Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt Volkswagen zieht sich aus Rallye-WM zurück
Sport Sport-Welt Volkswagen zieht sich aus Rallye-WM zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 05.11.2016
Von Carsten Schmidt
VW war 2013 mit einem Werksteam in die WM eingestiegen.  Quelle: dpa
Hannover

Eine große Erfolgsgeschichte hat ein abruptes Ende gefunden. Volkswagen Motorsport zieht sich zum Ende dieser Saison aus der WRC-Rallye-Weltmeisterschaft zurück, das bestätigte der Automobilkonzern aus Wolfsburg gestern offiziell. Damit hat der „Hannover-Polo“, der in Hannover-Vahrenheide entwickelt, konstruiert und gewartet worden war, seinen letzten Auftritt bei der Rallye Australien in zwei Wochen.

Die 200 Beschäftigten in der Ikarusallee konnten allerdings aufatmen.

VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch teilte ihnen gestern in Hannover mit: „Für die Volkswagen-Motorsport-Mitarbeiter besteht eine Beschäftigungsgarantie.“ André Dietzel, Leiter Kommunikation und Marketing, bekräftigte, dass VW Motorsport am Standort Hannover bleibt, und verwies auf Aktivitäten im sogenannten Rallycross, in Tourenwagenrennserien und in der Formel 3.

Der Ausstieg kommt überraschend, weil VW seit 2013 viermal in Folge die Rallye-WM gewann – sowohl in der Hersteller-Wertung als auch mit Sébastien Ogier (Frankreich) bei den Fahrern. Der „Hannover-Polo“ war in den bisherigen 51 Rennen 42-mal als Sieger klassiert, hinzu kamen 43 weitere Podiumsplatzierungen. Ein Ende der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit war aber keinesfalls in Sicht. Zudem war bereits ein modifizierter Polo nach dem neuen WM-Reglement für 2017 mit weniger Gewicht und mehr PS ziemlich weit in der Entwicklung gediehen gewesen. „Natürlich bedauern wir den Abschied aus der WRC sehr“, sagte Motorsport-Direktor Sven Smeets. „Gleichzeitig ist unser Blick nach vorne gerichtet, denn wir sind uns der großen Herausforderungen des gesamten Unternehmens bewusst.“

Dazu gehört die „Neuorientierung im Motorsport“, wie es der Wolfsburger Konzern nannte. „In der WRC haben wir unsere sportlichen Ziele weit übertroffen. Mit dem anstehenden Ausbau der Elektrifizierung unserer Fahrzeugpalette müssen wir all unsere Anstrengungen auf wichtige Zukunftstechnologien konzentrieren“, sagte der VW-Entwicklungsvorstand. Zudem wolle Volkswagen neben dem Golf GTI TCR auf der Rundstrecke und dem Beetle GRC im Rallycross weitere „Spitzenprodukte für Kunden“ anbieten. Welsch kündigte ferner an: „Wir werden einen neuen Polo nach R5-Reglement entwickeln.“ Diese Kategorie unterhalb der WRC-WM-Serie zeichnet sich durch eine Kostenbegrenzung bei der Fahrzeugkonzeption und Seriennähe aus.

Der Rückzug aus der Rallye-WM geht einher mit Einschnitten bei VW nach dem sogenannten Diesel-Skandal in diversen Bereichen. Bereits Anfang Oktober war über ein Einsparpotenzial im VW-Motorsport in Höhe eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrages spekuliert worden – rigide Kürzungen vorausgesetzt. VW selbst wollte keine Angaben zur Höhe des bisherigen Etats und etwaiger Einsparungen machen. In der vergangenen Woche hatte sich Audi aus der Langstrecken-WM, deren Höhepunkt die 24 Stunden von Le Mans waren, zurückgezogen. Die VW-Tochter steigt stattdessen in die Formel-E-Serie für Elektrofahrzeuge ein. Den Ausstieg aus den Rennserien erleichtert hat möglicherweise auch ein PR-Aspekt: Weder die Langstrecken- noch die Rallye-WM hatten hierzulande die Popularität wie die Formel 1 oder auch die DTM.

Neue Arbeitgeber müssen sich die VW-Rennfahrer suchen. Weltmeister Ogier wird mit Citroën und Toyota in Verbindung gebracht. Der Franzose ließ seinen Fans gestern mitteilen: „Keine Angst, wir sehen uns wieder.“

Mehr zum Thema

Weltmeister Sébastien Ogier, Fahrer des Hannover-Polos, spricht im Interview über Rallye- und Geburtstermine und eine neue Verantwortung.

21.04.2016

In Wolfsburg gibt man sich angriffslustig: Volkswagen Motorsport hat den Titel-Hattrick in der Rallye-Weltmeisterschaft als Saisonziel ausgegeben. Eingefahren werden soll der im neuen „Hannover-Polo“.

Carsten Schmidt 17.01.2015

„Heute ist Sonnabend? Dann muss es Nürnberg sein.“ Solche Sätze, die eher Reisende wählen, die „Europa in vier Tagen“ gebucht haben, könnten auch Sébastien Ogier in den Sinn kommen. In einem Polo aus Hannover dreht der Weltmeister aus Frankreich seine Runden.

Carsten Schmidt 13.12.2014

Beim letzten Renntag auf der Gallopprennbahn auf der Neuen Bult in Langenhagen setzten Außenseiter die sportlichen Akzente: Son Macia gewann vor 6100 Besuchern den Großen Preis der Besitzervereinigung , im Listenrennen für Zweijährige setzte sich Fashion Queen durch.

Carsten Schmidt 02.11.2016

Großer Zahltag für Dennis Schröder: Der Nationalspieler hat seinen auslaufenden Vertrag bei den Atlanta Hawks kurz vor dem Start in die neue Saison der Basketball-Profiliga NBA um vier Jahre verlängert und bekommt dafür nach Informationen des TV-Senders ESPN rund 70 Millionen Dollar. Der 23-Jährige aus Braunschweig ist nun bis 2021 an den Klub gebunden.

27.10.2016

Trainer Dagur Sigurdsson brachte die deutschen Handballer zurück in die Weltspitze. 2016 holte er mit dem Nationalteam den EM-Titel, anschließend auch noch Olympia-Bronze. Fernziel ist der Olympiasieg in vier Jahren. Doch vielleicht ist Sigurdsson dann nicht mehr dabei.

26.10.2016