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Sport-Welt Der Doppelsieger
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08:12 10.10.2013
Von Norbert Fettback
Foto: „Wer da nicht gehen muss, der ist ein ganz Harter“: Der Hannoveraner Raimund Schultz hat sich beim Ironman auf Hawaii einiges vorgenommen.
„Wer da nicht gehen muss, der ist ein ganz Harter“: Der Hannoveraner Raimund Schultz hat sich beim Ironman auf Hawaii einiges vorgenommen. Quelle: Andreas Gattermann
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Hannover/Kailua-Kona

Die perfekte Idylle, um Urlaub zu machen! Wenn Raimund Schultz dieser Tage morgens auf die Terrasse tritt, dann begrüßt ihn die Insel bereits mit voller Pracht: Sonne, Palmen, das Zwitschern der Vögel, in der Ferne das Rauschen der Wellen. „Eigentlich kann man das gar nicht beschreiben“, sagt der 60-Jährige. „Das ist unvergleichbar mit allem, was ich sonst erlebt habe.“ Schultz spricht von Hawaii, der Inselgruppe im Pazifik, die für viele ein Traum ist. Für den Mann aus Hannover ist es die Erfüllung, Anfang Oktober hier sein zu dürfen.

Und dafür würde er sein letztes Hemd geben. Oder aber einen Kredit aufnehmen wie dieses Jahr, um die 8000 Euro aufzubringen, die die Reise kostet. Mittlerweile hat er es zum sechsten Mal bis nach Kona geschafft, diesmal begleitet von Oxana, seiner Frau, und den beiden Kindern Valerija und Victoria. Der perfekte familiäre Rahmen zum Urlaubsidyll. Doch Schultz hat anderes in Sinn. Er hat deshalb auch weit mehr als nur die Badehose im Gepäck, sein Rennrad zum Beispiel. Der 60-jährige Hausmeister will sich quälen, wie all die Jahre. Denn er ist ein Ironman. Einer der ganz Harten.

Und sein Ehrgeiz ist immer noch riesig, ungeachtet dessen, dass er bereits sechs Jahrzehnte auf dem Buckel und 33 Ironman-Wettkämpfe hinter sich hat. „Ich habe mein Ziel noch nicht erreicht“, sagt er. „Ich möchte auch hier auf Hawaii aufs Podium.“ Klar: Mit 60 kann er es nicht mit den weltbesten Profis aufnehmen, die bei dieser Weltmeisterschaft antreten. Aber in seiner Altersklasse, da könnte diesmal etwas gehen, um unter die besten fünf zu kommen, für die es in Kona einen Platz auf dem Podium gibt. Schultz, der für den SC Langenhagen startet, ist als zweifacher Ironman-Sieger seiner Altersklasse nach „Big Island“ geflogen. Auf Lanzarote ist ihm dies im Mai gelungen, trotz zweier Platten beim Radfahren, was ihm zwischenzeitlich einen Rückstand von 20 Minuten einbrachte. Am Ende siegte er mit mehr als 20 Minuten Vorsprung, weil ihm im abschließenden Marathon (3:49 Stunden) niemand das Wasser reichen konnte. Und dann setzte er noch einen drauf, als er sich in Frankfurt den Ironman-Europameistertitel holte – in 10:43 Stunden. Bestzeit für ihn!

„Hawaii ist eine andere Nummer“, sagt Schultz. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich hier die Besten der Besten treffen; einen Startplatz im Nicht-Profi-Feld bekommt nur der Triathlet, der bei einem der mehr als 30 als Ironman klassifizierten Langstreckenwettbewerbe vorn liegt. So wie Schultz auf Lanzarote und in Frankfurt. Was ihn am Sonnabend erwartet, das kennt er inzwischen zur Genüge – von Nachteil dürfte das nicht sein. Er weiß zum Beispiel nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn beim Laufen nach 28 Kilometern das sogenannte Energy Lab erreicht ist: „Das ist wie ein Trichter, in dem die Luft steht und in den die Sonne von oben reinknallt. Wer da nicht gehen muss, der ist ein ganz Harter.“

In solchen Momenten denkt Schultz auch daran, wie er in die Knie ging. Und Angst hatte, überhaupt nicht mehr hochzukommen. Im Oktober 1995 war er auf der Treppe auf dem Weg zu seiner Wohnung in Vahrenwald mit einer Herzattacke zusammengebrochen. „Ich wog über 100 Kilogramm, habe gesoffen und habe geraucht wie ein Schlot“, sagt er. „Danach habe ich beschlossen, mein Leben radikal zu ändern. Von heute auf morgen.“ Am nächsten Tag startete er am Maschsee seinen ersten Lauf. Oder so etwas ähnliches. Nach 400 Metern war Schultz total platt. Irgendwann schaffte er die Runde um den See, 1996 mit viel Mühe seinen ersten Marathonlauf. Schon im Jahr darauf meisterte er als Triathlet in Roth seine erste Langdistanz – in beachtlichen 11:20 Stunden. Inzwischen ist er Stammgast auf Hawaii. „Mich zieht es immer wieder dahin“, sagt er. „Manche meinen, es sei eine Sucht.“ Es ist eine, mit der er gut leben kann. Anders als mit Alkohol und Zigaretten.

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