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Corona weltweit Bleibt gelassen, bleibt freundlich und bleibt gesund“
Bleibt gelassen, bleibt freundlich und bleibt gesund“
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15:21 20.05.2021
Claudia Frickel lebt und arbeitet in Kanada.
Claudia Frickel lebt und arbeitet in Kanada. Quelle: Privatfoto
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vancouver

Ich wohne auf Vancouver Island in British Columbia, ganz im Westen von Kanada. Die einzelnen Provinzen und Territorien regeln den Umgang mit Corona hier relativ eigenständig. Die Regierung in Ottawa ist für generelle Einreisebeschränkungen zuständig: Die Grenze zu den USA ist seit über einem Jahr dicht, und nach Kanada dürfen bis auf wenige Ausnahmen nur Kanadierinnen und Kanadier sowie permanent residents (wie ich) einreisen. Die Provinzregierungen entscheiden über Lockdowns oder Kontaktbeschränkungen. Hier in BC sind die Kontaktbeschränkungen strenger als in Deutschland: Im Herbst waren zum Beispiel nur Treffen mit einer „bubble“ von höchstens sechs Personen erlaubt – das heißt, immer die gleichen Leute.

Ab November bis vor wenigen Wochen waren sogar Treffen mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts verboten – von wenigen Ausnahmen abgesehen, etwa für Leute, die allein wohnen, oder getrennt lebende Eltern mit Kindern. Inzwischen sind ausschließlich draußen Treffen mit bis zu zehn Menschen erlaubt. Außerdem haben wir aktuell fünf Wochen lang Reisebeschränkungen auch innerhalb von BC – es darf niemand auf die Insel oder von ihr herunter, um Urlaub oder einen Ausflug zu machen. Erlaubt ist das nur etwa für Arztbesuche oder Arbeit.

Dafür sind aber alle Geschäfte und Restaurants offen. Derzeit ist es allerdings nicht möglich, drinnen zu sitzen, auf der Terrasse ist es aber erlaubt. Natürlich gilt auch hier Maskenpflicht und Abstand. Kirchen, Gruppensport oder Fitness sind nicht erlaubt, genau wie Veranstaltungen.

Impfungen gehen hier eher schleppend voran, was aber daran liegt, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden ist. In BC liegt die Priorität darauf, dass möglichst viele Menschen die erste Impfung erhalten, die zweite dann erst drei bis vier Monate später. Es sind jetzt 40 Prozent der Berechtigten geimpft.

Interessant finde ich, dass es hier sehr viel weniger Querdenkende gibt – und das, obwohl die soziale Absicherung schlechter ist als in Deutschland. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist beispielsweise nicht selbstverständlich. Manche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben das Recht, drei Tage krank zu sein und weiter Geld zu bekommen – im Jahr! Als Freiberuflerin betrifft mich das nicht, wie sich auch sonst für mich nicht so viel geändert hat: Ich arbeite wie vorher auch im Homeoffice. Es gibt noch einen weiteren großen Unterschied zu Deutschland hier in BC: Für die Kommunikation rund um Covid und die Entscheidungen zu Einschränkungen ist die Leiterin der Gesundheitsbehörde von BC zuständig. Dr. Bonnie Henry ist keine Politikerin, sondern Ärztin mit Erfahrung in der Pandemiebekämpfung. Das heißt, sie buhlt nicht um Wählerstimmen und ist in der Bevölkerung hoch angesehen. Das liegt auch daran, dass sie authentisch und empathisch ist: Als die ersten Menschen in BC an Covid starben und sie das verkünden musste, weinte sie. Ihre Pressekonferenzen finden mehrmals pro Woche statt und werden live gestreamt. Sie schließt jede ihrer Sitzungen mit den gleichen Sätzen ab. Dr. Henry sagt dann: „Be calm, be kind, be safe“ (Bleibt gelassen, bleibt freundlich und bleibt gesund!).

Von claudia frickel