Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Die Kandidaten „Man kann so etwas nicht mit halber Kraft machen“
Die Kandidaten „Man kann so etwas nicht mit halber Kraft machen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Special zur Bundestagswahl 2021
20:00 30.08.2021
Sören Bartol, hier am Kirchhainer Bahnhof, ist Direktkandidat für die SPD.
Sören Bartol, hier am Kirchhainer Bahnhof, ist Direktkandidat für die SPD. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
Anzeige
Marburg / Kirchhain

Es herrscht reges Treiben am Bahnsteig des Marburger Hauptbahnhofs. Mit der elektronischen Ansage fährt der Zug in Richtung Kirchhain ein. Menschen steigen aus, Menschen steigen ein. Zu diesen Menschen gehört auch Sören Bartol. Zum Gespräch mit der OP entscheidet er sich bewusst für die Zugfahrt von Marburg nach Kirchhain.

Bei seiner politischen Arbeit als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Marburg-Biedenkopf in Berlin beschäftigt er sich viel mit den Themen Mobilität, Bau, Verkehr, Wirtschaft und Infrastruktur. „Es wird das Jahrzehnt der Schienen sein. Ich glaube, dass wir zum Beispiel so etwas wie die Mobilitätswende nur mit einer starken Schiene hinbekommen, die leistungsfähig ist, die Güter transportiert und zwar möglichst pünktlich, die Menschen qualitativ hochwertiges Reisen anbietet, was auch Lust macht darauf“, sagt Bartol.

Während der Fahrt schallen Lautsprecheransagen durch den Zug. Nach dem Halt in Bürgeln, wo der Bahnhof umgebaut wird, geht es weiter in Richtung Kirchhain. Dem Bundestagsabgeordneten geht es beim Thema Zug nicht nur um die Zukunft und um Bauprojekte. Die Entscheidung für den Zug beziehungsweise den Bahnhof als Gesprächsort habe noch einen weiteren Grund. „Ich fahre total viel mit dem Zug.

Ich arbeite oder schlafe auch mal im Zug. Gerne sogar“, sagt Bartol, der viel zwischen Marburg und Berlin pendelt. Das Lesen von Texten und E-Mails könne problemlos auf einer Zugfahrt erledigt werden. Darin sieht der 46-Jährige auch einen Vorteil gegenüber dem Auto: „Wenn du Auto fährst, kannst du das alles nicht machen.“ Zwar laufe beim Zugfahren nicht alles perfekt, aber „das Zugfahren ist auch eine schöne Art zu reisen“, sagt Bartol.

Technik ist sein Hobby

Angekommen am Kirchhainer Bahnhof, ziehen dunkle Regenwolken auf. Mit einem Regenschirm in der Hand scheint der Politiker, der seit 2002 für Marburg-Biedenkopf in Berlin ist, gut vorbereitet zu sein, so wie auf die Nachfrage nach seiner Mitgliedschaft in der Jury des Deutschen Computerspielpreises. Für die Hauptjury des Preises entsendet der Bundestag Abgeordnete. Sören Bartol übernimmt seit 2018 diese Aufgabe für die SPD-Fraktion. „Der Computerspielpreis ist mir total wichtig. Das ist eine kleine, aber ganz feine Sache, die ich sehr schätze“, antwortet er entschlossen. Die Computerspielindustrie sei eine „Kreativwirtschaft mit Riesenpotenzial“ und zudem auch ein echter Wirtschaftsfaktor. Er selbst habe „schon immer gerne auch mal Computerspiele gespielt“, vor allem als er jünger war. Inzwischen fehlt ihm die Zeit dazu.

Seine Freizeit verbindet Sören Bartol mit der Arbeit. „Technik ist so ein bisschen mein Hobby“, sagt der Sozialdemokrat. Weiter erzählt er, dass er einen 3D-Drucker besitzt, „mit dem ich mal rumexperimentiere“. Nicht nur als Hobby, sondern auch um zu verstehen, was hinter der Technik stecke und was damit möglich sei. „Ich kann nicht alles wissen, aber ich versuche zumindest immer auch zu durchdringen, was meine Themen sind.“

Bartol „brenne" für die Politik

In seiner Zeit als Abgeordneter und auch während seines Studiums in Politikwissenschaften habe ihn der Landkreis Marburg-Biedenkopf geprägt. „Die längste Zeit meines Lebens lebe ich in Marburg-Biedenkopf. Das ist meine Heimat“, erzählt Bartol, der gebürtig aus Hamburg stammt und längere Zeit in Lippe gelebt hat.

Nach nun knapp zwanzig Jahren im Bundestag möchte er ein sechstes Mal als Direktkandidat in das Parlament einziehen. Er brenne immer noch für die Politik: „Ich möchte natürlich das Direktmandat gewinnen. Ich habe das jetzt fünf Mal gewonnen und ich möchte es jetzt auch ein sechstes Mal gewinnen“, erklärt Bartol mit Entschlossenheit. Den Punkt, aufzuhören, habe es noch nicht gegeben. „Entweder brennt man für die Politik oder man lässt es. Ganz oder gar nicht. Man kann so etwas nicht mit halber Kraft machen.“

Steckbrief Sören Bartol

Alter: 46

Sternzeichen: Jungfrau

Geburtsort: Hamburg

Wohnort: Marburg/Berlin

Höchster Bildungsabschluss: Diplompolitologe

Beruf: Bundestagsabgeordneter

Familienstand: ledig, mit Partnerin und vier Kindern lebend

In der Politik seit: 1990 in die SPD eingetreten

Von Lucas Heinisch