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Sport-Welt TSV Burgdorf verschenkt Sieg an Großwallstadt
Sport Sport-Welt TSV Burgdorf verschenkt Sieg an Großwallstadt
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13:17 21.09.2009
Von Norbert Fettback
Piotr Przybecki (Burgdorf) gegen Stefan Kneer. Quelle: Florian Petrow
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Es krachte nach Spielschluss in der Kabine der TSV Hannover-Burgdorf; es ist auch von Sachschäden auszugehen, was den Worten von Trainer Frank Carstens zu entnehmen war. „Ich meine, da sind ein paar Türen zu Bruch gegangen“, sagte er, als er auf die Begleitumstände der ärgerlichen Heimniederlage gegen den TV Großwallstadt zu sprechen kam. Richtig sauer seien seine Spieler gewesen, dass sie dieses Spiel noch aus der Hand gegeben hatten, nachdem es zehn Minuten vor Schluss 23:22 hieß. An der Anzeigetafel leuchtete schließlich ein 26:28 (14:12) auf, und dieses Resultat hatte den Makel eines verschenktes Sieges.

Der materielle Schaden in der 
AWD-Hall dürfte zu verschmerzen sein, und eine defekte Tür ist leichter zu reparieren als die Gemütslage einer Mannschaft, die so nah dran war an einer Überraschung, dann aber an sich selbst und einem überragenden Großwallstädter Torwart Mattias Andersson scheiterte. Hinzu kamen in der 2. Halbzeit einige strittige Entscheidungen des Schiedsrichterduos Martin Harms/Jörg Mahlich. „Das hat sich summiert“, sagte Kreisläufer Frank Habbe. „Und wenn wir vorher genau absprechen, wie wir uns in der Verteidigung verhalten wollen, dann dürfen wir das nicht nur 45 Minuten lang beherzigen.“

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So lange war eigentlich auch alles in bester Ordnung. Die 2582 Zuschauer hatten immer wieder ihre helle Freude am beherzten Auftritt des Bundesliga-Aufsteigers, der zwischenzeitlich verdient mit vier Toren vorne lag. Ein lange Zeit hellwacher Torwart Jendrik Meyer, die in der Abwehr starken Gustav Rydergard und Jacek Bedzikowski, dazu die Treffsicherheit von Piotr Przybecki und Lars Lehnhoff: Das waren Trümpfe, die stachen.

Doch Mitte der 2. Halbzeit schien das TSV-Team seine Karten ausgereizt zu haben. Der Bruch im Spiel war unübersehbar, was auch mit nachlassender Konzentration und schwindenden Kräften zu tun hatte. Und wenn es dann schon nicht mehr läuft, dann tun Szenen wie die in der 40. Minute ihr Übriges: Jan-Fiete Buschmann hatte beim Stand von 19:17 einen Großwallstädter Gegenstoß erfolgreich gestoppt, wurde für diese Aktion aber mit einer zweifelhaften Zweiminutenstrafe belegt, und außerdem gab es Siebenmeter.

In Überzahl glichen die Gästen danach erstmals wieder aus (19:19), und aus Sicht des Neulings und seiner Fans begann das große Zittern, wie auch Trainer Carstens einräumte: „Mitte der 2. Halbzeit haben wir überall abgebaut. Unter dem größeren Druck gingen Disziplin und Geduld verloren.“ Unkonzentrierte Würfe, Fehlabspiele, mehrfache Latten- und Pfostentreffer und nicht zuletzt immer wieder Andersson: Das war nicht mehr die TSV-Mannschaft, die zuvor so aufgetrumpft und ihren Anhang begeistert hatte. Auch der letzte Kraftakt, beim Stand von 24:27 (59. Minute) den Torwart gegen einen siebten Feldspieler zu tauschen, konnte nichts mehr retten.

Trotzdem gab es kurz darauf Beifall von den Rängen, Pfiffe waren nicht zu hören: Die hannoverschen Handballfans haben ein feines Gespür dafür, wenn eine Mannschaft alles versucht hat und trotzdem mit leeren Händen dasteht. Eine solche Niederlage, das wissen sie, kann wie ein Versprechen sein, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Tore für die TSV Hannover-Burgdorf: Przybecki (6), Lehnhoff (6/2), Bedzikowski (4), Buschmann (3), Habbe, Hohenberg, Stelmokas (alle 2), Jonsson (1).

Tore für Großwallstadt: Spatz (8/4), Weinhold (5), Kunz (5/1), Kneer, Szücs (je 3), Larsson (2), Tiedtke, Schmeißer (je 1).

Das nächste Spiel: SC Magdeburg – 
TSV Hannover-Burgdorf, Sonntag, 15 Uhr.

Björn Franz 18.09.2009
Jens Reinbold 18.09.2009
Norbert Fettback 18.09.2009