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Baby-Glück Sportliche Frauen halten Schmerzen besser aus
Sportliche Frauen halten Schmerzen besser aus
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16:32 26.05.2017
Serena Williams war im zweiten Monat schwanger, als sie im Januar die Australien Open gewann. Quelle: dpa
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Marburg

Sieben Siege, 14:0 Sätze, 23. Grand-Slam-Titel – der Auftritt von Serena Williams  bei den Australian Open im Januar war speziell. Jetzt ist klar, die Vorstellung der Amerikanerin war sogar ganz besonders außergewöhnlich.

Denn die 35-jährige US-Amerikanerin (Foto: dpa) war zu dem Zeitpunkt schwanger. Mitte April hatte die Tennis-Königin ein Foto von sich in einem Badeanzug hochgeladen, das sie offensichtlich mit ­einem Baby-Bauch zeigte. Darunter kommentierte sie: „20 Wochen“. Sie war also im zweiten Monat schwanger, als sie bei den Australien Open siegte – und das bei extremen Bedingungen mit Temperaturen um die 35 Grad Celsius.
Ist das erlaubt – Sport in der Schwangerschaft? Wie viel und welche Sportarten dürfen Schwangere überhaupt treiben?

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Sport wirkt positiv auf die Psyche Schwangerer

„Grundsätzlich ist an Sport während der Schwangerschaft nichts auszusetzen“, sagt Bärbel Schwarz-Köppl, Inhaberin der „Sportgalerie“, ein Fitnessstudio nur für Frauen im Marburger Südviertel. „Wir haben bei uns Frauen, die bis in den siebten Schwangerschaftsmonat hinein trainieren.“ Und das aus gutem Grund: Sport hat nicht nur eine positive Wirkung auf die Psyche – laut einer Untersuchung der Sporthochschule Köln wirkt sich das Körperempfinden sportlicher Schwangerer positiv auf das Selbstbewusstsein und das Wohlbefinden aus – , sondern auch auf den Körper. „Es stärkt das Herz-Kreislaufsystem, fördert den Stoffwechsel, beugt Schwangerschaftsdiabetes und Rückenschmerzen vor“, sagt die Marburger Frauenärztin Dr. Corinna Heitmann.

Sport während der Schwangerschaft könne sogar die Geburt positiv beeinflussen: „Studien haben ergeben, dass sportliche Frauen eine­ andere Schmerzverarbeitung haben“, so Heitmann. Heißt: Sie erleben zwar die gleichen Schmerzen, halten diese aber besser aus.

Was ist erlaubt?

Moderater Ausdauersport wie Walking, Radfahren und Schwimmen, aber auch Muskeltraining wie Pilates, Yoga oder leichtes Krafttraining ist für Schwangere empfehlenswert. Das Training muss jedoch individuell und an den Verlauf der Schwangerschaft angepasst werden. Gute Sportschuhe sind wichtig, um die Gelenke zu schonen. Auch ein Bauch-Workout ist bis zur 20. Schwangerschaftswoche keineswegs verboten.
Ärzte raten, die Bauch- und Beckenbodenmuskeln während und insbesondere nach der Schwangerschaft zu trainieren. Sportarten mit höheren Aufprallkräften, Sprüngen und Gegnerkontakt hingegen sind zu meiden.
Generell tabu sind extreme Belastungen, Kampf- und Risikosportarten wie Skilaufen, Reiten oder Inlineskating.

Prinzipiell sei fast jede Sportart machbar. Heitmann empfiehlt „moderaten Ausdauersport“ wie Walking, Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Auch Yoga bietet sich in der Schwangerschaft besonders gut an. Wichtig: „Lassen Sie es ruhig angehen und machen sie alles ein bisschen entspannter als sonst“, rät Heitmann. Auch die Vorgeschichte der Frau müsse beachtet werden. So kann eine Spitzensportlerin wie Serena Williams ihren Körper in der Schwangerschaft mehr belasten als eine Frau, die bislang nur gelegentlich Sport getrieben hat. „Ich würde beispielsweise keine Schwangere in ­unserem Fitnessstudio aufnehmen, die vorher kein Kraftausdauertraining gemacht hat“, erklärt Schwarz-Köppl. „Wer aber vor der Schwangerschaft schon trainiert hat, kann auch in der Schwangerschaft damit weitermachen.“ Voraussetzung dafür ist immer, dass gesundheitlich soweit alles in Ordnung ist. Die vorherige Abklärung durch einen Arzt ist daher in der „Sportgalerie“ obligatorisch: „Die Ärzte müssen immer erst ihr ‚okay‘ geben.“ Dann steht der sportlichen Betätigung nichts mehr im Wege.

Nach einer Entbindung rückt regelmäßiger Sport erst mal in den Hintergrund. Ab wann und in welchem Umfang Sport getrieben werden darf, muss die Frau mit der Hebamme und dem Frauenarzt besprechen.
Nach der Geburt haben viele­ Frauen ein anderes Körpergefühl als vorher. Manche Stellen sind weicher als zuvor, der Rücken schmerzt vom vielen Umhertragen des Babys. Rückenstärkung, Haltungskorrektur und Muskelaufbau für die Beine sind deshalb wichtig.

Auch die Rückbildung der ­Beckenbodenmuskulatur, die durch Schwangerschaft und ­Geburt sehr belastet wird, ist angebracht.

von Ruth Korte und unserer Agentur