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Landratswahl 2022 Jens Womelsdorf will Bürgerbeteiligung weiterentwickeln
Themen Specials Landratswahl 2022 Jens Womelsdorf will Bürgerbeteiligung weiterentwickeln
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11:30 27.04.2022
Jens Womelsdorf (SPD) will Landrat werden.
Jens Womelsdorf (SPD) will Landrat werden. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Im Interview steht der Kandidat Jens Womelsdorf für die Landratswahl Rede und Antwort.

Herr Womelsdorf, stammen Sie aus einer typischen SPD-Wähler-Familie?

Mein Großvater war im Bergbau tätig, wechselte zu Viessmann in den Hallenbau. Als ich überlegte, mich politisch zu engagieren, brachte er mich auf den Weg, indem er sagte: „Jens, dann musst du in die SPD.“ Ich war zwar in der Naturschutzjugend und hätte mir auch etwas anderes vorstellen können, aber mit dem Gerechtigkeitsargument gab er den entscheidenden Impuls und ich trat 2005 ein.

Die Politikwissenschaften waren schon immer Ihr Ziel?

Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann wollte ich Archäologie studieren, um ein kleiner „Indiana Jones“ zu werden. Aber an dem Studium fehlte mir die Praxisorientierung. Also beschloss ich, Politikwissenschaften zu studieren und den Fokus auf Wirtschaft und Verwaltung zu legen. Im Studium befasste ich mich vor allem mit sehr aktuellen Themen: Verwaltungsmodernisierung und Bürgerbeteiligung.

Sie wollen Landrat werden. Wie kam es dazu?

Den Plan, dieses Jahr für das Amt zu kandidieren, hatte ich natürlich nicht. Ich war als Projektleiter dabei, eine Abteilung Verbraucherschutz und Recht beim Auto Club Europa in Stuttgart aufzubauen. Das bereitete mir unheimlich viel Spaß, aber dann kam die Anfrage, ob ich als Landratskandidat zur Verfügung stünde.

Was bewegt Sie als Fast-Indiana-Jones das Abenteuer „Leitung einer großen Verwaltung“ einzugehen?

Auf der einen Seite suche ich den Kontakt zu Menschen und würde die Bürgerbeteiligung gerne weiterentwickeln. Da sehe ich den Landrat als wichtige Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürgern, Vereinen und Unternehmen. Ich greife gern die Interessen und Probleme der Menschen auf und entwickle Konzepte, um Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Also genau das, was ich als Projektleiter beim ACE machte.

Was könnten Sie für den Landkreis noch einbringen?

Mit Themen wie Barrierefreiheit, E-Mobilität oder Wasserstoff als Treibstoff und Verkehrssicherheit habe ich mich zwei Jahre befasst. Dann meine Kompetenzen in der Verwaltungsmodernisierung und aus meiner Ausbildung auch noch das Thema Finanzen.

Was für einen Chef bekämen die mehr als 1000 Mitarbeiter: einen Teamworker oder einen kleinen Napoleon?

Für einen Napoleon bin ich zu groß. Ich arbeite lieber teamorientiert, mag es, mit anderen Menschen auf Augenhöhe zu arbeiten.

Als man Sie aufs Schild hob, hieß es, Sie hätten einen sozialen Kompass. Was bedeutete das?

Ich möchte, dass Sachen möglichst gerecht sind. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen benachteiligt werden. Auf die Menschen zugehen und möglichst herausfinden, was sie bewegt – das hat mich schon immer angetrieben.

Bei der Nominierung hieß es auch, Sie hätten das Herz am rechten Fleck. Sind Sie zu weich zum Führen einer so großen Behörde?

Ein herzlicher Mensch zu sein, ist – glaube ich – kein Manko. Es ist auch richtig und wichtig, Entscheidungen treffen zu können, die für jemanden nachteilig sind. Das geschieht in so einem Amt automatisch. Im politischen Diskurs kann man nicht immer einen Konsens finden, aber man muss sich am Ende noch in die Augen schauen können.

Welche Schwerpunkte würden Sie als Landrat setzen?

Derzeit brennt den Menschen natürlich der Ukraine-Krieg auf der Seele. Daraus sind auch Dinge für die konkrete Arbeit abzuleiten, zum Beispiel das ehrenamtliche Engagement, ein Thema, das mich sehr bewegt. Natürlich auch die Energiekrise und den Klimawandel, den man nicht aus den Augen verlieren darf.

In welche Richtung schauen Sie da zum Beispiel?

Es gilt die Chance zu ergreifen, intensiver über Bio-Energiedörfer und Energiegenossenschaften zu reden und die Akzeptanz durch Bürgerbeteiligungen zu erhöhen. Die Digitalisierung wird uns ebenfalls weiter beschäftigen. Um gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Landkreis zu erreichen, für Arbeit und Mobilität ist es wichtig, die Glasfaser- und Mobilfunknetze auszubauen.

Steckbrief

Jens Womelsdorf

Geboren: am 26. April 1980 in Frankenberg

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Wohnort: Marburg-Cyriaxweimar

Beruflicher Werdegang: seit dem 19. Februar Landratskandidat der SPD

seit Januar 2022 Abteilungsleiter Verbraucherschutz und Recht beim Auto Club Europa, davor Regionalbeauftragter.

Dezember 2011 bis Dezember 2019 Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf.

2007 – 2011 Referent für Lehrevalutation, wissenschaftliche Hilfskraft, studentischer Mitarbeiter.

2004 – 2010 Studium der Politikwissenschaften an der Philipps-Universität

2001 – 2004 Ausbildung zum Bankkaufmann

2004 Abitur an der Edertalschule in Frankenberg

Ehrenämter unter anderem: stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD in der Marburger Stadtverordnetenversammlung, Vorstand ProFamilia Marburg, Mitglied bei Hessische Tribüne, Förderverein Kinder im Allnatal, Marburger Tafel.

Von Gianfranco Fain