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Ihre Karriere, bitte! Kränkungen als Anlass zum Hinschauen
Kränkungen als Anlass zum Hinschauen
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20:21 07.09.2012
Inge Maisch unterstützt und berät Berufstätige als Coach.
Inge Maisch unterstützt und berät Berufstätige als Coach.
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Manchmal reicht es schon aus, dass unser Gruß unerwidert bleibt oder unser Lächeln ohne Resonanz. Meist fühlen wir uns jedoch gekränkt, wenn uns jemand etwas unterstellt, was wir als falsch oder ungerecht empfinden, wenn uns unser Gegenüber als Person in Frage stellt, mit lächelndem Gesicht kleine Giftpfeile auf uns abschießt, uns abschätzig ansieht, uns übersieht oder uns in aller Öffentlichkeit bloßstellt. Wir fühlen uns verletzt und empfinden das Verhalten unseres Gegenübers als entwertend und beleidigend.

Leider werden wir es im beruflichen und privaten Alltag immer wieder erleben müssen, dass wir zurückgewiesen werden und unser Selbstwertgefühl angegriffen wird. Wir können jedoch versuchen zu lernen, mit den unausweichlichen Kränkungen so umzugehen, dass sie uns nicht zerstören. Manchmal ist hierbei ein Perspektivenwechsel hilfreich: Wir können uns zum Beispiel die Frage stellen, hat das Verhalten der anderen, zum Beispiel ihre respektlose Kritik, etwas mit uns zu tun? Oder sind es Menschen, die versuchen, uns zu kränken, weil sie selbst eine sehr geringe Selbstüberzeugung haben? Und damit sie dies nicht vor sich selbst zugeben müssen, glauben sie, uns besserwisserisch sagen zu können, wie wir in bestimmten Situationen reagieren und handeln müssen.

Kränkungen lassen sich auch dazu nutzen, einmal genauer bei uns hinzuschauen, so schwer uns das meistens fällt. Womöglich fühlen wir uns missverstanden, weil unser eigenes Selbstwertgefühl nicht besonders groß ist. Menschen mit einer stabilen Selbstsicherheit lassen sich seltener kränken, als Menschen mit geringem Selbstvertrauen. Das zufällige Gähnen ihres Gegenübers interpretieren sie nicht als Desinteresse an ihrer Person, sondern denken, der andere ist müde, aus welchen Gründen auch immer. Und ein „ich habe keine Zeit“ ist für sie keine Ablehnung ihrer Person, sondern heißt für sie, beim anderen einen passenderen Zeitpunkt abzuwarten für ihr Anliegen.

Dennoch, unsere Kritik am anderen sollten wir möglichst so achtsam und wertschätzend vermitteln, dass wir unser Gegenüber nicht unnötig verletzen und ihn insbesondere nicht öffentlich anprangern.

von Inge Maisch

Checkliste für „Kränkungen“
1.) Werden wir gekränkt, dann ziehen wir uns von unserem Gegenüber zurück, bestrafen ihn mit Ablehnung oder Verachtung, sinnen nach Vergeltung und rächen uns am Ende an ihm. Oder wir bedauern uns selbst zutiefst und verharren in der Rolle des Opfers.
2.) Schwerer und anstrengender ist es, Kränkungen als Chance zu nutzen, genauer bei uns selbst hinzuschauen. Möglicherweise wollte unser Gegenüber uns gar nicht zurückweisen, sondern hat mit seinem Verhalten einen empfindlichen Punkt in unserer Persönlichkeit getroffen, an dem wir jetzt arbeiten können.
3.) Verhält sich unser Gegenüber respektlos und abwertend, dann können wir versuchen, ihm Grenzen zu setzen. Z. B., in dem wir ihn fragen, was er konkret mit seiner Aussage meint oder was er uns mit seinem Verhalten und seinem Tun sagen möchte.
4.) Wir können uns auch innerlich dem anderen gegenüber abgrenzen und uns klar machen, dass seine verletzenden Äußerungen nichts mit uns zu tun haben, sondern das sie Ausdruck für sein persönliches Gefühl sind, unzureichend und unvollständig zu sein. 
 

Tipps zum Lesen:   
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher, Zeitschriften, Studien und Webseiten aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:
Wardetzki, Bärbel, Kränkung am Arbeitsplatz: Strategien gegen Missachtung, Gerede und Mobbing, 2012, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 9783423347105

Das OP-Expertenteam
Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg
Frank Hüttemann, Referent Wirtschaftsförderung Landkreis Marburg-Biedenkopf
Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Barbara Schade, Diplom-Psychologin, freiberufliche Personal- und Führungskräftetrainerin
Elke Seim, Berufsberaterin, Agentur für Arbeit, Marburg

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