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Landratswahl 2022 Für Anna Hofmann steht Frieden im Fokus
Themen Specials Landratswahl 2022 Für Anna Hofmann steht Frieden im Fokus
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11:30 27.04.2022
Anna Hofmann (Linke) will Landrätin werden.
Anna Hofmann (Linke) will Landrätin werden. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Anna Hofmann ist die Landratskandidatin für Die Linke. Sie tritt am 15. Mai bereits zum dritten Mal an.

Für welche landkreisweiten Projekte müsste aber unbedingt noch Geld da sein?

Für den Klimawandel, wir müssen die erneuerbaren Energien ausbauen und ein Konzept mit den Gemeinden und der Stadt erarbeiten, um den Ausstieg aus der Atomkraft zu schaffen, zum Beispiel für jede Schule ein Solardach. Wir brauchen auch aufgrund der Inflation dringend Hilfe für Menschen, die im Hartz-IV-Bezug sind oder andere Sozialleistungen beziehen, wie Grundsicherung.

Sie mahnen an, dass verschiedene Projekte mit zu wenig Geld unterstützt werden. Sollte da noch etwas gehen?

Definitiv. Der Frauennotruf ist seit Jahren unterfinanziert, die Frauenhäuser sind voll – übervoll. Es müsste massiv in Plätze und auch in Konzepte investiert werden. Tierschutz ist auch ein großes Thema. Das Tierheim muss komplett saniert werden. Der Landkreis und die Gemeinde schieben sich die Verantwortung hin und her, weil es eine komplizierte Trägerstruktur gibt. Man bräuchte auch noch eine Wildtierauffangstation.

Beim ÖPNV ist etwas getan worden, aber es ist nicht genug. Die Stadtbusse sind nicht mit den Kreisbussen koordiniert. Es gibt zudem drei Strukturen: die Stadtbusse, den RNV und den RMV. Stadt und Kreis müssten zusammengelegt werden in eine Struktur, und man müsste ein Regio-Tram-Modell umsetzen, das Gießen als zweites Oberzentrum einbezieht. In ganz kleinen Orten könnte man auch Bürgerbusse einsetzen. Medizinisches Versorgungszentrum und die medizinische Versorgung wieder zurück aufs Land zu bringen, sind auch zwei große Themen von uns.

Thema Ausbau Verkehrsnetz: Wie stehen Sie zu dem Thema kostenloser ÖPNV?

Wir haben den ÖPNV zum Nulltarif im Kreistag mehrfach gefordert, und als Kompromiss, dass Menschen mit geringem Einkommen freifahren. Daraus entstand das „Miteinander Ticket Solidarisch“, das aber nur 7 Tage ausleihbar ist über die Diakonie.

Was kann der Landkreis in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz noch besser machen?

Der Landkreis müsste erstmal festlegen, was wir überhaupt verbrauchen. Wenn man eine genaue Datenlage hätte, könnte man sagen, welche Anteile an Energie man überhaupt ausbauen könnte. Man müsste festlegen, wie viel Windkraft brauchen wir, wie viel Solarkraft, wie müssten unsere Netze ausgebaut werden.

Wie sähe unter Ihrer Führung Bürgerbeteiligung aus?

Ich würde Bürgerbeteiligung ausweiten und anders machen. Das Bürgerbeteiligungskonzept des Landkreises finde ich nicht zielführend, es ist nichtssagend. Man möchte mit dem Konzept bei den Bürgern Zustimmung kreieren, indem man sie befragt. So kann Bürgerbeteiligung nicht vernünftig funktionieren. Man braucht wieder direkte Demokratie und Beteiligung.

Ist die Flüchtlingspolitik der Koalition ausreichend oder haben Sie da noch andere Ideen?

Ich finde, man muss Geflüchtete aus allen Ländern gleich behandeln: Dazu gehört, dass der Landkreis „sicherer Hafen wird“ und seine Aufnahmebereitschaft auch für Geflüchtete aus Griechenland, Belarus und polnischer Abschiebehaft erklärt. Vieles, was wir gefordert haben, wird jetzt bei den ukrainischen Geflüchteten umgesetzt, aber das muss für alle gelten.

Wie soll ärmeren Menschen mehr Teilhabe am sozialen Leben gesichert werden?

Das Wichtigste wäre, den Regelsatz zu erhöhen. Das wird von der Bundesregierung nicht gemacht. Ein Erwachsener hat einen Tagessatz von 5,90 Euro für Nahrungsmittel. Wie kann man sich davon gesund ernähren? Wir haben zwar noch das Tafelsystem, es können aber gar nicht alle bei der Tafel aufgenommen werden. Wenn man schon nicht den Satz erhöht, muss die Kommune einspringen und andere Projekte fördern. Was die soziale Teilhabe angeht, haben wir immer gefordert, dass man ein Kultur- und Sozialticket einführt.

Gibt es noch ein Thema, was jetzt mehr in den Fokus gerückt werden muss?

Die Friedensfrage steht für mich im Fokus. Wie damit umgegangen wird, hat auch für den Landkreis eine große Bedeutung. Marburg-Biedenkopf hat ein großes Potenzial, sich Gehör zu verschaffen. Deshalb muss es in den Kommunen Bündnisse wie „Mayors for Peace“ geben.

Zum dritten Mal dabei: Welches Ergebnis erwarten Sie?

Tatsächlich kandidiere ich für die Partei „Die Linke“, um diese Themen voranzutreiben. Mein persönliches Ergebnis ist dabei nicht ausschlaggebend. Natürlich wünsche ich mir, Landrätin zu werden, aber befürchte, dass die Zeit für eine sozial-ökologische Wende noch nicht gekommen ist.

Persönliches

Name: Anna Hofmann

Alter: 40

Familienstand: ledig

Geburtsort: Marburg

Wohnort: Marbach

Beruf: Geschäftsführerin der Fraktion Die Linke im Landeswohlfahrtsverband und Gästeführerin im Goethehaus Frankfurt

Lebensmotto: Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein. (Kurt Tucholsky)

Digitaler Wahlkampf: Über die Homepage der Linken.

Von Silke Pfeifer-Sternke und Larissa Pitzen