkeit von Hilfen für Flüchtlinge

Mainz. Extreme Anstrengung, Hunger, Todesangst - das auf der Flucht nach Deutschland erfahrene Leid prägt das Leben von Jugendlichen über Monate und Jahre hinweg. Ein therapeutisches Projekt zur Überwindung solcher Krisenerfahrungen soll jetzt an der Rheinhessen-Fachklinik wissenschaftlich auf seine Wirksamkeit überprüft werden. Dazu werden noch junge Geflüchtete im Alter von 13 bis 17 Jahren als Teilnehmer gesucht.

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"Ich werde nie vergessen, wie ich den ersten Flüchtling behandelt habe", sagt der Leiter der Studie, Michael Huss. Dieser habe gesagt: "Ich will gar nicht reden, ich will Ihnen meinen Rücken zeigen." Huss fügt hinzu: "Da sah ich dann diese Folterspuren."

Der Chefarzt an der Rheinhessen-Fachklinik Mainz und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz erklärt, dass Mediziner bei der Ankunft vieler traumatisierter Flüchtlinge 2015 aus Syrien, Irak oder Afghanistan mit einer Notlage konfrontiert worden seien, "auf die wir nicht richtig vorbereitet waren".

Eine Gruppe von Therapeutinnen und Therapeuten habe damals ein Programm mit Gruppenarbeiten und Bildmaterial entwickelt, um Betroffene dabei zu unterstützen, Stress zu regulieren und Gefühlsausschläge steuern zu können. Das strukturierte Therapiemanual START (Stress-Traumasymptome-Arousal-Regulations-Treatment) wurde von Andrea Dixius und Eva Möhler intuitiv in der praktischen Therapie-Arbeit entwickelt. START habe sich als sehr sinnvoll erwiesen. "Aber es stand eine wissenschaftliche Überprüfung aus", erklärt Huss.

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Die vom Bundesforschungsministerium unterstützte "START A1-Studie für geflüchtete junge Menschen" will nun in zwei zeitversetzten Gruppen untersuchen, welche Bausteine des Programms besonders wirksam sind. In sechs Zentren - Mainz, Idar-Oberstein, Landau und Neuwied sowie Kleinblittersdorf im Saarland und Marburg in Hessen - sollen insgesamt 174 junge Geflüchtete daran teilnehmen. Interessierte sind aufgerufen, sich dafür zu melden.

"Die Flüchtlingsthematik wird für die nächste Dekade noch ein ganz großes Thema", erwartet Huss. "Afghanistan ist ein aktuelles Thema, aber es wird immer wieder auch andere Krisenherde geben."

© dpa-infocom, dpa:210820-99-903994/3

dpa

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