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Sport-Welt Sören Ludolph ist seinem Traum nahe
Sport Sport-Welt Sören Ludolph ist seinem Traum nahe
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18:29 17.04.2012
Von Norbert Fettback
Sören Ludolph blickt optimistisch voraus auf die Freiluftsaison: Der Mittelstreckler aus Hannover, der für die LG Braunschweig startet, weiß, dass er die Olympianorm schaffen kann.Herzog
Sören Ludolph blickt optimistisch voraus auf die Freiluftsaison: Der Mittelstreckler aus Hannover, der für die LG Braunschweig startet, weiß, dass er die Olympianorm schaffen kann. Quelle: Herzog
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Hannover

Es sind diese Momente des Erinnerns, die Sören Ludolph dann noch mal einen kräftigen Schub geben, wenn seine Beine ihn nach zwei Stunden harten Trainings förmlich anbetteln: Genug für heute! Nun lass es doch bitte ein bisschen ruhiger angehen! Mitunter beschleicht den 24-Jährigen, der die 800 Meter im vorigen Jahr so schnell gelaufen ist wie kein anderer Deutscher seit 2005, dann wieder der Gedanke daran, was er als Halbwüchsiger so dahergesagt hat. „Damals“, berichtet Ludolph, „habe ich mir vorgenommen: 2012 will ich dabei sein bei den Olympischen Spielen. Entweder als Zuschauer oder als Athlet.“ Ein paar Jahre später ist er seinem Traum ein gehöriges Stück näher gekommen. Um London zu erleben, wo sich in 100 Tagen die Besten der Welt treffen, muss Ludolph nur noch einmal das wiederholen, was ihm vor sieben Monaten schon einmal gelungen ist: auf den zwei Runden auf der Bahn schneller zu sein als 1:45:55 Minuten, die Olympianorm. Dann wäre er dabei: nicht als Tourist, sondern als Aktiver.

Unterboten hat er diese Zeit zum ersten und bisher einzigen Mal am 9. September 2011 in Königs Wusterhausen. 1:45:04 zeigte die Uhr da für Ludolph an. Eine Zeit, mit der er nach einer mehr oder minder verkorksten Saison mit verpasster WM und einem für ihn unbefriedigenden 7. Platz bei der Universade nie und nimmer gerechnet hatte. Und dann dieser Lauf, in dem für ihn alles stimmte. „Der Druck war weg, ich war frei im Kopf“, sagt Ludolph im Rückblick, „ich wollte Spaß haben und gucken, was geht.“ Das war möglicherweise die entscheidende positive Erfahrung, die ihm auf dem Weg nach London noch fehlte.

Jetzt nämlich weiß Ludolph, wie es geht. „Sören ist sich seitdem sicher, dass er diese Zeit laufen kann“, sagt der niedersächsische Landestrainer Jörg Voigt. „Das macht ihn stark.“ Und daraus schöpft Ludolph die große Hoffnung, dass er es packen kann mit der Nominierung für Olympia. Bis zum 2. Juli verlangt der Deutsche Leichtathletik-Verband den entsprechenden Leistungsnachweis. Die nationale Meisterschaft Mitte Juni in Bochum und die EM in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli) sind dabei wichtige Stationen.

Voigt und Ludolph: Das wiederum ist eine Geschichte für sich. Kennengelernt haben sich beide 2003: Damals kam ein 15-Jähriger aus Amelinghausen in der Lüneburger Heide nach Hannover ans Sportinternat, um so richtig das Laufen zu lernen. Voigt erkannte gleich: Das ist einer, der eine natürliche Ausdauer und dazu noch Schnelligkeit besitzt. Doch erst einmal musste er ihm dabei helfen, gegen das Heimweh anzukommen. „Nach einem halben Jahr“, erinnert sich Voigt, „war die Situation so, dass ich dachte: Den sehen wir hier nicht wieder.“

Seitdem sind sie ein Team, dessen Beharrlichkeit sich in den vergangenen Jahren sportlich ausgezahlt hat. Bei den deutschen Meisterschaften 2010 und 2011 konnte über die 800 Meter niemand Ludolph das Wasser reichen. Und dann der Paukenschlag in Königs Wusterhausen. „Sören hat einen Leistungssprung gemacht und damit auch mich überrascht“, sagt Voigt. Zu oft sei Ludolph in Wettkämpfen nicht locker genug gewesen, deshalb habe er es auch nicht zur WM in Daegu geschafft. „Er wollte es mit Gewalt machen und stand sich damit selbst im Weg“, meint Voigt.

Bis zu zwölfmal die Woche haben beide am Olympiastützpunkt in Hannover miteinander zu tun; Voigt ist für Ludolph dabei mehr als nur derjenige, der sagt, was zu machen ist. Der Mittelstreckler hebt das Vertrauensverhältnis zum Trainer hervor, der ihn nach einem Rennen selbst bei einem Sieg auf Fehler hinweise. „Auch im Sport lernt man nie aus“, sagt der 24-Jährige. „Ich fühle mich jetzt an einem Punkt, an dem die Entwicklung in die richtige Richtung geht.“

Dazu trägt auch das sportliche Umfeld bei. Ludolph, der für die LG Braunschweig startet, lebt seit mehr als acht Jahren in Hannover („Ich bin hier zu Hause“), schätzt die Vorzüge des Trainings am Olympiastützpunkt („Wir haben hier alles, was wir brauchen“) und wird durch den Landessportbund über die Aktion „Team Niedersachsen“ finanziell unterstützt. Seit Kurzem ist ein Bild von ihm als Gipfelstürmer in diversen Fachzeitschriften ein Hingucker: Ludolph wurde vom Schweizer Sportartikelhersteller odlo für zwei Jahre unter Vertrag genommen, auch das hilft ihm weiter. Und dann ist da noch die Polizeiakademie in Nienburg, die dem Sportler jene Freiräume ermöglicht, um sich im Training Spitzenleistungen erarbeiten zu können.

Im Januar wird Ludolph seine Ausbildung zum Kommissar abgeschlossen haben, er freut sich bereits auf den ersten „silbernen Pickel“ auf den Polizei-Schulterklappen, wie er sagt. Die andere Laufbahn soll dann erst richtig losgehen. „Ich bin noch lange nicht am Ende angekommen.“

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