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Corona weltweit Arme Menschen sind Verlierer der Pandemie
Arme Menschen sind Verlierer der Pandemie
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09:20 21.05.2021
Personen: sitzend: Gudrun Werding (Verein Peru Projekt Chosica), vorn: Christoph Rube (Verein Peru Projekt Chosica ), links: Sara Altamiza Palacio (Projektmitarbeiterin), rechts: Bewohnerinnen des Armenviertels vor ihrer Unterkunft
Personen sitzend: Gudrun Werding (Verein Peru Projekt Chosica), vorn: Christoph Rube (Verein Peru Projekt Chosica ), links: Sara Altamiza Palacio (Projektmitarbeiterin), rechts: Bewohnerinnen des Armenviertels vor ihrer Unterkunft Quelle: Privatfoto
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Lima

Nach offiziellen Zahlen gibt es in dem Land mit 33 Millionen Einwohnern bereits mehr als 64 000 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie. Da Peru zu den Ländern in Südamerika gehört, die am wenigsten in das Gesundheitssystem investieren, trifft das Virus eine in weiten Teilen schutzlose Bevölkerung.

Unser Verein „Peru Projekt Chosica“ engagiert sich seit vielen Jahren in einem Armenviertel in Chosica, einem Ort in der Nähe von Perus Hauptstadt Lima, und unterhält dort einen Kindergarten und eine Essensausgabe. In diesem Projekt arbeiten sieben Personen aus dem Armenviertel, und zu einer Mitarbeiterin habe ich regelmäßigen Kontakt. Es handelt sich um Sara Altamiza Palacio, 42 Jahre alt, verheiratet und Mutter von fünf Kindern.

Wenn es heißt, das Virus treffe arme und reiche Menschen gleichermaßen, so ist diese Aussage für Peru – wie für andere Länder des globalen Südens – zu bezweifeln. Die mangelnde staatliche Gesundheitsfürsorge und die beengten Wohnverhältnisse betreffen insbesondere die arme Bevölkerung Perus und fördern die Ausbreitung des Virus.

Dementsprechend berichtet Sara in unseren Telefongesprächen oder in ihren Mails von einer tragischen Situation in ihrem Viertel. Ihr Mann, ihre Nachbarn und die Familie ihrer Schwester, die neben Saras Haus lebt, sind infiziert und zeigen teilweise heftige Symptome. Die Krankenschwestern, die die Kranken behandeln sollen, haben Angst, sich selbst anzustecken, verweigern ihre Arbeit oder verlangen von den Kranken eine zusätzliche Bezahlung, welche die armen Menschen aber nicht leisten können. Zudem gibt es, nach Saras Aussagen, wenige kostenlose Masken; aber immerhin kann man sich testen lassen, ohne dafür zahlen zu müssen. Geimpft wird, so Sara, bisher nur wenig. (Die Impfquote beträgt in Peru bei Erstimpfungen aktuell etwa vier Prozent – Deutschland 34 %).

Als schlimmes Problem betont Sara immer wieder, dass aufgrund des staatlichen Lockdowns sehr viele Menschen aus ihrem Viertel ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren haben. Sie könnten zum Beispiel nicht mehr auf der Straße als Verkäuferin oder Verkäufer arbeiten. Zudem seien die Preise für Lebensmittel gestiegen und dies bereite ihr und der Mehrzahl der Familien ihres Viertels enorme Probleme. Von der Regierung erwartet Sara keine Hilfe, da eine Regierungskrise der nächsten folgt und Korruption auf Regierungsebene sehr verbreitet ist.

Was Sara Hoffnung gibt, ist auch die Unterstützung aus Deutschland, die durch das Projekt geschieht – oder allein die Tatsache, dass es in Deutschland Menschen gibt, die helfen.

Die Situation in Peru und die Hoffnungen Saras lassen mich, was verschiedene Meinungen, Haltungen, Ansprüche angesichts der Pandemie in Deutschland angeht, sehr nachdenklich werden.

Von Dr. Christoph Rube