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Sport-Welt Warten auf das kleine Wunder
Sport Sport-Welt Warten auf das kleine Wunder
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23:01 24.01.2010
Von Volker Wiedersheim
Die „Roten“ berappelten sich. Auch wenn sie offensiv ohne Durchschlagskraft blieben.
Die „Roten“ berappelten sich. Auch wenn sie offensiv ohne Durchschlagskraft blieben. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Hannover 96 geht durch ein tiefes Tal von inzwischen acht Spielen ohne Sieg. Und selbst wenn die Liga die Rückkehr eines gern gesehenen Gastes wohlwollend zur Kenntnis nimmt, bleibt so gehenen zunächst einmal auch unter dem Neuen alles beim Alten.

Oder wenigstens fast alles. Mit einem nämlich hat Slomka nach der 0:1-Niederlage beim Aufsteiger und Überraschungsteam der Saison, Mainz 05, aufgeräumt. Der nach dem Spieltag üblicherweise freie Montag ist gestrichen. Heute rackern die „Roten“ beim Leistungstest. „Wir brauchen alle Daten und Fakten, um mit der Mannschaft arbeiten zu können“, erklärte Slomka am Sonntag.

Und diese Arbeit hat die Mannschaft dringend nötig. Schließlich hat der Auftritt in Mainz zweierlei belegt: Ein Trainerwechsel allein bewirkt keine Wunderdinge. Nichts weniger als eine wunderbare Leistungsexplosion ist nötig, soll der Klub wieder auf Kurs kommen und schließlich die Klasse gehalten werden.

Diese Feststellung wird auch nicht dadurch gemildert, dass die bemühten „Roten“ mit „Kopf hoch!“-Kommentaren auf erste positive Signale für die erhoffte sportliche Erholung hinweisen. Sportdirektor Jörg Schmadtke etwa fand sein Team „über 80 Minuten schon ziemlich stabil. Im Gegensatz zu den letzten Darbietungen habe ich ein besseres Auftreten gesehen.“ Und Slomka analysierte: „Wir sind stabil geblieben. Das (Gegentor; d. Red.) war schon ein Rückschlag, aber wir haben diesen Nackenschlag weggesteckt, und das stimmt mich positiv.“

Stimmt schon, die „Roten“ haben sich nicht in ihre Unfähigkeit ergeben, wie dies in den drei Spielen gegen Borussia Mönchengladbach, den VfL Bochum und Hertha BSC Berlin zuvor geschehen ist. Von so einem Fehler wie dem von Jan Durica, in diese Richtung argumentierten Slomka und auch Sportdirektor Jörg Schmadtke in Mainz, hätte sich das Team in den Partien zuvor nicht erholt: Der Slowake spielte in der 4. Minute seines zweiten Einsatzes für 96 ohne wirkliche Bedrängnis kurz vor dem eigenen Strafraum einen 30-Meter-Querpass, der immer hoch riskant ist und hier zudem den Adressaten Steven Cherundolo auf dem falschen Fuß erwischte. Dem Mainzer Andre Schürrle war es ein Leichtes, sich den Ball zu erlaufen und in Richtung Tor zu stürmen. Durica ließ er bei dessen Rettungsversuch mit einem eleganten Schlenker ins Leere rutschen, und dann schob er den Ball auch noch zwischen den Beinen des insgesamt guten Torwarts Florian Fromlowitz zum entscheidenden Treffer ins Netz. Slomkas anerkennender Kommentar: „Das macht er weltklasse.“

Was kann 96 schon gegen Weltklasse ausrichten? Die „Roten“ berappelten sich. Auch wenn sie offensiv ohne Durchschlagskraft blieben, so entwickelten sie wenigstens Biss in der Defensive. Der Mangel an Effizienz vor dem Tor ist indes so frappant, dass die „Roten“ in dieser Verfassung praktisch nur punkten können, wenn der Gegner sich selbst ein Bein stellt. Mainz ließ sich da aber nicht locken.

Darauf, dass die Nürnberger unter dem früheren 96-Trainer Dieter Hecking sich am Sonnabend diese Blöße geben, sollte keiner wetten. Ausgeschlossen ist es indes nicht. Denn dass der 96-Tabellennachbar nach unten gegen Frankfurt in Führung ging und dann doch nur ein Remis schaffte, dass der VfL Bochum gegen Schalke nicht auch noch gewann und der SC Freiburg gegen den VfB Stuttgart verlor, das gehört in der 96-Bilanz des 18. Meisterschaftsspieltages auch zu den kleinen positiven Signalen.