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Sport-Welt Wenn die Pubs um 8 Uhr morgens öffnen – England im Rugby-Finale
Sport Sport-Welt Wenn die Pubs um 8 Uhr morgens öffnen – England im Rugby-Finale
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19:29 01.11.2019
In Japan steigt das Finale der Rugby-WM zwischen England und Südafrika. Quelle: Getty Images

Auch am anderen Ende der Welt hat Eddie Jones natürlich einen Blick dafür, was gerade in der Heimat des Teams passiert, das er trainiert. Er weiß, dass es beim Finale der Rugby-WM in Japan am Samstag (10 Uhr, Pro7 Maxx) gegen Südafrika für seine Engländer um mehr geht als um den zweiten Titel nach 2003.

Seiner Auswahl kommt auch die Aufgabe zu, den Menschen im Vereinigten Königreich Zerstreuung zu bereiten in Zeiten der politischen Krise. „Wegen des Brexits braucht das Land im Moment wahrscheinlich etwas, über das es sich freuen kann. Es ist der Job der Mannschaft, das Land glücklich zu machen“, sagt Jones.

Selbst wenn er über ernste Dinge spricht, lächelt er, als würde er gleich einen Witz machen, als rolle er nur den Teppich aus für eine gelungene Pointe. Und eine Pointe wäre es ja wirklich, wenn der 59 Jahre alte Australier das Geburtsland des Rugbys in Yokohama zum Gewinn der goldenen Webb-Ellis-Trophäe führen würde.

England trifft auf Südafrika

Zweimal schon stand der Trainer im Finale, beide Male war England involviert – allerdings als Gegner. 2003 führte er Australien ins Endspiel und unterlag seinem aktuellen Arbeitgeber erst in der Verlängerung. 2007 war er Assistent beim Erfolg des diesjährigen Gegners Südafrika gegen England. Er ist also mit allen Finalwassern gewaschen. Und das Vertrauen in ihn ist riesig. „Er weiß genau, welche Knöpfe er drücken muss“, schrieb der „Guardian“ zu Wochenbeginn.

Jones ist der erste Ausländer als englischer Nationaltrainer. Er trat sein Amt 2015 an, nach dem blamablen Vorrundenaus bei der Heim-WM. Der bisherige Höhepunkt seines Wirkens war am vergangenen Samstag zu besichtigen, beim 19:7 im Halbfinale gegen die Übermacht Neuseeland. Die „All Blacks“ waren in Japan mit der Mission angetreten, zum dritten Mal nacheinander Weltmeister zu werden, doch sie zerschellten am Gegner aus England.

Sinnbildlich für dessen Widerstandskraft waren die Szenen vor dem Spiel. Anstatt dem Haka-Kriegstanz der Neuseeländer wie vorgeschrieben aus sicherer Entfernung beizuwohnen, stellten sich die englischen Spieler in einer V-Formation auf. V für Victory, für Sieg. Es war eine Rebellion gegen den Favoriten und gegen das Protokoll. Der Weltverband verurteilte die Engländer zu einer Geldstrafe, dem Vernehmen nach in vierstelliger Höhe. Den Betrag zahlen sie sicher gern. Vor allem dann, wenn sie die WM mit einem Erfolg gegen die südafrikanischen „Springboks“ veredeln sollten.

England will nicht wieder gegen Südafrika verlieren

England steht zum vierten Mal im Endspiel, doch im Vergleich zur bislang letzten Finalteilnahme vor zwölf Jahren, als es eine Niederlage gegen Südafrika gab, sind die Ansprüche diesmal andere. Damals sei die Mannschaft das ganze Turnier Außenseiter gewesen, schreibt die „Times“. Das sei diesmal nicht so: „Nach dem epischen Sieg gegen Neuseeland gibt es eine gestiegene Erwartungshaltung. Die Engländer spielen wie Champions. Man erwartet nun, dass sie liefern.“

Das zeigt sich auch an der Euphorie in der Heimat. Während die Vorderseiten der englischen Zeitungen von den Verwerfungen um den geplanten EU-Austritt und den von Premierminister Boris Johnson anberaumten Neuwahlen in der Vorweihnachtszeit dominiert werden, regieren auf den „back pages“, den Sportseiten, die Rugbyhelden.

Karten für das Finale gehen im Internet angeblich für Zehntausende Pfund weg. Viele Pubs im Rugbymutterland öffnen am Samstag schon ab 8 Uhr Ortszeit. 8 Uhr morgens, versteht sich. Prinz Harry, Schirmherr des nationalen Rugbyverbands, hat seinen Besuch beim Endspiel in Yokohama angekündigt. Er soll als königlicher Glücksbringer dienen – und am Ende Eddie Jones gratulieren.

RND/Hendrik Buchheister

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