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Die Kandidaten Freiheitsliebe ist ihr Antrieb
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Special zur Bundestagswahl 2021
20:00 30.08.2021
Stephanie Theiss tritt als Direktkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl an.
Stephanie Theiss tritt als Direktkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl an. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Dass Stephanie Theiss einmal ein solch politisches Leben führt und nun sogar für die Grünen in den Bundestag einziehen will, wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Denn ihr Elternhaus – aufgewachsen ist sie im kleinen Bad Endbacher Ortsteil Günterod – beschreibt die 32-Jährige als „damals eher unpolitisch“. Das Interesse für die Politik „wurde in der Schulzeit geweckt – nämlich durch die Fächer Politik und Geschichte“, sagt Theiss, die „als klassisches Arbeiterkind, das sich sein Studium mit Arbeit finanzieren musste,“ seit 2009 Geschichte studiert. „Ich habe ein großes Interesse an internationalen und globalen Zusammenhängen entwickelt. Das war es auch, was mich angetrieben hat und wodurch ich ein Interesse an Politik entwickelt habe: Um zu verstehen, wie unser System funktioniert und woher es kommt.“

Während ihres Studiums reifte in Stephanie Theiss der Gedanke, sich in der Politik zu engagieren, „denn ich will anpacken und etwas bewegen. Also war für mich 2013 der Moment gekommen, mich einer Partei anzuschließen“. Die Entscheidung zugunsten der Grünen sei ihr „recht leicht gefallen. Denn ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und habe mich in den Grünen am meisten gesehen“ – im „grünen Dreiklang“ aus Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und dem Blick in die Europa- und Außenpolitik. „Für mich sind die Grünen die Europa-Partei schlechthin.“ Die basisdemokratische Orientierung ihrer Partei mache den Einstieg auch Newcomern sehr einfach, „jede einzelne Stimme zählt bei uns“.

Keine Schlammschlachten

Als freiheitsliebender Mensch – wie sehr belastet es Theiss, dass die Grünen oft als Verbotspartei bezeichnet werden? „Dieses Narrativ hat mich eine Zeit lang aufgeregt – mittlerweile sehe ich es aber lockerer.“ Der Staat reguliere und schreibe Gesetze so, „dass sie auf einer demokratischen Grundordnung stehen, dass sie die Freiheit garantieren – und auch die Teilhabe aller garantieren.“ Diese Punkte seien in den vergangenen 16 Jahren nicht gut verwirklicht worden – das wolle sie ändern. Wichtig sei es, auf Inhalte zu fokussieren „und diese positiv nach vorne zu stellen. Wir dürfen nicht in die Falle tappen und uns in Schlammschlachten begeben, die von anderen – namentlich vor allem von der AfD – angezettelt werden.“ Dass sich die AfD „seit 2015 auf uns eingeschossen hat, zeigt einfach, dass wir der Garant für Rechtsstaatlichkeit sind“.

Das hört sich sehr abgeklärt an. Dabei sammelte Stephanie Theiss erst vor fünf Jahren ihre „ersten größeren politischen Erfahrungen im Ortsbeirat Weidenhausen – bei der ganzen Debatte ums Grüner Wehr. Das war quasi der Ursprung meiner politischen Tätigkeit.“ Und: Ebenfalls 2016 zog Theiss in den Kreistag ein, arbeitet seither im Ausschuss für Arbeit und Integration mit. „Dadurch habe ich mich mehr mit der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik beschäftigt“ – ein Thema, das sie bis heute schwerpunktmäßig besetzt. Und mit diesem Thema bewege sie sich auch im erwähnten grünen Dreiklang.

„Der Kampf gegen den Klimawandel, Tierwohl, gesunde Ernährung, soziale Gerechtigkeit – all das sind Themen, die viele Menschen – auch auf dem Land – bewegen. Es macht Spaß, mit ihnen in Kontakt zu treten, sich ihre Geschichten und Sorgen anzuhören und dann gemeinsam zu überlegen, wie man die Probleme Stück für Stück angehen kann.“ Vieles geschehe vor Ort, „aber für manche Themen braucht es die Bundespolitik und den Gesetzgeber. Das war auch der Grund, warum ich entschieden habe, zu kandidieren“. In einer äußerst knappen Kampfkandidatur setzte sie sich gegen Marion Messik durch.

Für Theiss steht fest: „Wir brauchen diesen sozial-ökologischen Transformationsprozess, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wir haben jetzt die Chance, wirklich etwas zu bewegen und ein Zeichen für dieses ökologische Jahrhundert zu setzen.“ Dafür sei es höchste Zeit.

Übrigens: Ihre Eltern hat Stephanie Theiss von ihrer Arbeit überzeugt. „Wenn ich heute nach Günterod komme, um dort mal durchzuschnaufen, diskutieren meine Eltern Themen mit mir“, sagt sie lachend. „Sie sind von sich aus darauf gekommen, dass grüne Politik nicht verkehrt ist.“

Steckbrief: Stephanie Theiss

Alter: 32

Sternzeichen: Skorpion

Geburtsort: Gießen

Wohnort: Marburg

Beruf: Studentin

Höchster Bildungsabschluss: Abitur

Familienstand: ledig

In der Politik seit: 2014

Von Andreas Schmidt