Armut

Sorge um Obdachlose: Ncht alle nutzen Notschlafstellen

Ein Obdachloser sitzt am Abend in der Frankfurter Innenstadt mit seinem Hab und Gut vor einem geschlossenen Laden.

Ein Obdachloser sitzt am Abend in der Frankfurter Innenstadt mit seinem Hab und Gut vor einem geschlossenen Laden.

Frankfurt/Main. Angesichts klirrender Kälte hat unter anderem die Stadt Frankfurt ihre Hilfsangebote für obdachlose Menschen verstärkt. Doch nicht alle können oder wollen beispielsweise die Notschlafstelle in einer U-Bahn-Station in der Frankfurter Innenstadt aufsuchen. "Unsere Sorge sind die, die sich selber nicht versorgen können, etwa wegen psychischer Erkrankungen, und die ihren Platz gar nicht verlassen", sagte Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten der Deutschen Presse-Agentur. Gerade unter denjenigen, die auch jetzt im Freien übernachteten, litten viele unter psychischen Erkrankungen.

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Gleichzeitig beobachten Sozialarbeiter angesichts der derzeitigen Minusgrade, dass viele Menschen "auf jeden Fall" mehr hinsehen auf die Armut in ihrer Umgebung. "Letzte Nacht haben wir 30 Aufträge abgearbeitet", sagte Heinrichs über die Arbeit des Frankfurter Kältebusses, dessen Mitarbeiter Obdachlose an ihren Schlafplätzen aufsuchen, mit Schlafsäcken, Decken und heißen Getränken. "Das sind Rückmeldungen von Bürgern, die jemanden im öffentlichen Raum gesehen haben und nicht sicher sind, ob der gerüstet ist für die Nacht."

"Wir merken, dass mehr hingeschaut wird", sagte auch Stefan Gillich, Leiter der Abteilung Existenzsicherung und Armutspolitik bei der Diakonie Hessen. "Es sieht so aus, als sei die Sensibilisierung für Notlagen größer geworden und die Bereitschaft, irgendetwas zu tun - und sei es, bei Polizei oder Ordnungsamt anzurufen, wenn man einen Obdachlosen sieht, der draußen schläft."

Eine erhöhte Nachfrage habe es trotz der klirrenden Kälte auch in den Einrichtungen in Nordhessen bisher nicht gegeben, obwohl wegen der Corona-Schutzmaßnahmen die Kapazitäten begrenzter sind als früher. "Es gibt auf den Zimmern der Unterkünfte nur noch Einzelbelegung." Mit der Stadt Kassel etwa gebe es die Vereinbarung, Menschen, die keine Aufnahme in den Noteinrichtungen finden können, in Hotels oder Pensionen unterzubringen. In Darmstadt seien zudem in einer Unterkunft für Frauen zusätzliche Schlafmöglichkeiten im Tagesraum eingerichtet worden, unter Beachtung der Schutz- und Abstandregeln. Zumindest können die Frauen dort ihren Schlafsack in einem trockenen und warmen Raum ausrollen. "Niemand soll erfrieren", betonte Gillich.

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Doch auch er wisse von obdachlosen Menschen, die nicht in Notunterkünfte gehen wollen oder können, etwa wegen psychischer Erkrankungen und weil sie die Nähe anderer nicht ertragen. "Deshalb haben wir auch in diesem Winter wieder die Aktion "Wärme spenden"." Von den Spendengeldern wird der Kauf von Schlafsäcken organisiert, die auch bei Minusgraden warm halten und wasserfest sind - für das Leben im Freien gerade bei Schnee- und Eisregen besonders wichtig.

Heinrichs zufolge hält sich inzwischen eine zunehmende Zahl obdachloser Menschen am Frankfurter Flughafen auf. "Da ist es beheizt, da gibt's viel frei Fläche, weil es im Moment wenig Passagiere gibt", so Heinrichs. Ganz neu ist das nicht: Ein paar Dutzend Menschen halten sich dauerhaft am Flughafen auf, fielen zu normalen Reisezeiten nur auf, wenn sie frühmorgens im Umkreis von Schnellimbissen schliefen oder Abfalleimer auf der Suche nach Pfandflaschen durchsuchten. Nun aber berichteten Sozialarbeiter, dass sie dort mehr Leute betreuen, sagte Heinrichs. "Nicht nur aus Frankfurt, sondern auch aus anderen Städten."

© dpa-infocom, dpa:210209-99-366814/4

dpa

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