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Landratswahl 2022 Welche Angebote an die hiesige Landwirtschaft gibt es?
Themen Specials Landratswahl 2022 Welche Angebote an die hiesige Landwirtschaft gibt es?
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14:00 08.05.2022
Erntearbeiten auf einem Feld zwischen Schröck und Amöneburg.
Erntearbeiten auf einem Feld zwischen Schröck und Amöneburg. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg-Biedenkopf

Die dritte von drei Fragen, die alle Landratskandidatinnen und Landratskandidaten der Oberhessischen Presse beantworten mussten, dreht sich um die Landwirtschaft. Sie lautet: Der Landkreis hatte nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz von Kirsten Fründt eine enge Bindung zur Landwirtschaft im Landkreis. Es gab auch verschiedene Initiativen, regionale Produkte bekannt zu machen und so zu fördern. Was werden Ihre Angebote an die hiesige Landwirtschaft sein?

Carola Carius (Bündnis 90 / Die Grünen)

Für die Landwirtschaft möchte ich auf Aufklärung, Feste, Gemeinsames setzen, um die Bedeutung und Funktion zu verdeutlichen. Denn es gibt viele Konfliktbereiche zwischen Bürger:innen und Landwirt:innen, sei es auf dem Radweg, dem Feldweg oder Beeinträchtigungen durch Gerüche und Angst vor Spritzmitteln. Unsere kleingliedrige Landwirtschaft ist oft großartig und nicht mit den großen Betrieben in Norddeutschland vergleichbar. Wir sind Ökomodellregion und sollten uns aktiv für regionale Absatzmärkte einsetzen, die verlässlich sind. Um diese Märkte zu bedienen, braucht es verarbeitendes Gewerbe und Veredelung. Ich möchte beides fördern und die Essen in Kantinen und Schulmensen des Landkreises auf Bio und Regional, in jedem Fall auf nachhaltige Ernährung, umstellen. Ökologischer Landbau fördert die Bodenfruchtbarkeit und bringt den Artenschutz voran. Er ist Klimaschutz auf großer Fläche.

Anna Hofmann (Die Linke)

Wir fordert eine gentechnikfreie Landwirtschaft, eine artgerechte Tierhaltung und den ökologischen Anbau von Nahrungsmittelpflanzen. Leider führt eine verfehlte Agrarpolitik dazu, dass vorwiegend landwirtschaftliche Großunternehmen gefördert werden und kleine Familienbetriebe im Landkreis oft aufgeben müssen. Die Verwaltung kann  an dieser Stelle helfen: Zusammen mit den Gemeinden und Städten sollte es eine gemeinwohlorientierte Flächenvergabe von Ackerland geben. Der Fachbereich Ländlicher Raum könnte einen Landwirtschafts-Hilfs-Fonds einrichten: z. B. für Agrar-Start-ups, Landerwerb in Gemeinschaftsbesitz, Agrargenossenschaften oder für in Not geratene Familienbetriebe. Der Kreis müsste verpflichtend alle Schulkantinen mit regionalen Bioprodukten betreiben und dazu Verträge mit heimischen Landwirten abschließen. Das würde einen Absatzmarkt für regionale Anbieter zu fairen Preisen garantieren.

Sabine Kranz (Freie Wähler)

In der modernen Gesellschaft ist der Bezug zur regionalen Landwirtschaft kaum noch vorhanden. Um eine regionale Wertschöpfung zu schaffen, muss dieser Bezug durch eine starke Förderung der Kinder- und Erwachsenenbildung in den Bereichen Lebensmittel, Nahrung und Landwirtschaft verbessert werden. Regionale Produkte sind gesünder und schützen die Umwelt. Weniger Verpackung, weniger Transportweg und man weiß, was man isst. Direktvermarktung, also die Abnahme beim Erzeuger, und die Bauernläden und die Stände in den Wochenmärkten müssen stärker aufgegriffen werden. Eine Auflistung der Orte für regionale Produkte muss dringend erstellt werden. Ebenfalls könnte man über einen Online-Handel nachdenken. Regionale Ecken in Supermarktketten müssen größer und häufiger aufgestellt werden. Man sollte auch darüber nachdenken, Hotels und Restaurant zu unterstützen, damit diese regionale Produkte anbieten.

Dr. Frank Michler (Bürgerliste Weiterdenken)

Die Genehmigung von Panzer-Lieferungen trägt dazu bei, den Krieg in der Ukraine zu verlängern und auszuweiten. Das verschärft Versorgungsprobleme: Preise für Diesel, Futter und Dünger explodieren. Ich unterstütze daher den von der Zeitschrift „Emma“ initiierten offenen Brief an Olaf Scholz, in welchem zu einem Verzicht auf Waffenlieferungen aufgefordert wird. Die Landwirtschaft muss angesichts zusammenbrechender Lieferketten nachhaltiger und unabhängiger von Importen werden. Ich werde mich dafür einsetzen, Flächenstilllegungen rückgängig zu machen und ertragreiche Böden keinesfalls als Baugebiete auszuweisen. So wie Kirsten Fründt würde ich engen Kontakt zu den Landwirten suchen, um deren Sorgen zu hören und gemeinsam Lösungen zu finden. Weiter werde ich Projekte zur solidarischen Landwirtschaft und zur Biomasse-Energiegewinnung aus Wildpflanzen statt Mais fördern. 

Thomas Riedel (FDP)

Der Landkreis (LK)  braucht auch in der Zukunft eine starke heimische Landwirtschaft (LW). Voraussetzungen sind optimale Rahmenbedingungen für moderne, nachhaltige, wirtschaftlich erfolgreiche, umweltverträgliche und verantwortungsvolle Betriebe, wie sie unseren LK seit jeher kennzeichnen. Die Bestrebungen des LK in den letzten Jahren haben es unterstützt, dass die regional erzeugten Produkte den Menschen nähergebracht wurden. Dabei gilt es alle Formen der LWen gleichwertig zu unterstützen. Dass der LK Ökomodellregion ist, ist begrüßenswert, die konventionelle LW darf dabei aber nicht vergessen werden. Landwirtinnen und Landwirte wollen in ihre Betriebe investieren und sie weiter optimieren. Dazu brauchen sie aber die richtigen Bedingungen. Ich setze mich dafür ein, Abschreibungszeiträume für Investitionen zu verkürzen, um die Investitions- und Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe sicherzustellen. 

Jens Womelsdorf (SPD)

Konventionelle und Bio-Betriebe müssen die Landwirt*innen ernähren und zugleich nachhaltig und ressourcenschonend produzieren. Deshalb: Unterstützung  bei regionaler Wertschöpfung, Vertrieb und Vermarktung regionaler Lebensmittel z. B. durch den Regional-Laden, die Regio-App, Höfe-Radeln oder die Aktion Bauernhof als Klassenzimmer sind wichtige Beiträge. Hier müssen wir gemeinsam weiter vorangehen, u. a. durch den Einsatz regionaler Lebensmittel in den Schulkantinen, den Ausbau der Verkaufsautomaten sowie den Aufbau regionaler Vertriebsstrukturen und Lieferdienste. Landwirtschaft ist wichtig für die Klimawende. Der Ausbau der Bioenergiedörfer, Nahwärmegenossenschaften oder der Landschaftspflegeverband erschließen den Landwirt*innen neue Einkommensquellen. Auch Konzepte wie die Solidarische oder Gemeinwohlorientierte Landwirtschaft und der Allmende-Gedanke sollten Gegenstand der Förderung werden.

Marian Zachow (CDU)

Durch den Ukraine-Krieg fällt ein wesentlicher Teil der Getreide-Produktion weg. Deswegen ist es ein Gebot von Ethik und Nachhaltigkeit, dass Flächen, die z. B. aus Naturschutzgründen der Landwirtschaft nicht zur Verfügung stehen, wieder für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. „Stoppt den Flächenfraß“ darf nicht nur Gegenstand von Sonntags-Reden sein! Für Solaranlagen dürfen wir nicht kostbare landwirtschaftliche Flächen verbrauchen. Ich werde die Direktvermarktung weiter stärken. Um die Wertschätzung der Landwirtschaft zu fördern, muss moderne Landwirtschaft auch Thema der Bildung sein; Projekte wie „Bauernhof als Klassenzimmer“ oder der „Ernährungsführerschein“ sind wichtig. In der Lehrerfortbildung muss das Thema eine größere Rolle spielen, damit in der Schule kein verzerrtes Bild von Landwirtschaft vermittelt wird. Die Bundespolitik muss für eine finanzielle Entlastung der Landwirtschaft sorgen.