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Landratswahl 2022 Thomas Riedel will die Digitalisierung angehen
Themen Specials Landratswahl 2022 Thomas Riedel will die Digitalisierung angehen
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11:30 27.04.2022
Thomas Riedel (FDP) will Landrat werden.
Thomas Riedel (FDP) will Landrat werden. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Thomas Riedel ist der Landratskandidat der FDP.

Vor zwei Jahren haben Sie bei der Wahl 4,4 Prozent erreicht. Warum sollte es diesmal besser werden?

Niemand hat gewollt, dass wir jetzt wieder wählen müssen. Da es sich bei der Wahl um eine Personenwahl handelt und mich die Menschen vielleicht vom letzten Mal und auch von der Kreistagswahl ein bisschen kennen, kann es schon sein, dass ich besser abschneide. Alles andere als SPD und CDU in der Stichwahl wäre eine Überraschung – aber wir arbeiten an dieser Überraschung. Als Seiteneinsteiger mit viel Wirtschaftserfahrung stelle ich eine echte Alternative dar.

Sie wollen unter anderem die Bürgerbeteiligung mit Leben füllen. Wie?

Wir müssen Themen identifizieren, wo diese stattfinden soll – und dann die Teilnehmenden nicht per Zufallsprinzip auswählen, sondern ganz bewusst auf die Menschen mit Expertise im Kreis setzen, von denen wir ganz viele haben. Diese Menschen müssen wir einbinden.

Auch würden Sie gerne Verwaltungsabläufe straffen. Wo hakt es denn?

Wo es hakt, wird man wohl durch Corona gemerkt haben. Da hoffe ich, dass die Verwaltung etwaige Defizite in Prozessen erkannt hat, um sie dann auszumerzen. Solche Defizite gibt es in jedem Unternehmen, in jeder Verwaltung. Entscheidend ist, sie dann nach Priorität gemeinsam abzubauen – auch durch den Blick auf andere Verwaltungen, die eventuell schon Lösungen haben.

Welche Schwächen hat Corona offengelegt?

Digitalisierungsprobleme, die zum Beispiel beim Gesundheitsamt auch schon angegangen wurden. Insgesamt ist noch mehr möglich. Die Verwaltung ist für die Bürger da, diese wollen einfache Abläufe und wegen Kleinigkeiten nicht mehrfach zur Behörde rennen. Digitalisierung kann Lösungen schaffen, dass Abläufe effizienter werden, dadurch Ressourcen frei werden und die Mitarbeiter besser eingesetzt werden können.

Wie müsste eine moderne Schule aussehen?

Da lohnt sich etwa der Blick nach Finnland, wo man vor 10, 15 Jahren schon sehen konnte, was technisch möglich wäre – davon sind wir Lichtjahre entfernt. Doch nutzt die beste Technik nichts, wenn das Konzept drumherum nicht stimmt. Dort müsste das Schulamt ansetzen – und der Kreis dann die technischen und baulichen Voraussetzungen schaffen. Das hat bisher alles viel zu lange gedauert.

Planung ist ja auch ein entsprechendes Stichwort.

Genau – zum Beispiel bei den Radwegen: Jetzt vor der Wahl tut sich plötzlich was – aber was ist vorher passiert? Kann an den Zeiten nichts verkürzt werden? Auch hier gilt: Es muss eine Priorisierung stattfinden – um dann schneller in die Umsetzung zu kommen. Da ist es bestimmt nicht schlecht, wenn man jemanden wie mich hat, der vorher in der Wirtschaft tätig war und sich mit Priorisierung und Beschleunigung von Projekten auskennt.

Sie sind ja kein Freund von Windkraft …

Das stimmt so nicht.

… im Wald.

Ja, genau.

Wie kann der Landkreis denn seine Klimaziele erreichen?

Die größten Einsparpotenziale liegen in der Energievermeidung – also in energetischer Sanierung und der Nutzung moderner Heizungen. Dort könnte man mit Förderungen ansetzen. Beim Strom gilt: Nahezu alles bekommen wir von außerhalb. Wollte man eine Grundversorgung im Kreis haben, benötigten wir ein oder zwei hochmoderne Gaskraftwerke, die man später auf Wasserstoff umstellen könnte, um die Grundlast zu sichern. Übrigens haben die Grünen in Finnland mit der Regierung entschieden, einen hochmodernen, sicheren, neuen Atomreaktor zu bauen, der den Atommüll alter Anlagen weiterverwendet – da darf es kein ideologisches Denkverbot geben.

Wenn Sie Landrat wären – wäre das das Aus für die Ohmtalbahn?

Vermutlich. Denn: Macht es Sinn, einen alten Dinosaurier wiederzubeleben, oder ist es besser, auf Wasserstoff- oder Elektrobusse zu setzen, die wesentlich flexibler sind? Ziel muss ein Bus-System sein, das zu Stoßzeiten regulär fährt, aber dann, wenn Luft ist, Busse nicht mehr einem festen Zeitplan folgen, sondern individuell nach Hause gerufen werden können – das gibt es schon in Skandinavien.

Welche Stellschrauben müssten bei der Wirtschaft gedreht werden?

Wirtschaftsförderung ist immens wichtig – mit der Ausweitung von Gewerbegebieten und einer attraktiven Anbindung an die Infrastruktur. So können wir Fachkräfte und deren Familien gewinnen und in einer attraktiven Region halten. Doch fehlt ein Mobilitätskonzept – etwa für den Pharma-Standort. Es ist ein Unding, dass den Behring-Tunnel niemand jemals wirklich geplant hat – dabei habe ich noch niemanden gehört, der eine bessere Idee hat. Insgesamt muss es bei dem Thema eine enge Kooperation von Kommunen und Landkreis geben – damit wir attraktiv bleiben.

Persönliches

Name: Thomas Riedel
Alter: 57 Jahre
Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Töchter
Geburtsort: Troisdorf, NRW
Wohnort: Michelbach
Beruf: Leitender Projektberater
Lebensmotto: Geht nicht gibt‘s nicht …
Digitaler Wahlkampf: Unterseite auf der Website der Kreis-FDP sowie eigene Seiten auf Facebook und Instagram.

Von Andreas Schmidt