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Bürgermeisterwahl in Kirchhain Olaf Hausmann sieht sich als Impulsgeber
Themen Specials Bürgermeisterwahl in Kirchhain Olaf Hausmann sieht sich als Impulsgeber
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11:13 22.02.2022
Amtsinhaber Olaf Hausmann (SPD) sieht bei der Innenstadt einige „Verschleißerscheinungen“, die er angehen will.
Amtsinhaber Olaf Hausmann (SPD) sieht bei der Innenstadt einige „Verschleißerscheinungen“, die er angehen will. Quelle: Nadine Weigel
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Kirchhain

Amtsinhaber Olaf Hausmann (SPD) bewirbt sich um die zweite Amtszeit. Im OP-Gespräch äußert er sich zu Herausforderungen und Zielen.

Was stört Sie in Kirchhain am meisten?

Mich stört nicht viel, aber es gibt natürlich einige Projekte, bei denen ich in meiner ersten Amtszeit gerne weiter vorangekommen wäre. Bahnhof und Freibad zum Beispiel.

Stadtentwicklung ist ein Gesprächsthema in der Stadt. Braucht Kirchhains Innenstadt denn wirklich neue Impulse?

Man sieht schon die ein oder andere Verschleißerscheinung, unsere Innenstadt ist mehr als 40 Jahre alt. Wir sind Teil des Förderprogramms „Lebendige Zentren“, das über zehn Jahre läuft. Jetzt geht es darum, Ideen zu sammeln und erste konkretere Überlegungen anzustellen. Entschieden ist nichts, auch nicht über die Gestaltung des Marktplatzes. Wir haben viele Ideen zusammengetragen, vom Alten Amtsgericht/ Alten Küferei bis hin zur Deutschordensmühle. Was davon wie umgesetzt wird, ist jetzt noch gar nicht klar.

Das Thema Leerstände bei Geschäften beschäftigt die Menschen unabhängig davon ganz besonders. Kann die Stadt Kirchhain selbst überhaupt etwas tun, um Geschäfte wiederzubeleben?

Eine Stadtverwaltung kann einiges machen. Die Stadt war Initiator für die Ansiedlung des Weltladens, ich bin mit Hauseigentümern im Gespräch, die wir möglicherweise unterstützen können. Wir haben Gelder aus verschiedenen Förderprogrammen akquiriert.

Sie haben das Thema Marktplatz schon angesprochen. Es gibt weitere Themen, bei denen Ihnen als Amtsinhaber der Wind etwas in Gesicht bläst, etwa bei der geplanten Kuhstallerweiterung in Kleinseelheim. Macht Sie das nervös mit Blick auf die Wahl?

Es wäre schlimm, wenn es keinen Gegenwind gebe, denn wenn keiner meckert, dann hat man als Bürgermeister auch nichts bewegt. Ich gebe Impulse und ich versuche bei Problemen zu vermitteln. In Kleinseelheim haben wir als Stadt gut reagiert und verhalten uns so, wie es das Gesetz es vorsieht. Ich habe keine Angst vor Gegenwind, auch nicht bei der offenen Diskussion über den Marktplatz oder die Erweiterung des Kuhstalls. Ich stelle mich den Dingen, die aktuell diskutiert werden.

Es gibt reichlich Klagen über den Zustand von Kirchhainer Straßen. Wie werden Sie des Problemes Herr?

Das ist zunächst ein sehr komplexes Thema, grad auch mit Blick auf die Straßenbeiträge. Eine überfraktionelle Arbeitsgruppe hat sich auf die zukünftige Vorgehensweise verständigt. Bei der erstmaligen Straßenherstellung tragen die Anwohner 90 Prozent der Kosten, bei Sanierungen zahlen sie anteilig. Wir haben im Stadtgebiet viele Straßen, die noch gar nicht erstmalig hergestellt wurden. Auf die werden wir uns zuerst konzentrieren. Wir haben solche Straßen in allen Stadtteilen und auch in der Kernstadt.

Es gibt aber auch reichlich Straßen, die schon mal hergestellt wurden und bei denen es jetzt dringenden Sanierungsbedarf gibt.

Das ist so. Allerdings werden wir uns jetzt auf die Straßen fokussieren, die erstmalig hergestellt werden müssen und zusätzlich die Straßen Zug um Zug anfassen, die die höchsten Schäden aufweisen, zum Beispiel sind die Mühlgasse und die Römerstraße in den nächsten beiden Jahren im Haushalt vorgesehen.

Straßensanierung, Gestaltungspläne für die Innenstadt, neue Verkehrsführung, wie wollen Sie das eigentlich alles bezahlen?

Wir haben Schulden abgebaut, wir haben seit Jahren ausgeglichene Haushalte, wir profitieren von den guten Einnahmen aus der Einkommenssteuer. Aber klar ist, dass die Umsetzung vieler Projekte nur noch über Fördergelder möglich ist. Wir suchen ständig nach Fördertöpfen, vieles hat schon funktioniert, nehmen wir die Gemeinwesenarbeit zum Beispiel. Die wird nahezu komplett über Förderung bezahlt. Dass es ohne Fördergelder nicht geht, zeigt natürlich auch, dass der kommunale Finanzausgleich überarbeitet werden muss. Die Abhängigkeit von Fördertöpfen gefährdet die kommunale Selbstverwaltung. Wesentlich wird es sein, dass wir als Wohnstadt interessant bleiben. Darein müssen wir investieren, auch mit Geld von Land und Bund.  

Es wird aber nie für alles, was eine Kommune plant, Förderungen geben.

Das ist richtig, dann müssen Projekte nach Prioritäten eben gemeinsam mit dem Parlament aus dem eigenen Haushalt finanziert werden.

Der ein oder andere beklagt, dass sich alles nur um die Kernstadt dreht, die Stadtteile seien abgehängt. Was sagen Sie denen?

Denen sage ich, dass das schlicht nicht stimmt. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren in jedem Stadtteil investiert: in die Feuerwehrgerätehäuser, zum Beispiel in Sindersfeld oder den Neubau in Großseelheim, in das Dorfgemeinschaftshaus Langenstein, wir haben durch die Digitale Dorflinde in jedem Stadtteil Wlan und, und, und. Ich persönlich glaube, wir haben ganz viel in Bewegung gebracht. Es gibt im übrigen auch Projekte, von denen alle profitieren, egal ob in der Kernstadt oder im Stadtteil, wie etwa vom Bahnhof oder der Investitionen in die Kitabetreuung. 

Emsdorf bekommt weitere Windräder, Stausebach aber keinen Solarpark. Wird die Last der Energiewende in Kirchhain gerecht verteilt?

Es gibt ein Vorranggebiet für Windenergie, wir alle sehen die Windräder bei Emsdorf. Dass das Parlament sich gegen einen Solarpark in Stausebach politisch entschieden hat, wird dort übrigens nicht von jedem Bürger gutgeheißen. Wir brauchen einen Energiemix, deshalb sollte es auf den Vorrangflächen dafür in Kleinseelheim auch einen solchen Park geben. Da müssen allerdings noch die entscheidenden Prüfungen laufen und Beschlüsse gefasst werden.

Was machen Sie besser als Ihre Herausforderer Holger Lesch (CDU) und Maximilian Schwetz (B90/Die Grünen)?

Ich weiß nicht, was ich besser mache. Jeder hat einen eigenen Stil und eigenen Anspruch. Ich werde mir über die beiden kein Urteil erlauben, ich glaube, in den vergangenen sechs Jahren eine gute Politik für Kirchhain gemacht zu haben.

Wahlziele

Die Oberhessische Presse hat die drei Bürgermeisterkandidaten gebeten, ihre wichtigsten Wahlziele zu nennen.

Olaf Hausmann: Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität, Erhalt und Ausbau der Infrastruktur, Erfüllung der Pflichtaufgaben, unter dem Aspekt der soliden Finanzierung. Dies bedeutet: Fokus auf die Kinderbetreuung mit Schaffung ausreichender Platzangebote und hochwertiger Rahmenbedingungen; unter Einbindung des Ehrenamts weiter abwechslungsreiche Angebote für alle Generationen; Schaffung von Bauplätzen durch Ausnutzung von Baulücken und bedarfsgerechten Angeboten für Neubaugebiete in allen Stadtteilen; Fertigstellung und Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans mit Verbesserung der Mobilität durch bessere Radwegeanbindungen und mehr ÖPNV Angebote; Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen der Interkom. Zusammenarbeit und weitere Digitalisierung der Verwaltung durch Online-Angebote für die Bürger.

Von Michael Rinde