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OP Bitte anschnallen: Sepultura ist im Haus
Bitte anschnallen: Sepultura ist im Haus
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00:19 30.08.2018
Schweißtreibende Angelegenheit für die brasilianische Band ­Sepultura: Sänger Derrick Leon Green und Gitarrist Andreas Kisser geben alles auf der KFZ-Bühne. Fotos: Nadine Weigel
Schweißtreibende Angelegenheit für die brasilianische Band ­Sepultura: Sänger Derrick Leon Green und Gitarrist Andreas Kisser geben alles auf der KFZ-Bühne. Fotos: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Heute sind sie ­alle gekommen: die Schlaksigen und die Grazien in ihren Kutten und Bandshirts. Da sind die, die nichts mehr sehen, dafür aber umso besser hören. Da sind Menschen in Rollstühlen. Vorne­ an der Bühne und draußen im Foyer. Jung und Alt, Groß und Klein. Alle da.

Manche brauchten wenige ­Minuten bis zum KFZ, andere­ haben eine lange Anreise in Kauf genommen, um ihre Helden live zu sehen. Und natürlich sind an diesem Donnerstagabend auch diejenigen im KFZ, die Anfang der 90iger das Sepultura-Poster an der Wand und das „Chaos A.D.“-Album im CD-Ständer hatten. Sie alle gehören zur Familie. Diese ­Familie steht zusammen - die Fäuste in Richtung Himmel gereckt.

Und so krachend laut es von der Bühne­ schallt, so vorsichtig gehen die Besucher miteinander um. Geschubse gibt es im Pit. Das gehört dazu. Tritt man weiter hinten jemandem aus Versehen auf den Fuß entschuldigt der sich jedoch zumeist noch dafür.

Okay, Sepultura hatten ihre größten Erfolge Anfang und Mitte der 90er. Seither haben sie viele Stilveränderungen vorgenommen. Zu dem rohen Trash-Metal gesellten sich immer mehr Anleihen aus Hardcore und Punk. Immer gab es Einflüsse von Tribal und natürlich auch aus der Weltmusik, die zum ganz eigenen Sound von Sepultura beitragen. Trotz der langen Wegstrecke, steht an diesem Abend eben keine abgehalfterte Band auf der Bühne, die verzweifelt um Aufmerksamkeit giert.

Bestes Beispiel ist Eloy Casagrande, der in seinen 27 Lebensjahren mutmaßlich jede freie Sekunde auf dem Schlagzeughocker saß. Sein Spiel ist präzise - eine perfekte Kombination aus Schnelligkeit und Härte.

Daneben steht Andreas Kisser, der seit 1987 ein fester Bestandteil der brasilianischen Formation ist. Er zeichnet für die metal-typischen Gitarrensoli verantwortlich und wird auch im KFZ mit viel Beifall bedacht. Zum Beispiel gegen Mitte des Sets bei einem Instrumetalstück. Kisser zeigt hier, welche ­irren Tonfolgen er einer Akustikgitarre entlocken kann.

Was damals schon gut war, ist heute nicht schlecht

Immer dabei, so wie in den vergangenen 34 Jahren der Bandgeschichte, ist Paulo Xisto­ Pinto Jr. Das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Sepultura hat zumeist ein Grinsen auf dem Gesicht und ist in sein Bass-Spiel vertieft.

Bleibt nur noch einer. Ein wahrer Koloss mit der Stimmgewalt eines Vulkans: Derrick Leon Green. Sogar seine Ansagen zwischen den einzelnen Stücken klingen furchterregend. Was nach außen so erschreckend klingt, hat inhaltlich viel mit Dankbarkeit zu tun. Green ist dankbar, dass so viele Menschen gekommen sind. Dass alle so sehr feiern. Dass die Familie da ist.

Als Zugabe gibt es dann natürlich noch „Ratamahatta“, „Roots Bloody Roots“ und „Refuse/Resist“. Klar, viele haben auf diesen „Klassiker“ gewartet. Aber warum auch nicht? Das, was damals schon gut war, ist heute nicht schlecht.

Nicht unterschlagen darf man an dieser Stelle jedoch, dass es Sepultura ziemlich einfach gemacht wurde. Zumindest was die Stimmungslage nach den beiden Vorbands angeht. Los ging es energiegeladen mit Depravation. Kokettierend damit, dass die Gießener Death-Metaler in der aus ihrer Sicht „verbotenen Stadt“ spielten, heizten die vier Jungs den Zuschauern schon ordentlich ein. Danach gab es die typischen 80er-Jahre-Gitarren beim fulminanten Auftritt von Warbringer. Die US-Amerikaner überzeugten mit ihrem Trash-Metal und hatten das Publikum schnell für sich gewonnen.

von Dennis Siepmann