Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Besser Esser Top Ten der Frühlings-
Wildkräuter
Top Ten der Frühlings-
Wildkräuter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:47 09.08.2017
Hilde­gard Herr bietet in diesem Jahr noch acht Wildkräuter-Workshops an. Quelle: Tobias Hirsch
Niederasphe

Detox liegt im Trend. Die Auswahl an Produkten, die den Körper beim Entgiften unterstützen sollen, ist riesig. Pülverchen und Tees haben ihren Preis. „Dabei gibt es das Beste kostenlos“, sagt Hildegard Herr. Die Kräuterfrau erklärt, wie man dem Körper in punkto Entgiftung mit Wildkräutern auf die Sprünge helfen kann.

„Über die Wintermonate und die Zeit mit fettem, reichhaltigem Essen sammelt sich so einiges in unserem Körper an, was wir dann wieder loswerden wollen“, sagt die 66-Jährige. „Klar, ein gesunder Körper, der aktiv und in Bewegung ist, wird Schadstoffe ganz von allein los, aber wir können ihn dabei gut mit Pflanzenkraft unterstützen und die Selbst­heilungskräfte aktivieren.“

Liste der zehn besten Frühlingskräuter

Hildegard Herr hat eine Liste der zehn besten Frühlingskräuter mit heilsamer Wirkung zusammengestellt: Löwenzahn, Schafgarbe, Gänseblümchen, Klettenlabkraut, Spitzwegerich, Brennnessel, Giersch, Gundermann, Sauerampfer und Vogelmiere. Darunter sind Löwenzahn und Gänseblümchen zwei echte Multitalente.

Der Pflanze mit den gezackten Blättern und der dicken gelben Blüte, die zur Pusteblume wird, bescheinigt die Phytotherapeutin einen positiven Einfluss auf Leber, Galle, Darm, Haut und Nieren. „Löwenzahn bringt den ganzen Körper in Schwung.“ Auch das zarte weiße Gänseblümchen sei eine Pflanze, die dem ganzen Körper gut tue und vor allem auf Haut und Blut reinigend wirke.

Es ist kein Hexenwerk, sich an die Verwendung von Wildkräutern heranzutasten. „Löwenzahn und Gänseblümchen kennt wohl jeder – und vom Feldrand über die Wiese bis hin zu Garten daheim wachsen sie fast überall“, wirbt die Phytotherapeutin für die grünen Kraftspender. Eine Einsteiger-Methode ist ein frisch gebrühter Tee aus wilden Kräutern. Man kann mischen oder ein einzelnes Kraut verwenden, um den Geschmack kennenzulernen und eine angenehme Dosierung zu finden.

Giersch hilft gegen Harnsäureablagerungen

Die Faustformel von Hildegard Herr lautet: eine gute Hand voller Kräuter, frisch gesammelt, grob geschnitten, auf einen Liter 90 Grad heißen Wassers, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen, genießen. „Wer einen kräftigeren Geschmack mag, nimmt mehr Kräuter, wer es sanfter liebt, nimmt weniger. Unsere persönlichen Vorlieben zeigen uns dabei auch, was gut für uns ist“, sagt Hildegard Herr und meint: „Man sollte aber nicht beim Tee bleiben; es ist gut, die grünen Pflanzen vollständig zu genießen, sie sind alle heilkräftig.“

Wer sonst zu getrockneten Küchenkräutern für den Quark greift, zur Tüten-Mischung fürs Salatdressing oder zum Detox-Pulver aus der Dose, findet am Feldrand oder auf der Wiese eine alternative Bezugsquelle für reinigende Kräuterfrische, die heilen helfen kann. So wird etwa dem Giersch, von dem viele Gärten eine ganze Menge hergeben, nachgesagt, dass er dem Körper dabei hilft, Harnsäureablagerungen aus den Gelenken zu leiten. Außerdem schmeckt er im Salat, im Quark, im Pesto.

  •  Veranstaltungstipp: Hilde­gard Herr bietet in diesem Jahr noch acht Wildkräuter-Workshops an. Nächster Termin ist am Sonntag, 21. Mai, 
in Niederasphe von 10.30 bis


14.30 Uhr. Weitere Informationen und eine Übersicht der Termine gibt es im Internet unter der Adresse: www.amoenauer-kraeuterfrau.de
  • Literaturtipp: Einsteiger 
können sich mit Hilfe eines Wildkräuter-Buchs ans Sammeln herantasten. Hildegard Herr empfiehlt als gut illustriertes Nachschlagewerk „Unsere 
essbaren Wildpflanzen – Bestimmen, sammeln und zubereiten“ von Rudi Beiser, erschienen im Kosmos-Verlag.

von Carina Becker-Werner

REZEPTE

von Hildegard Herr

Wildkräter-Salat

  • 200 Gramm frische Wildkräuter
  • 200 Gramm Salat nach Geschmack
  • 40 Gramm Walnüsse, geröstet und 
 gehackt
  • 60 Milliliter Olivenöl
  • 3 Esslöffel frischer Zitronensaft, 
 etwas geriebene Schale einer Zitrone etwas Salz und Pfeffer
  • geriebener Pecorino
  • Gänseblümchen undLöwenzahnblüten

Salat waschen und schleudern, Wildkräuter in feine Streifen schneiden. Salat, Kräuter und Nüsse mischen. Olivenöl mit Zitronensaft verrühren und über den Salat geben. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Den Salat mit 
Pecorino und Wildblüten garnieren.

Wildkräuter-Smoothie

  • ein halber Apfel in Stücken
  • eine halbe Banane in Stücken
  • Saft und abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone
  • ein halbes Glas Apfelsaft
  • eine prise Salz
  • 20 Gramm gemischte Wild-
 kräuter, etwas klein geschnitten
  • 2 bis 3 Gläser Wasser

Alles im Mixer pürieren und sofort nach der Zubereitung trinken.
Hildegard Herr ist Phytotherapeutin und
betreibt in Niederasphe einen Kräuterladen.

Hintergrund

Fuchsbandwurm-Risiko

Sie wollen Wildkräuter sammeln und haben Angst vor einer Fuchsbandwurm-Infektion? „Hundertprozentig lässt sich die Gefahr nicht ausschließen“, sagt der Stadtallendorfer Hausarzt Dr. Ortwin Schuchardt, Sprecher der heimischen Ärztegenossen­schaft „Prima“, „doch es ist ein geringes Risiko, das man durch einige Maßnahmen noch weiter reduzieren kann.“

Dem Berufsverband Deutscher Internisten zufolge werden dem Robert-Koch-
Institut in Berlin und dem Europäischen Echinokokkose-
Register im Ulm jährlich etwa 40 Fälle einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm gemeldet. Tatsächlich, so schätzen Experten, erkrankten in der Bundesrepublik jedoch mindestens dreimal so viele 
Menschen jährlich an dem Parasiten.

Füchse oder auch Nagetiere scheiden die Eier des Wurms mit dem Kot aus. Wenn Menschen sich infizieren, kann der Parasit über viele Jahre unentdeckt bleiben. Unbehandelt zerstört er die Leber. Neben Sammlern von Wildkräutern, Beeren, Pilzen oder Fallobst zählen vor allem Landwirte zur Risikogruppe.

Schuchardt empfiehlt, beim Sammeln darauf zu achten, dass sich keine Kothaufen in der Nähe befinden, „Beeren einfach nur ab Hüfthöhe aufwärts pflücken.“ Beim Wildkräutersammeln rät er: „Nach guter 
alter Hausfrauenart alles unter fließendem Wasser 
 abspülen.“

Eine Garantie dafür, dass möglicherweise vorhandene Eier des Fuchsbandwurms weggespült werden, sei das zwar nicht, „aber es minimiert das Risiko“. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, erhitzt Kräuter, Beeren, Pilze auf eine Temperatur von mehr als 75 Grad. „Das tötet die Eier zuverlässig ab.“ Außerdem wichtig: „Nach dem Sammeln gründlich die Hände waschen“, empfiehlt der Hausarzt.

Detox-Trend

Der Liste der oftmals teuren Detox-Produkte wird seit einigen Jahren lang und länger. Das Sortiment hat es aus Reformhäusern und Bio-Läden in die Lebensmittelmärkte geschafft, wo man Spirulina-Smoothie und Weizengras-Pulver schon fast so selbstverständlich findet wie eine Tüte frischer Vollmilch. Offensichtlich boomt das Geschäft mit den Produkten, von denen sich die Kunden einen Beitrag zu mehr Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Schönheit versprechen.

Doch was ist aus medizinischer Sicht dran am Thema Detox? Muss ein gesunder Mensch mit normaler Leber- und Nierenfunktion überhaupt etwas tun, um die Entgiftung zu fördern? „Nein“, sagt Dr. Ortwin Schuchardt, Hausarzt in Stadtallendorf und Sprecher der heimischen Ärztegenossenschaft „Prima“. Leber, Niere, Lunge und Darm täten bereits ihr Bestes, um unerwünschte Stoffe auszuscheiden.

„Eine wissenschaftliche Erklärung für Detox haben wir nicht, trotzdem setzen viele darauf und fühlen sich dadurch besser“, erklärt der Hausarzt und wundert sich darüber auch gar nicht weiter. „Wer Detox-Produkte verwendet oder Detox-Kuren betreibt, setzt sich bewusst mit dem Thema Ernährung auseinander, bereitet Speisen sorgfältiger zu, wählt gezielt aus, was er isst – das bringt den gesundheitsfördernden Effekt.“

Um die Organe beim Entgiften zu unterstützen, sei Wasser bestens geeignet. Viel trinken – mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser am Tag – hilft laut Schuchardt, auch, wenn es kein spezieller Detox-Tee ist. Doch sei bei letzterem das Ritual nicht zu unterschätzen.

„Wer sich Zeit und Ruhe nimmt, um die Zubereitung des Tees zu zelebrieren, tut sich etwas Gutes – deshalb ist der Effekt vermutlich stärker als bei dem Glas Wasser, das man einfach nur einschenken muss“, schätzt Schuchardt und verweist außerdem auf den Placebo-Effekt. „Wenn wir davon überzeugt sind, uns durch einen speziellen Tee etwas Gutes zu tun, dann hat der Tee auch seine Wirkung.“