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Corona weltweit „Oh, mein Gott, im Krankenhaus gibt es kein Bett mehr!“
„Oh, mein Gott, im Krankenhaus gibt es kein Bett mehr!“
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13:58 01.06.2021
Menschen im nepalesischen Dapcha werden mit Lebensmitteln versorgt, die durch eine der Spendenaktionen in das Dorf gebracht werden konnten.
Menschen im nepalesischen Dapcha werden mit Lebensmitteln versorgt, die durch eine der Spendenaktionen in das Dorf gebracht werden konnten. Quelle: Privatfoto
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Dapcha

Am 27. Mai 2021 erreichte mich erneut ein Hilferuf aus Nepal. Mein nepalesischer Freund Rohit Tamang, den ich seit 2013 kenne, schilderte mir die momentane Corona-Situation in seinem Heimatdorf Dapcha.

Dieses Dorf, etwa 90 Fahrminuten von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, ist durch die Lage in den Bergen nur sehr schwer erreichbar. Auch hier hat sich die Corona-Pandemie sehr schnell verbreitet. Die ärztliche Versorgung ist sehr mangelhaft. Die einzige Krankenstation in der Region verfügt über keine Mittel, um an Corona erkrankten Menschen helfen zu können.

45 Menschen sind in dem Dorf verstorben

Derzeit sind von den rund 2.000 Einwohnern etwa 700 an Corona erkrankt, 45 Menschen sind bereits verstorben. Rohit Tamang lebt seit dem Erdbeben im Jahr 2015 mit seiner Familie und seinen Eltern, deren Haus in Dapcha bei dem Erdbeben eingestürzt ist, in Kathmandu. Rohit selbst erkrankte im vorigen Jahr an Corona und hat nach seiner Genesung in den letzten Monaten beim Wiederaufbau des Elternhauses in Dapcha geholfen.

Vor wenigen Wochen sind seine Eltern nach Dapcha in das neue Haus eingezogen. Zehn Tage später erkrankte sein Vater an Corona so schwer, dass die in Dapcha ohne ärztliche Betreuung ausgestattete Krankenstation ihn sofort ins nächstgelegene Krankenhaus geschickt hat. Weder Krankenbett noch Sauerstoff stehen dort zur Verfügung. Infolge des Lockdowns war für den Transport zunächst kein Fahrzeug verfügbar. Mit Unterstützung der stellvertretenden Bürgermeisterin konnte jedoch ein Fahrzeug organisiert werden.

Sauerstoffflaschen mit Spendengeld

Die Ankunft im Krankenhaus beschreibt Rohit wie folgt: „Oh, mein Gott, im Krankenhaus gibt es kein Bett mehr! Die Kranken liegen auf dem Boden.“ Weiter schreibt er, dass sein Vater drei Tage später nicht mehr selbstständig atmen konnte. Glücklicherweise wurde am selben Tag noch ein Intensivbett frei und er konnte beatmet werden. Nach weiteren 17 Tagen Behandlung konnte er nach Hause entlassen werden.

Da Rohit sich mit Unterstützung meiner privaten Spendenaktionen sehr für sein Heimatdorf Dapcha engagiert, bat er gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin von Dapcha mich erneut um finanzielle Hilfe zwecks Beschaffung von Sauerstoffflaschen nebst Zubehör für die Krankenstation in Dapcha. Noch in dieser Woche versucht er, mit dem zur Verfügung stehenden Spendengeld vier Sauerstoffflaschen zu organisieren. Mit dieser Hilfe gibt es zumindest für das kleine Bergdorf einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Von Wilfried Moderer