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Sport-Welt Sportler suchen ihre Landesmeister
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06:15 04.06.2012
Von Christian Purbs
Favoritin im Hürdensprint: Amina Ferguen war im Vorjahr die siebtbeste Deutsche. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Es gibt auch im Sport dicke Bretter, die man zuweilen bohren muss. Dass sich solche Anstrengungen aber lohnen, zeigt sich am Sonnabend von 12 Uhr an und am Sonntag (Beginn um 10.45 Uhr) im Erika-Fisch-Stadion im hannoverschen Sportpark. Dann ermitteln behinderte und nichtbehinderte Leichtathleten bei einem großen gemeinsamen Wettkampf ihre Landesmeister – und darauf sind die Präsidenten des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes (NLV) und des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen (BSN) stolz.

„Wir reden nicht nur, wir machen auch etwas gemeinsam“, sagte NLV-Chefin Rita Girschikofsky bei der gestrigen Vorstellung des Projektes, das sie schon vor fünf Jahren erstmals ins Gespräch gebrach hatte. BSN-Kollege Karl Finke ergänzte: „Gemeinsamkeit oder Inklusion ist nicht nur im Breiten-, sondern auch im Leistungssport wichtig.“

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Die Meisterschaft in Hannover ist eine Deutschland-Premiere, viel beachtet von anderen Landesverbänden, wie Girschikofsky berichtete. Und sie bietet eine Herausforderung für die Veranstalter: 650 nicht-behinderte Athleten aus Niedersachsen und Bremen sowie 48 Behindertensportler aus sechs Bundesländern – ihre Wettkämpfe sind offen ausgeschrieben worden – messen sich in Hannover.

„Ich hoffe auf eine gute Atmosphäre“, sagte Malte Schneeberg. Der 24-Jährige von der RSG Langenhagen ist ein talentierter Rennrollstuhlfahrer mit Bestzeiten von 53 Sekunden über 400 Meter und 1:48 Minuten über 800 Meter. Auf der längeren Distanz könnte er künftig ein interessanter Wettkampfpartner für Sören Ludolph werden, den besten nicht-behinderten niedersächsischen Läufer. Ludolph legt die zwei Bahnrunden in 1:44 Minuten zurück.

Doch „gemischte Felder“ sind für den NLV und den BSN ein Projekt allenfalls für künftige Meisterschaften. Am Wochenende geht es zunächst um das gemeinsame Sporterlebnis in einem Stadion. „Natürlich werde ich auch die Behindertensportler anfeuern und ihre Wettkämpfe verfolgen“, sagte Sven Schröder, wie Schneeberg 24Jahre alt ist. Der Sportmanagementstudent aus Asendorf ist mit 70 Metern einer der besten Speerwerfer Niedersachsens. Und Schröder hat viel Respekt vor den Leistungen der behinderten Sportkameraden. „Ich habe einmal versucht, aus dem Sitzen Speer zu werfen, und gemerkt, wie schwierig es ist.“

Favoriten: Außer Schneeberg sind in den Wettkämpfen der Behindertensportler auch der Sprinter David Mühle (Bad Fallingbostel) und Rennrollstuhlfahrer Tim Seestädt (Frielingen) zu beachten. Bei den Nichtbehinderten sind die deutschen Spitzenathleten Sven Knipphals (Wolfsburg) und Anna-Lena Freese aus dem hannoverschen Sportinternat (beide Sprint), Paul Dittmer (Hanstedt) und die Hannoveranerin Amina Ferguen (Hürdensprint), Annika Roloff (Stabhochsprung, Holzminden) und Marcus Kahlmeyer (Hammerwurf, 96) gemeldet.

Stark vertreten ist die Region in der „U 18“-Klasse – dort haben Lisa Marie Klemz (Diskuswurf), Torben Weiß (Hochsprung, beide LGH), Christin Repnak (Hochsprung, Mellendorf), Nora Dirlam (Hürdensprint), Marie Dannenberg (1500Meter, Gerrit, beide Wennigsen), Alexej Mikhailov (Hammerwurf), Nikolai Juretzko (400 Meter, beide 96) und Sebastian Rebischke (Dreisprung, Garbsen) Titelchancen.

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Stichwort: Inklusion

Inklusion bedeutet ursprünglich „Einschluss“ oder auch „Enthaltensein“. Heute dient der Begriff dazu, gewissermaßen eine barrierefreie Gesellschaft zu charakterisieren. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, ohne Einschränkungen an allen Bereichen des Zusammenlebens teilnehmen können. Dabei darf seine Herkunft, seine Weltanschauung, sein Alter, sein Geschlecht oder auch eine körperliche oder geistige Behinderung keine Rolle spielen.

Im Bildungssystem beispielsweise propagieren Inklusions-Befürworter das Motto „eine Schule für alle“ und lehnen daher Sonder- oder Förderschulen ab. Dabei geht es allerdings keinesfalls um Gleichmacherei, sondern vielmehr um eine Gemeinsamkeit, die Unterschiede als normal empfindet.

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