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Sport-Welt „Spielt die jetzt immer bei uns mit?“
Sport Sport-Welt „Spielt die jetzt immer bei uns mit?“
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22:00 12.10.2011
Von Heiko Rehberg
Kicken ohne Druck: Die Mitspieler und das Umfeld von Birgit Prinz haben sich in den vergangenen Wochen ein wenig geändert.
Kicken ohne Druck: Die Mitspieler und das Umfeld von Birgit Prinz haben sich in den vergangenen Wochen ein wenig geändert. Quelle: dpa
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Camyuva

Aber Prinz, Deutschlands beste Fußballerin aller Zeiten, Weltmeisterin, Europameisterin, 214 Länderspiele, 128 Tore, stört das alles nicht. Und auch wenn es schwierig ist, in ihr oft ein wenig mürrisches Gesicht etwas hineinzuinterpretieren, hat man das Gefühl, dass es Prinz gefällt, mal ganz ohne Druck ein bisschen kicken zu können.

Die verkorkste Weltmeisterschaft im eigenen Land ist für sie noch „immer mal wieder“ gegenwärtig, auch wenn sie sagt, dass es „irgendwann damit mal gut sein muss“. Aber ihre Formulierung, dass das Turnier „ziemlich abgehakt“ sei, lässt den Schluss zu, dass da noch ziemlich viel WM in ihrem Kopf herumgeistert. Mehr jedenfalls, als sie zugeben möchte.

Die Deutsche Sporthilfe und der Robinson Club hatten Prinz zu einer Woche mit den besten Sportlern in die Türkei eingeladen. Sie bekam für die Woche eine von zwei sogenannten Wildcards, denn normalerweise dürfen nur Sportler mitreisen, die in dem Jahr erfolgreich waren. Aber 2011, ausgerechnet das letzte Jahr ihrer beispiellosen Karriere, war kein erfolgreiches Jahr für Birgit Prinz.

Als Deutschlands Fußballfrauen bei der WM im Sommer überraschend im Viertelfinale ausschieden, saß Prinz auf der Ersatzbank. Bundestrainerin Silvia Neid hatte sie nicht einmal mehr eingewechselt. Experten halten das auch mit Blick zurück für einen der größten Irrtümer von Neid. Dass Speerwerfer, Kanuten, Ruderer oder Bobfahrer die Fußballerin trotzdem zu der Veranstaltung „Champion des Jahres“ einluden, spricht dafür, dass die Topsportler einen ähnlichen Eindruck hatten.

Sportler haben ein besonderes Gespür dafür, wenn einer von ihnen einen Abgang bekommt, den er nicht verdient hat.

Auf diese Weise ist Birgit Prinz zu ihren neuen Mitspielern gekommen. Sie hatte angekündigt, „beim Fußball mal vorbeischauen zu wollen“, doch richtig begeistert schien sie nicht von der Vorstellung, mit ein paar Urlaubern zusammen einem Ball nachzujagen. Doch am vierten Tag stand Prinz plötzlich auf dem Clubplatz in Camyuva, auf dem es sich morgens immer zwei Esel gemütlich machen.

Bei der Einteilung der Mannschaften ließ sich Prinz ein Leibchen geben, ohne sich in irgendeiner Weise vorzudrängeln. Und als sie sah, dass das mit dem Doppelpass angesichts ihrer Mitspieler etwas schwerer werden dürfte als gewöhnlich, nahm sie das klaglos hin. Für einen Star ist das eine bemerkenswerte Leistung; nicht jeder, der viel weniger Länderspiele hat, wird das so gelassen und sympathisch hinkriegen wie Prinz.

Sie selbst sagt von sich, dass sie sich in einer „Übergangsphase“ befindet: „Ich wollte nach der WM nicht direkt wieder arbeiten.“ Ihr Psychologie-Studium hat sie abgeschlossen, vom kommenden Jahr an möchte sie am Institut für Performance-Psychologie in Frankfurt Manager und Sportler bei ihrer Karriereplanung beraten. „Ich denke, dass ich da viele meiner Erfahrungen mit einbringen kann“, sagt sie.

Die Frage, ob ihr das Studium geholfen hat, den unerfreulichen WM-Sommer, „in dem ich negativ in den Medien stand“, zu verarbeiten, liegt nahe. Als Prinz sie gestellt bekommt, reagiert sie genervt. „Ich habe Psychologie nicht zur Selbsttherapie studiert“, sagt sie. Der Tonfall ist unmissverständlich: Zu dem Thema bitte keine weiteren Fragen mehr.

Im November soll Prinz vom Deutschen Fußball-Bund ein Abschiedsspiel bekommen. „Wenn es klappt, wäre das schön. Aber mein Seelenheil hängt nicht an diesem Spiel“, sagt sie. Etwas Verbitterung lässt sich da noch immer heraushören, doch wenn es sie gibt, dann ist sie zumindest beim Kick mit den Urlaubern vergessen. Prinz macht das Spielchen Spaß. Als es zu Ende ist und die Urlauber sich Richtung Bar bewegen, um dort bei einem kühlen Getränk von der berühmten Mitspielerin zu erzählen, fragt einer der Animateure seinen Kollegen: „Spielt die jetzt immer bei uns mit?“

So schön das wäre für die Urlauber: Birgit Prinz als Animateur – das lässt sich nur schwer vorstellen.