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Die Kandidaten Julian Schmidt will ein „Bürger im Parlament“ werden
Die Kandidaten Julian Schmidt will ein „Bürger im Parlament“ werden
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Special zur Bundestagswahl 2021
20:00 30.08.2021
Julian Schmidt möchte für die AfD in den Bundestag einziehen.
Julian Schmidt möchte für die AfD in den Bundestag einziehen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Politisch interessiert ist Julian Schmidt schon seit seiner Jugend. Die FDP, berichtet der 31-Jährige, habe er früher als „beste Wahl“ empfunden. „Ich bin freiheitsliebend“, erklärt er, erzählt, dass ihn die Politik der Liberalen nach der Bundestagswahl 2009 in der Regierungskoalition mit CDU und CSU enttäuscht habe. „Durch Zufall“ sei er Anfang 2013 auf ein Thesenpapier der „Wahlalternative 2013“, aus der kurze Zeit später die Alternative für Deutschland hervorging, gestoßen. „Ich habe mir gesagt, dass ich alles, was da steht, unterschreiben kann.“ Er hatte seine politische Heimat gefunden, trat kurz nach der Parteigründung ein. Was Schmidt damals gelesen hatte, drehte sich vor allem um Wirtschaftspolitik, es ging um einen „schlanken Staat“, es wurde Kritik am Euro-Rettungsschirm geäußert. 

Heute wird die AfD vor allem mit restriktiven Positionen in der Zuwanderungspolitik verbunden. „Wir haben ein Grundsatzprogramm. Mit ziemlich mit allem, was darin steht, kann ich mich identifizieren“, sagt er dazu. Aber: „Es gibt Vertreter in unserer Partei, die mit ihren Äußerungen über das, was in diesem Grundsatzprogramm steht, hinausgehen, wozu ich dann nicht stehe.“

31-Jähriger züchtet Rinder in ökologischer Haltung

Julian Schmidt spricht über sich, äußert dabei seine Meinung zu verschiedenen Themen. Der Satzteil „... was man so vielleicht nicht unbedingt von jemandem aus der AfD erwarten würde“ kommt dabei so oder so ähnlich gleich mehrfach aus seinem Mund. Zum Beispiel, wenn der Nebenerwerbslandwirt über seine Black-Angus-Rinder spricht, darüber, wie wichtig ihm Tierwohl ist, dass er auf ökologische Haltungsweise setzt. Oder auch, wenn er auf seine achtjährige Zeit bei der Bundeswehr, auf seine vier Einsätze in Afghanistan zu sprechen kommt – und konkret auf die aktuelle Situation im Land, die „ernsthaft niemanden überraschen kann“. Er sei „ein Stück weit schockiert, wie unvorbereitet unsere Regierung auf diese Entwicklung war“, insbesondere auch, „dass man es versäumt hat, den afghanischen Hilfskräfte rechtzeitig anzubieten, dass sie nach Deutschland kommen können. Das sind Menschen, die uns bei unserem Auftrag unterstützt haben. Die sind jetzt für die Taliban die Zielscheibe Nummer eins. Sie wurden hängengelassen.“

Seit mehr als acht Jahren ist Schmidt Parteimitglied, seit gut fünfeinhalb Jahren engagiert er sich aktiv in der AfD, ließ sich in den Kreisvorstand wählen, zog bei der Kommunalwahl 2016 in den Kreistag ein, dem er auch in der aktuellen Legislaturperiode wieder angehört. 2017 bewarb er sich schon einmal für das Direktmandat im Landkreis Marburg-Biedenkopf, erhielt 10,23 Prozent der Stimmen. Selbst zog er nicht in den Bundestag ein, ist aber seitdem für einen anderen Abgeordneten, den Gießener Uwe Schulz, als Büroleiter tätig, pendelt regelmäßig zwischen seinem Wohnort Lixfeld und Berlin. Er macht das auch gern, versucht, dass seine Familie, seine Frau und die sechs Jahre beziehungsweise neun Monate alten Söhne nicht zu kurz kommen.

Fürs Fußballspielen fehlt ihm aktuell die Zeit

Viele Jahre spielte Schmidt, der aus Niederhörlen stammt, für den SSV Hörlen Fußball, bis zum Corona-bedingten Abbruch der Vorsaison noch in der Reserve der SG Hörlen/Lixfeld. Aktuell fehlt ihm dafür die Zeit. „Es schmerzt, weil ich immer mit Herzblut dabei gewesen bin.“ Abgeschlossen hat er damit nicht, will „noch mal angreifen, wenn es zeitlich besser passt“ – also eventuell nach seinem Wahlkampf. Der, das ist sein Ziel, soll ihn zum Berufspolitiker machen. Dabei will er das „in der klassischen Form“ gar nicht sein, verbindet damit die „etablierten Parteien“, die Politik als „Selbstbedienungsladen“ verstehen würden. „Ich sehe mich als Bürger, der ins Parlament kommen will.“

Steckbrief: Julian Schmidt

Alter: 31

Sternzeichen: Schütze

Geburtsort: Wehrda

Wohnort: Lixfeld

Beruf: Büroleiter

Höchster Bildungsstand: studierter Wirtschaftsingenieur

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

In der Politik seit: Parteimitglied seit 2013, aktiv seit 2016

Von Stefan Weisbrod