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Sport-Welt Woods’ Golf-Zukunft ungewiss
Sport Sport-Welt Woods’ Golf-Zukunft ungewiss
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14:44 20.02.2010
„Ich weiß, dass ich auch Vorbild für viele Kinder war. Ich möchte mich deshalb bei allen Familien ganz besonders entschuldigen“, betonte Woods in seiner TV-Ansprache. Quelle: ap
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Woods verkündete nach fast dreimonatigem Schweigen und Enthüllungen zahlreicher außerehelicher Affären: „Ich plane eines Tages zurückzukehren. Ich weiß nur nicht, wann das sein wird.“ Schon im Dezember hatte Woods auf seiner Homepage erklärt, seine Familie im Stich gelassen zu haben.

„Ich schließe nicht aus, dass das dieses Jahr sein wird“, ergänzte der 34 Jahre alte Kalifornier. Das klingt wie eine Beruhigung der Branche, in der Woods als erster Sportler mehr als eine Milliarde Dollar in 13 Jahren auf dem Golfplatz und als Werbe-Ikone verdient hat. Es sei schwer zuzugeben, „aber ich brauche Hilfe“, sagte der den Tränen nahe zweifache Familienvater nach 45 Tagen Therapie gegen Sexsucht. „Von morgen an werde ich diese Behandlung fortsetzen. Ich habe es akzeptiert. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

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Mit dem ersten öffentlichen Auftritt im Hauptquartier der US-PGA-Tour in Palm Beach Gardens seit dem alles auslösenden Autounfall im Morgengrauen des 27. Novembers schürt der Demut zeigende Weltranglisten-Erste aber vor allem Spekulationen. Kann der buddhistisch erzogene Star seine einmalige Golf-Karriere nach den einschneidenden Ereignissen überhaupt fortsetzen? Hat er mental die Kraft, jemals wieder auf höchstem Niveau einen Wettkampf anzunehmen, bei dem der Kopf das entscheidende Element ist? Sein einziges verbleibendes sportliches Ziel ist der Rekord von 18 Major-Titeln seines Landsmanns Jack Nicklaus.

„Ich möchte mich zutiefst für mein unverantwortliches und egoistisches Verhalten entschuldigen“, sagte er am Freitag vor engsten Familienmitgliedern, Freunden und Mitarbeitern. Fragen waren den wenigen akkreditierten Journalisten nicht gestattet, während alle US-TV-Sender den Monolog live in die Welt sendeten. „Ich weiß, dass ich auch Vorbild für viele Kinder war. Ich möchte mich deshalb bei allen Familien ganz besonders entschuldigen“, betonte Woods, der seine „Foundation“ für Kinder mit Millionen Dollar unterstützt.

Aber wieder sagte der Branchenriese nichts Konkretes zu seinen Plänen, auf die Kollegen, Sponsoren und die Werbe-Wirtschaft warten. Die Furcht geht um, dass der Markt ohne Woods auf Dauer einbricht. Die Zahlen sprechen für sich: Seit seinem Wechsel im August 1996 zu den Profis stieg das Preisgeld auf der US-PGA-Tour von rund 65 Millionen Dollar Preisgeld auf über 280 Millionen in dieser Saison. Seine Kollegen bekannten immer wieder, ohne den Tiger sei dies nicht möglich gewesen und akzeptierten deswegen auch die fast aussichtslose Konkurrenzsituation.

„Das ist eine beängstigende Vision“, hatte der Nordire Graeme McDowell stellvertretend für die Kollegen festgestellt. „Wir geben uns keiner Illusion hin, wie einträglich es für uns ist, in der Ära von Woods zu spielen. Es gibt eine Menge junger aufstrebender Stars. Aber niemand von ihnen kann Tiger ersetzen.“ Fakt ist auch: Die TV- Einschaltquoten sinken bis zu 54 Prozent, wenn der Gigant bei einem Turnier fehlt. Die Fangemeinde schrumpft bis zu 25 Prozent vor Ort.

Die „New York Post“ hatte vorgerechnet, dass nur ein einziges Jahr ohne Woods auf der Tour der gesamten Golfindustrie 591 Millionen Dollar weniger Umsatz bringen könnte. Woods selber wird auf ein jährliches Einkommen von über 100 Millionen Dollar geschätzt. Obwohl schon mindestens vier Großsponsoren abgesprungen sind, muss sich der Milliardär finanziell keine Sorgen machen.
Die Reaktion des elfmaligen Ryder-Cup-Rekordteilnehmers und -Kapitäns Nick Faldo nach dem Statement machte die prekäre Situation deutlich. „Es steht immer noch ein großes Fragezeichen dahinter: Wann kehrt er zurück? Wir haben seine Entschuldigung, aber als Golfer sind wir genau so schlau wie vorher“, sagte der Engländer. Faldo ist inzwischen Kommentator beim US-Golf Channel und war selber von den Medien immer wieder mit angeblichen privaten Skandalen in Verbindung gebracht worden.

„Für Tiger ist es ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Woods’ väterlicher Freund Mark O’Meara, der dessen Karriere früh begleitet hat. „Ich bin beschämt. Aber es ist eine Privatsache. Er macht es richtig. Er hat für das Spiel unglaublich viel Bedeutung.“

dpa