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Im Sport viel fürs Leben gelernt
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13:54 13.07.2010
Nkechi Madubuko wuchs in Marburg auf und gehörte Ende der 90er Jahre zu den besten Hoch- und Dreispringerinnen der Nation. Quelle: Bodo Ganswindt

Marburg. Ihr Name klingt fast so wie Stufen einer Tonleiter. Doch in Nigeria, dem Herkunftsland ihrer Eltern, ist das eher gewöhnlich. Eigentlich ist Deutschland die Heimat von Nkechi Madubuko. Denn sie ist 1972 in Gießen zur Welt gekommen. Nigeria, wo noch viele ihrer Verwandten leben, kennt sie nur von gelegentlichen Besuchen. „So etwa alle zehn Jahre findet dort eine Art Familientreffen statt“, sagt sie. Als 17-Jährige lernt sie Nigeria erstmals kennen. Dort ist das sportliche Talent der jungen Frau nicht verborgen geblieben. Sie erhält 1990 die Möglichkeit zur Teilnahme an den Commenwealth-Spielen im neuseeländischen Auckland. In der Qualifikation dafür lässt Madubuko aufhorchen. Sie springt nämlich mit 1,84 Metern afrikanischen Rekord.Ein Jahr später erhält sie die deutsche Staatsbürgerschaft und vertritt die deutschen Farben auf internationaler Ebene, etwa bei den Juniorenweltmeisterschaften, beim Europa-Cup im russischen St. Petersburg oder in Südafrika beim Weltcup in Johannesburg. Inzwischen hat sie sich auch der technisch äußerst anspruchsvollen Disziplin Dreisprung zugewandt und zählt auf Anhieb zu den besten fünf Athletinnen in Deutschland. Sie intensiviert das Trainingspensum und springt unter der Betreuung der Bundestrainer Bernd Simon und später Eckhard Hutt auf hohem Niveau. 1999 ist sie die Jahresbeste in Deutschland.
Bei allen Erfolgen vergisst sie nie ihren Heimatverein Blau-Gelb Marburg und besonders ihren ehemaligen Trainer Walter Jung: „Der hat in meiner sportlichen Ausbildung eine wesentliche Rolle gespielt, indem er mit behutsamem Antrieb die Grundlagen für meine späteren Erfolge geschaffen hat.“

Ihr sportliches, aber auch sonstiges Leben spielt sich nun in Düsseldorf ab. Dort studiert sie bei allem sportlichen Stress Soziologie, Medienwissenschaften und Psychologie. 2001 schließt sie das Studium erfolgreich ab.
Zwischendurch moderiert sie für den Jugendsender Viva II diverse Formate. Um dort unterzukommen, durchläuft sie ein sechsmonatiges Casting-Prozedere, aus dem sie als eine von vier Siegern unter 7000 Bewerbern hervorgeht. „Ich bin das ziemlich entspannt angegangen und habe nicht damit gerechnet, dass ich genommen werde“, sagt sie, „aber ich habe im Sport gelernt: Manchmal gehen Dinge, die eigentlich nicht möglich sind.“
Auch für den Sport-Sender Premiere World steht Madubuko, die mit einem deutschen Arzt verheiratet ist, als Freischaffende vor der Kamera, interviewt und porträtiert internationale Spitzensportler. Schließlich wechselt sie die Perspektive. Sie möchte auch mal hinter der Kamera stehen, nicht nur Texte anderer vortragen, sondern eigene kreieren und Inhalte aufarbeiten. Sie absolviert als 29-Jährige beim ZDF ein Redaktionstrainee, beendet ihre sportliche Karriere und ist nur noch gelegentlich als Schauspielerin (Tatort, Commisario Brunetti) und Moderatorin vor der Kamera. Als so genannte feste freie Redakteurin bearbeitet Madobuko, die wieder in Marburg lebt, derzeit für den Sender 3sat kulturelle Themen und produziert unter anderem tagesaktuelle Beiträge für die Sendung Kulturzeit.
Ein persönliches Anliegen sind ihr Migranten-Themen, die sie auch in ihrer Promotionsarbeit mit dem Thema „Berufsbiographische Erfahrungen von Migranten“ aufgearbeitet hat. Die Arbeit ist entstanden während der Erziehungszeit ihrer inzwischen sieben- und fünfjährigen Söhne. „Ich möchte gerne dazu beitragen, dass die Vorurteile und politisch einseitigen Bilder gegenüber Migranten abgebaut werden“, betont sie. Es werde aus vermeintlich berufenem Munde so vieles und auch so viel Falsches über Integration berichtet. „Ich habe es mir auf die Fahne geschrieben, bei diesem Thema mitzudiskutieren.“ Der aktuelle Sammelband „Afrika“ des Bundesamtes für Migration enthält einen Aufsatz von ihr zu diesem Problemfeld.

von Bodo Ganswindt

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