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Sport-Welt Silber für Springer, Bronze für Kombinierer
Sport Sport-Welt Silber für Springer, Bronze für Kombinierer
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19:58 03.03.2013
Foto: Die deutschen Skispringer Richard Freitag (von links), Andreas Wank, Michael Neumayer und Severin Freund konnten sich am Ende über Silber freuen.
Die deutschen Skispringer Richard Freitag (von links), Andreas Wank, Michael Neumayer und Severin Freund konnten sich am Ende über Silber freuen. Quelle: dpa
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Val di Fiemme

Die deutschen Skispringer segelten im chaotischsten Mannschaftswettbewerb der WM-Geschichte zu Silber, die Nordischen Kombinierer holten bei der Premiere des Teamsprints Bronze - nur die Langläufer gingen erstmals seit 16 Jahren leer aus. Mit insgesamt fünf Medaillen haben die deutschen Ski-Asse ihr Ziel von sechs bis sieben Plaketten bei den nordischen Weltmeisterschaften in Val di Fiemme knapp verfehlt und ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi noch viel Luft nach oben gelassen. „Wir wollten etwas mehr, aber mit dem, was passiert ist, können wir leben. Wir gehören noch immer in einigen Teilbereichen zur Weltspitze“, sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller und zog zum WM-Abschluss dennoch eine positive Bilanz.

Zu den Stars der stimmungsvollen Titelkämpfe, die 350.000 Fans live verfolgten, avancierten Norwegens Ski-Königin Marit Björgen und Kombinierer Jason Lamy Chappuis aus Frankreich. Björgen gewann am Samstag im 30-Kilometer-Langlauf ihr viertes Gold in Val di Fiemme und den insgesamt zwölften Titel ihrer Karriere. Lamy Chappuis stand nach dem Triumph im Teamsprint zum dritten Mal ganz oben auf dem Treppchen. Dorthin schaffte es am Sonntag auch der Schwede Johan Olsson über 50 Kilometer. Das Teamspringen von der Großschanze gewann zum fünften Mal nacheinander Österreich.

Das DSV-Quartett nahm nach dem aufregendsten und kuriosesten Teamwettbewerb der WM-Historie mit glänzenden Augen die Silbermedaillen in Empfang. „Heute wird ein Fass aufgemacht“, kündigte Schlussspringer Richard Freitag im Überschwang der Gefühle eine rauschende Party an.

Katerstimmung herrschte nach dem hochklassigen Wettkampf, der im Chaos geendet hatte, dagegen beim Weltverband FIS. „Die meisten in der FIS sind gegen das System. Wir müssen es abschaffen. Und auch gleich die Sprungrichter. Es genügen vielleicht zwei Kampfrichter, die die Landung bewerten. Das ganze Kabarett brauchen wir nicht“, echauffierte sich FIS-Boss Gian Franco Kasper am Sonntag in der ARD.

Am Samstagabend waren die Emotionen der Athleten Achterbahn gefahren. Erst hieß es Bronze für Deutschland um 0,8 Punkte vor Polen um den erneut überragenden Einzel-Weltmeister Kamil Stoch und Silber für Norwegen hinter Titelverteidiger Österreich. Wegen eines Rechenfehlers beim ersten Versuch von Anders Bardal wurden die Skandinavier nachträglich jedoch auf Rang vier zurückgestuft. „Für Norwegen ist es ziemlich ärgerlich, wenn man sich schon freut und dann noch vom Treppchen rutscht. Aber so sind die Regeln. Wir sind umso glücklicher“, erklärte Freitag.

Auslöser des Wirrwarrs war, dass Bardal Bonuspunkte für eine Anlaufverkürzung erhalten hatte, obwohl er aus einer höheren Luke gesprungen war. „Das haben sie korrigieren müssen, weil wir Protest eingelegt haben“, berichtete Horst Hüttel, Technischer Leiter Skisprung im DSV. „Es war ein menschliches Versagen. Wir werden das sehr ernsthaft diskutieren“, erklärte Kasper.

Die DSV-Springer lieferten eine starke Leistung ab, doch der Traum vom ersten Titel seit zwölf Jahren erfüllte sich nicht. „Wir wollten Gold, da haben wir noch etwas zu tun. Wir haben Fehler gemacht. Die müssen wir abstellen, wenn wir es wirklich mal schaffen wollen“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster. Am Ende fehlten rund 14 Punkte zum Sieg. In Sotschi wollen die deutschen Adler erneut angreifen. „Wir kratzen an Gold und geben uns Mühe, die Österreicher irgendwann zu schlagen“, sagte Freitag.

Auch die Nordischen Kombinierer blickten nach dem dritten Rang durch Bruchpilot Tino Edelmann und Eric Frenzel im Teamsprint bereits gen Sotschi. „Auch ohne Tinos Sturz hätten wir keine Chance gehabt. Die Franzosen waren einfach unschlagbar. Sie hatten wieder verdammt gute Ski“, analysierte Bundestrainer Hermann Weinbuch und forderte: „Wir müssen uns besonders mit der Materialfrage beschäftigen. Da sind uns andere Nationen überlegen, das ist hier deutlich geworden. Der Verband ist gefragt. Da muss investiert und Geld in die Hand genommen werden.“

Bei der Medaillenzeremonie im Zentrum von Cavalese konnte sich der zuvor untröstliche Edelmann schon wieder über Bronze freuen. Und auch Weinbuch zog nach der 30. internationalen Medaille in seiner Amstzeit eine zufriedene Bilanz. „Wir haben unser Ziel erfüllt, zwei bis drei Medaillen sollten es sein“, sagte Weinbuch und fügte hinzu: „Ich denke, wir können zufrieden sein, bestimmen die Weltspitze mit, müssen aber im Hinblick auf Sotschi weiter hart arbeiten.“

Das gilt auch für die Langläufer, die erstmals seit Trondheim 1997 ohne Edelmetall blieben. Daran vermochten auch die bravourösen Marathon-Auftritte nichts mehr zu ändern. Nicole Fessel gelang als Fünfte über 30 Kilometer das beste WM-Ergebnis ihrer Karriere, Hannes Dotzler belegte in seinem zweiten Rennen über 50 Kilometer den siebten Platz. Einen Hoffnungsschimmer für Olympia gab es zudem durch Claudia Nystad, die am Sonntag ihr Comeback verkündete. Und so verabschiedete sich Bundestrainer Frank Ullrich mit der fast schon trotzigen Feststellung: „Der deutsche Langlauf lebt.“

dpa