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Sport-Welt Schnell, nicht schön
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08:40 29.01.2014
Von Stefan Knopf
Als sich der Vorhang hebt, starrt alles auf die Nase: Nicht nur der neue Rennwagen von Sebastian Vettel (vorn) und Daniel Ricciardo ist für Formel-1-Freunde gewöhnungsbedürftig. Quelle: dpa

Oft kommt das ja wirklich nicht vor, aber zur Abwechslung war Sebastian Vettel mal der Letzte. 13 Minuten vor dem Beginn der offiziellen Testfahrten im spanischen Jerez lüftete sein Team Red Bull gestern das Geheimnis um den neuen Formel-1-Wagen, und als Vettel gemeinsam mit seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo um 8.37 Uhr die dunkle Plane über dem Wagen beiseiteschob, da starrte alles auf die Nase.

Nicht auf Vettels natürlich, auf die seines neuen Dienstwagens. Die Front der Formel-1-Boliden 2014 beschäftigt die Fans des Motorsportzirkus seit Wochen und hat bei Betrachtern nicht selten zu einem Naserümpfen geführt. Neue Regeln haben die Fantasie der Designer herausgefordert: In dieser Saison darf sich die Nase der Fahrzeuge nur 18,5 Zentimeter oberhalb des Bodens befinden, vorige Saison waren es noch 55 Zentimeter.

Das soll das Verletzungsrisiko für den Fahrer im Falle eines Unfalls mindern. Herausgekommen bei den tiefergelegten Fahrzeugspitzen sind Kreationen, die nicht mal ihre Schöpfer überzeugen. „Das Styling ist nur zweitrangig“, zitiert das Magazin „auto, motor, sport“ Adrian Newey, Chefdesigner von Red Bull und ein Freund der Ästhetik. „Ich persönlich finde es schade, dass die Autos nicht mehr attraktiv sind.“ Aber Vorschrift ist eben Vorschrift, „und wir müssen auf die Performance schauen“.

Unter den PS-Freunden in den Internetforen wird kräftig gelästert; Ferraris neuer Wagen erinnert die Fans in der Frontansicht eher an einen Staubsauger als an einen Rennwagen, Lotus’ Entwurf hat sich bereits den Spitznamen Gabelstapler verdient. Die Nase des neuen Red Bull, offizielle Bezeichnung: RB10, wirkt dagegen vergleichsweise unspektakulär. „Das Auto sieht diesmal ziemlich anders aus“, sagte Vettel diplomatisch, als die Hüllen gefallen waren, „vor allem drunter.“ Denn auch unter der Haube hat sich einiges getan: In diesem Jahr werden die Wagen von Turbomotoren angetrieben.

Vettel wird das alles egal sein, solange das Auto nur schnell genug ist. Neun Rennen hatte er am Ende der vergangenen Saison in Folge gewonnen; kann er seinen Weltmeistertitel auch in diesem Jahr erfolgreich verteidigen, stünde er mit fünf Triumphen in Folge in einer Reihe mit seinem Idol Michael Schumacher, dem das Kunststück von 2000 bis 2004 mit Ferrari gelungen ist.

Nach den vielen Neuerungen bleibt Vettel vorerst zurückhaltend. „Die Erwartungen sind erst mal niedrig“, sagte er. „Wir starten alle mit einem weißen Blatt Papier. Nach den ersten Tests und den ersten Grand Prix wissen wir mehr.“ Nase oben, Nase unten, für Vettel gilt nur eines: Nase vorn.

Mit dpa

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