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Sport-Welt Weltmeister Evans gewinnt die "Nacht von Hannover"
Sport Sport-Welt Weltmeister Evans gewinnt die "Nacht von Hannover"
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01:04 21.08.2010
Packender Radsport vor schöner Kulisse: Die „Nacht von Hannover“. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Radrennen sind ja meistens eine knappe Angelegenheit, da bildet auch die „Nacht von Hannover“ keine Ausnahme; doch dass es so eng werden würde, damit hatte Cadel Evans vermutlich nicht gerechnet. Als der Australier kurz vor Mitternacht vor dem Italiener Alessandro Petacchi und Fabian Wegmann über den Zielstrich schoss und den Sieg beim „Super-Cup der Hannoverschen Volksbank“ feierte, dem Hauptrennen der „Nacht“, da hatte Evans den Kampf gegen die Uhr bereits zum zweiten Mal an diesem Freitag gewonnen. Das Flugzeug, das den Radprofi von Zürich nach Hannover bringen sollte, hatte eine Dreiviertelstunde Verspätung, es wurde also eine flotte Autofahrt in die Innenstadt, doch der amtierende Weltmeister nutzte sozusagen den Schwung, den er auf der Autobahn aufgenommen hatte – und das Blitzen am Straßenrand verursachten nur die Kameras der Zuschauer.

„Die ,Nacht von Hannover’ ist nicht wegzudenken“, sagte Klaus Timaeus, und Tausende Radsportfans aus Hannover und der Region schienen dem Eventmanager der Stadt Recht geben zu wollen. Auch wenn es mit 30 000 Zuschauer so wenig wie lange nicht waren, die sich mitreißen ließen vom Spektakel in der Innenstadt. Manchmal ist eben nicht nur in der Oper Musik drin, sondern auch davor. Dass sich dann noch der amtierende Weltmeister – übrigens zum ersten Mal seit der Neuauflage der „Nacht“ im Jahr 1997 – vor dem diesjährigen Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France durchsetzte, war die schöne Pointe dieses Abends. Und sie war für die Veranstalter verdiente Entschädigung für eine durchaus turbulente Vorbereitung.

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Mit dem Umzug von der Markthalle an die Oper vor drei Jahren ist das Rennen auch terminlich verschoben worden, um eine Überschneidung mit dem Maschseefest zu vermeiden: vom ersten Freitagabend nach der Tour de France in den späten August. Zu dieser Zeit konkurriert die „Nacht“ jedoch mit anderen Rennen; wegen der Terminkollision musste unter anderem Grischa Niermann sein Heimspiel in diesem Jahr absagen, und auch Ivan Basso hatte trotz fester Zusage kurzfristig einen Rückzieher gemacht. Am Freitagabend entschuldigte sich der Italiener live per Telefonschaltung bei den Fans in Hannover und versprach: „2011 möchte ich gerne dabei sein.“ Womöglich muss sich Basso dann aber einen neuen Termin im Kalender notieren: Der Gedanke, die Profis wieder unmittelbar nach der Tour durch Hannovers Nacht fahren zu lassen, wird bei den Organisatoren immer lauter diskutiert; die Zuschauerzahl wird dabei eine Rolle spielen.

Nur an der Mischung aus Show und Sport wird sich nichts ändern. In der einen Hand die Bratwurst, in der anderen das Bier, dazwischen der Blick auf die strampelnden Stars: Anders ist die „Nacht“ nicht vorstellbar.

Alle Ergebnisse gibt es hier

Stefan Knopf