Naturschutz

Fulda testet insektenfreundliche Beleuchtung: Projektauftakt

Eintagsfliegen schwirren unter einer Straßenlaterne.

Eintagsfliegen schwirren unter einer Straßenlaterne.

Fulda. Mit einem Artenschutzprojekt will die Stadt Fulda den Einfluss künstlicher Beleuchtung in der Nacht auf das Insektensterben untersuchen. Mittels Insektenfallen an Straßenlaternen soll dabei ermittelt werden, mit welchen Verbesserungen der nächtlichen Beleuchtung sich schädliche Anziehungseffekte von Laternen verringern und so Insekten besser schützen lassen. An dem Projekt beteiligen sich neben Fulda auch die Stadt Krakow am See in Mecklenburg-Vorpommern sowie die brandenburgischen Ortsteile Havelaue-Gülpe und Stechlin-Neuglobsow. Die Stadt Fulda hatte auch "Bürgerwissenschaftler" um Hilfe beim Sammeln und Bestimmen der Insekten gebeten.

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Wie bei allen Tieren und Pflanzen sei auch das Leben der Insekten vom Tag-Nacht-Wechsel, vom Mondzyklus und den Jahreszeiten bestimmt, erläuterte Projektkoordinatorin Isabell Wuthenow vom Umweltzentrum Fulda. Bei dauerhaften Veränderungen des Tag-Nacht-Rhythmus könne es zu Verschiebungen in der Entwicklung und Vermehrung der Insekten, aber auch zum Verschwinden besonders lichtsensibler Arten kommen - mit möglichen Folgen für das gesamte Ökosystem: Werde etwa die nächtliche Bestäubung von Pflanzen durch bestimmte Falter gestört, seien nicht nur die entsprechenden Pflanzenarten gefährdet, sondern auch tagaktive Bestäuber wie Bienen, deren Nahrungsgrundlage sich verschlechtere.

Da beispielsweise Straßenbeleuchtungen dämmerungs- und nachtaktive Insekten magnetisch an- und damit aus ihren Lebensräumen herausziehen, wirken sie wie Barrieren. Aber auch generell nimmt die Lichtverschmutzung Jahr für Jahr zu - Schätzungen zufolge um etwa zwei bis sechs Prozent weltweit. Hierzulande beleuchten beispielsweise immer mehr Privatleute ihre Gärten, Balkone oder Terrassen nachts, teils zum Schutz vor Einbrechern, teils auch um das eigene Areal in Szene zu setzen.

Auch die nun bald wieder in vielen Gärten zu findende Weihnachtsbeleuchtung sei problematisch für die Insekten, weil diese in Bäumen und Sträuchern überwintern und durch Lichterketten, Leuchtfiguren und Co. gestört würden, sagte Wuthenow. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beklagt ebenfalls die zunehmende Lichtverschmutzung in Privatgärten und rät beispielsweise von Kugelleuchten ab, die in alle Richtungen strahlen. Am Haus und im Garten sei Dauerlicht außerdem überflüssig - ein Bewegungsmelder schalte nur dann ein, wenn Licht gebraucht werde, so der Nabu.

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Über das Fuldaer Projekt sollen nun optimierte Laternen im Einsatz getestet werden, bei dem das Leuchtmittel weniger auf die Flughöhe der Insekten und auch angrenzende Grünflächen abstrahlt. Warme Lichtfarben seien zudem günstiger als kalte, sagte Wuthenow. Um die Effekte optimal bestimmen zu können, sei es nötig, die Zahl der in den Fallen gefangenen Insekten jeweils vor und nach der Umrüstung der Laternen zu ermitteln und auch die gefangenen Insektenarten zu bestimmen. Gerade dafür sei man für die Hilfe von Bürgern sehr dankbar. Auch an Workshops sowie an Messungen der Nachthimmelshelligkeit über eine App können sich interessierte "Bürgerwissenschaftler" beteiligen. Für Freitag (30. Oktober) ist zudem eine Auftaktveranstaltung für das Projekt in Stechlin-Neuglobsow mit Online-Einwahlmöglichkeit geplant.

Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Die technischen Voraussetzungen für das insektenfreundliche Straßenbeleuchtungsdesign werden durch das Fachgebiet Lichttechnik an der Technischen Universität Berlin untersucht. Fulda gilt als vorbildlich beim Umgang mit der Lichtverschmutzung: Nachdem das nahe Biosphärenreservat (BR) Rhön 2014 von einer Fachorganisation aus den USA als Sternenpark ausgezeichnet worden war, erhielt Fulda Anfang 2019 die Auszeichnung als Sternenstadt.

dpa

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