Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt Sport satt in der Sportstadt Hannover
Sport Sport-Welt Sport satt in der Sportstadt Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 14.07.2009
Von Stefan Knopf
Hannover 96 ist und bleibt die Nummer 1 in Hannover. Daran wird sích so schnell auch nichts ändern. Quelle: zur Nieden
Anzeige

Der jüngste Aufstieg geschah in aller Stille. Fast lautlos kletterten die Basketballer der UBC Tigers in der vergangenen Woche in die 2. Liga Pro A; am grünen Tisch allerdings und darum ohne lautstarke Party wie die Eishockey-Mannschaft der Hannover Indians oder die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf wenige Wochen zuvor.

Sieben Aufstiege sind den Tigers in Folge gelungen, und die Erfolgsgeschichte des Basketballvereins darf auch ein bisschen beispielhaft stehen für die sportliche Entwicklung der Stadt. Klammheimlich hat sich Hannover vorgearbeitet in die 1. Liga des Spitzensports.

Anzeige

„Hannover wurde ja immer als Sportstadt beschrieben, war aber keine“, sagt Martin Kind, der Klubchef von Hannover 96. „Langsam entwickelt sie sich wirklich dazu, und der Slogan beginnt sich mit Leben zu füllen.“ Wenn nach den Sommerferien die vier großen Mannschaftssportarten Fußball, Handball, Basketball und Eishockey in ihre jeweilige Saison starten, dann haben die Sportfans der Region eine Auswahl wie noch nie zuvor: Gleich drei hannoversche Erstligisten sind dann am Start, die Fußballer von Hannover 96, die Burgdorfer Handballer und die Hannover Scorpions in der Deutschen Eishockey-Liga, außerdem drei Zweitligisten: der HSV Hannover im Handball, die UBC Tigers und die Hannover Indians.

Kaum eine andere deutsche Großstadt bietet im Spitzensport eine vergleichbare Breite: Hamburg und Frankfurt zum Beispiel schicken zwar ebenfalls je drei Erstligisten ins Rennen, doch beiden Städten fehlt entweder im Basketball (Hamburg) oder im Handball (Frankfurt) ein Topklub. Und noch besser als Hannover ist derzeit nur die Hauptstadt: Berlin ist in allen vier großen Mannschaftssportarten mit einem Erstligisten vertreten.

Da kann es schon mal eng werden im Kalender. „Wichtig wäre eine gemeinsame Terminplanung“, sagt Kind, damit es nicht zu folgendem Szenario kommt: Während am Pferdeturm die Indians an einem Freitagabend um Zweitligapunkte kämpfen, empfangen die Scorpions fast zeitgleich den Meister Eisbären Berlin zum Spitzenspiel, die TSV Hannover-Burgdorf kämpft gegen den VfL Gummersbach um wichtige Zähler für den Klassenerhalt, und 96 hat ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Zugegeben: Das Beispiel ist erfunden, zeigt aber die Kehrseite der neuen Breite in der Spitze. Die Konkurrenz um Zuschauer und Sponsoren wird größer. Als Chef des Marktführers kann sich Kind das Gedränge relativ entspannt ansehen, sagt aber auch: „Ich halte es für sinnvoll, dass wir gemeinsam den Markt weiterentwickeln.“ Kind kann sich weitere gemeinsame Kartenaktionen mit der TSV Hannover-Burgdorf vorstellen, wie es sie schon vorige Saison vereinzelt gegeben hat.

Und mit den großen vier ist die hannoversche Sportwelt längst nicht erschlossen; noch mehr Erstligisten gibt es in den Sportarten, die Zuschauer selten in Massen anlocken wie Rugby, Frauen-Tischtennis und Wasserball, die Neue Bult hat bundesweit einen guten Ruf, und die „Nacht von Hannover“ und der Marathon im Mai gehören zur Stadt wie das Maschseefest.

Dabei darf Hannover durchaus stolz darauf sein, dass die Spitzenvereine allesamt aus der Region stammen, während sich Hamburg zum Beispiel seinen Spitzensport zugekauft hat: Hinter dem Handball-Erstligisten HSV Hamburg verbirgt sich der VfL Bad Schwartau, und der DEL-Klub Hamburg Freezers hieß vor seinem Umzug München Barons.