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Mir schwätze platt Viel "Diwwes" bedeutet Hektik
Viel "Diwwes" bedeutet Hektik
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14:50 02.12.2009
Am Bahnhof herrscht regelmäßig viel "Diwwes". Quelle: Michael Berger/pixelio

Marburg. Der Dialekt kennt da mehr Varianten. Anneliese Hermann aus Dautphetal hat zur Serie "Mir schwätze platt" den "Diwwes" eingeschickt. Wenn jemand viel "Diwwes" macht, dann herrscht Hektik und Stress. Der Ursprung des so genannten Namenwortes liegt, wie Professor Heinrich Dingeldein vom Deutschen Sprachatlas erklärt, im Namen "Tobias". Als Tobias bezeichnete man früher jemanden, der viel Hektik machte und für Unruhe sorgte.

Namenwörter gehen oft auch auf sehr lokale Träger zurück. So ist in Roth und Bellnhausen ein "Hambaalz" ein etwas ungelenker, vorlauter Mensch, der nicht durch übermäßige Intelligenz von sich reden macht, wie Willi und Heinz Rabenau erklären. Der Ausdruck geht auf einen Johannes Balzer oder Balthasar zurück, der wohl die wenig schmeichelhaften Eigenschaften in sich vereinigte, die einem "Hambaalz" nachgesagt werden. Einen "Hambaalz" achteten die Menschen im Dorf nicht besonders hoch, weil er sich gegenüber anderen nicht besonders geschickt verhielt, erklären Willi und Heinz Rabenau. Im Zusammenhang der Namenwörter ist auch der "Hannes" oder Johannes zu sehen - der eben kein Herr, sondern ein Knecht, ein "Hannes" war. Meist sind die Namenwörter milde Formen von Schimpfwörtern, eine Wortgruppe, die sich im Dialekt besonders lange hält, weil sie keine Entsprechung im Hochdeutschen findet, erklärt Sprachwissenschaftler Dingeldein.
Schicken Sie Ihren "Hambaalz" oder Ihr Lieblingssprichwort unter dem Stichwort "Mir schwätze platt" an die Oberhessische Presse, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder per Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

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