Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt „Will mir selbst einen Namen machen“
Sport Sport-Welt „Will mir selbst einen Namen machen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 24.04.2013
Von Norbert Fettback
Katharina Heinig aus Frankfurt absolviert am Sonntag erst ihren dritten Marathon. Herauskommen soll eine Zeit in Nähe der Olympianorm. Quelle: Hensel
Anzeige

Frau Heinig, der Hannover-Marathon könnte Ihr Rennen werden. Als Empfehlung bringen Sie eine neue Bestzeit im Halbmarathon mit. Werden Sie wie im Vorjahr, als Sie hier Fünfte waren, wieder schnellste Deutsche sein?

Die Zeit als Dritte bei der deutschen Meisterschaft (1:15:49 Stunden, d.Red.) bin ich unter schwierigen äußeren Bedingungen gelaufen, deshalb bin ich damit sehr zufrieden. Auch im Training bin ich um einiges weiter als im vergangenen Jahr. Das stimmt mich optimistisch, dass es jetzt in Hannover einen guten Schritt vorwärts geht.

Anzeige

Was trauen Sie sich am 6. Mai denn zu?

Gemessen am Halbmarathon in Griesheim ist eine Zeit um 2:35 Stunden drin. Mein Ziel ist es, diese Marke zu unterbieten. Wenn es noch besser wird, etwa 2:32 oder 2:33 - das nehme ich gerne mit! Dazu muss dann aber alles stimmen. Die Strecke in Hannover ist unheimlich schön, und sie ist auch schnell. Ich habe mich sehr geärgert, dass ich den Marathon 2011 nicht richtig durchlaufen konnte.

Dieser und jener wird noch die Bilder vor Augen haben, wie Sie sich mit einem Ermüdungsbruch im Fuß ins Ziel quälten.

An die letzten drei Kilometer kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Das waren die längsten drei Kilometer meines Lebens. Als ich den plötzlichen Schmerz spürte, habe ich mir gesagt: Nur nicht stehen bleiben! Ich wollte unbedingt ins Ziel kommen. So eine Erfahrung wünsche ich niemandem. Es hat mir aber auch gezeigt: Du kannst beißen.

Mit 22 Jahren sind sie ausgesprochen jung für eine Marathonläuferin. Bei der von Ihnen in Hannover angestrebten Zeit fehlt nicht mehr viel an der Olympianorm. Wie ernsthaft ist dieses Ziel für Sie?

Es gibt diesen und jenen Sportler in meinem Umfeld, der auf dem Sprung nach London ist. Na klar wäre auch ich sehr gerne dabei. Wenn jetzt am Sonntag alles top verlaufen sollte, dann sage ich nicht Nein. Ich bin aber realistisch genug, um mich nicht voll und ganz auf die geforderten 2:30 Stunden zu fokussieren.

Wie schätzen Sie die nationale Konkurrenz ein?

Irina Mikitenko und Susanne Hahn laufen vorneweg und sind für London gesetzt. Meine Trainingskollegin Anna Hahner ist in Düsseldorf gerade um 14 Sekunden an der Olympianorm vorbeigelaufen, sie hat sich sehr geärgert. Sabrina Mockenhaupt will sich ja auf Bahnrennen konzentrieren. Mal abwarten, was bis Ende Mai noch passiert, dann wird das London-Aufgebot ja erst nominiert.

Sie waren voriges Jahr mit Ihrer in Hannover gelaufenen Zeit von 2:42:10 Stunden Sechste in der deutschen Rangliste. Was meinen Sie, wo werden Sie Ende 2012 stehen?

Ich möchte schon weiter nach vorne kommen. Wenn ich es unter die ersten drei schaffen will, dann müsste ich aber schneller als 2:30 Stunden laufen. An das Level einer Mikitenko oder Mockenhaupt komme ich noch nicht heran. In ein, zwei Jahren sieht das vielleicht anders aus.

Was hat Ihnen das Höhentrainingslager Anfang des Jahres in Kenia gebracht?

Wir (weitere Lang- und Mittelstreckler aus der nationalen Spitze, d.Red.) waren das dritte Jahr in Folge in Iven. Es waren sehr harte und sehr schöne drei Wochen. Training, essen, schlafen - sonst nichts. Dort bereiten sich auch viele Weltklasseläufer vor, und das unter einfachsten Bedingungen. Das zu erleben ist irgendwie faszinierend.

Werden Sie am Sonntag in Hannover wie im Vorjahr wieder von Ihrem Vater unterstützt, der ja auch Ihr Trainer ist?

Ja, auch meine Mutter (Katrin Dörre-Heinig, d.Red.) wird an verschiedenen Punkten der Strecke stehen und mich anfeuern. Darüber freue ich mich. Ich mag es aber überhaupt nicht, beim Wettkampf mit dem Fahrrad begleitet zu werden.

Ihre Mutter hat in den achtziger und neunziger Jahren im Marathon auch international Akzente gesetzt. Was können Sie von ihr lernen?

Das beginnt schon bei der Vorbereitung. Sie kann einen beruhigen, wenn man sich aus unerklärlichen Gründen nicht so fühlt wie erhofft. Ich frage sie auch nach Trainingsinhalten, nach der Ernährung vor dem Marathon oder in Situationen, wenn man ins Grübeln kommt und den Kopf nicht frei hat.

Ist es nicht hin und wieder belastend, die Tochter einer solch bekannten Läuferin zu sein?

Wir beide werden immer wieder verglichen. Das führt auch dazu, dass bei Wettkämpfen, bei denen ich starte, ihr Name genannt wird und nicht meiner. Es macht mich stolz, aber ich will mir schon gern selbst einen Namen machen und sagen: Das bin ich, das habe ich erreicht. Dazu gehört, dass ich öfter meinen eigenen Kopf habe, was meine Eltern nicht immer nachvollziehen können. Um dazuzulernen, muss man auch mal Fehler machen.

Interview: Norbert Fettback

Björn Franz 03.05.2012
Sport-Welt Eishockey-Weltmeisterschaft - WM-Hoffnungen ruhen auf Marcel Goc
02.05.2012