Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Corona weltweit Land reagierte 2020 schnell
Land reagierte 2020 schnell
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 24.05.2021
Das Durchschnittsalter in Burkina Faso liegt bei 16,5 Jahren. Das Foto zeigt Kinder der Fulanis, eines ehemals nomadisch lebenden Hirtenvolkes, das durch Angriffe vertrieben wurde, in einem behelfsmäßigen Lager in der Provinz Yatenga.
Das Durchschnittsalter in Burkina Faso liegt bei 16,5 Jahren. Das Foto zeigt Kinder der Fulanis, eines ehemals nomadisch lebenden Hirtenvolkes, das durch Angriffe vertrieben wurde, in einem behelfsmäßigen Lager in der Provinz Yatenga. Quelle: Sam Mednick
Anzeige
Marburg

Beruflich für längere Zeit immer wieder im westafrikanischen Burkina Faso unterwegs, konnte ich mir ein Bild über die Corona-Situation machen. Vor Ort im September und Dezember 2020, im Januar und Mai 2021 konnte ich feststellen, dass Corona dort keine Auswirkungen zu haben scheint. Märkte, Geschäfte und Restaurants sind geöffnet. Das tägliche Leben mit all seinen Aktivitäten ist wie in all den Jahren zuvor. Es gibt keine Abstandsregeln.

Maskenpflicht besteht nur vereinzelt in öffentlichen Gebäuden und Banken. Allerdings wird ein PCR-Test zur Einreise und zur Ausreise verlangt. Testmöglichkeiten vor Ort sind vorhanden. Antigen-Tests wie in Deutschland gibt es noch nicht. Von der Gesundheitsbehörde wurde mir gesagt, dass diese in den nächsten Wochen eingeführt werden sollen.

Seit dem ersten Corona-Patienten im Frühjahr 2020 – übrigens eingeschleppt von einem evangelischen Pastor aus Paris – wurden anschließend tägliche Fallzahlen von zehn bis 50 Infizierten ermittelt. Das hat sich heute auf meist unter zehn reduziert. Gleich nach der Entdeckung der ersten Corona-Infizierten wurden drastische Maßnahmen getroffen. Die Landesgrenzen und Flughäfen wurden geschlossen, da man befürchtete, wie in Europa ja auch oft prognostiziert, dass eine Katastrophe über Afrika hereinbrechen könnte. Des Weiteren wurde eine Ausgangssperre ab 19 Uhr verhängt, Bars und Restaurants geschlossen, Ansammlungen von Menschen verboten. Nach bereits drei Wochen wurden diese Maßnahmen gelockert. Restaurants, Bars und Märkte wurden wieder geöffnet. Lediglich die Grenzen blieben geschlossen. Der internationale Flugverkehr kam ab August 2020 wieder langsam in Gang.

Die Situation in Burkina Faso spiegelt sich auch in vielen anderen Ländern Afrikas, mit Ausnahme Südafrikas, da dort die Bevölkerungsstruktur ähnlich wie in Europa ist. Die geringen registrierten Corona-Fälle sind sicher auch auf die relativ geringe Anzahl der durchgeführten Tests zurückzuführen. Es gibt aber seit der Entdeckung des ersten Corona-Falles bis heute keine erhöhte Sterblichkeit im Land, auch die Krankenhäuser melden keine Auffälligkeiten. Es gibt erste Untersuchungen, warum Corona in Burkina und Afrika generell bisher nicht zu den vorhergesagten Katastrophen geführt hat. Einer der Gründe ist sicherlich das Alter der Bevölkerung, 2,5 Prozent sind über 65 Jahre alt, 50,7 Prozent sind zwischen 15 und 64 Jahre, 46,8 Prozent zwischen 0 und 14 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt bei 16,5 Jahren – im Vergleich zu Deutschland mit 42,6 Jahren. Auch die immer noch umfangreichen Tuberkulose-Impfungen in Afrika sollen laut WHO eine verbesserte Immunität gegen Corona bilden.

Von Hermann Schopferer