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Sport-Welt Rosenkrieg im Deutschen Schwimm-Verband
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17:04 20.10.2011
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Frankfurt/Berlin

DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd, dass es "Abstimmungsgespräche zwischen dem Verband und Lange" gebe. "Abstimmen" will man sich offenbar über eine vorzeitige Trennung, die möglicherweise noch vor der Kurzbahn-EM vom 8. bis 11. Dezember in Stettin vollzogen werden soll.

Lange ist seit 2008 beim DSV aktiv und hat eigentlich noch einen Vertrag bis 2012. Der 48-Jährige erklärte bereits, eine Trennung so nicht hinnehmen zu wollen und kündigte juristische Mittel an.

Zwei "Alpha-Männchen"

Fakt ist, dass das Verhältnis zwischen Buschkow und Lange - zwei "Alpha-Männchen" mit entsprechendem Gestaltungs- und Geltungsbedürfnis - von Beginn an zerrüttet war. Zudem hatte die weitgehend enttäuschende WM im Sommer in Shanghai mit der Flucht von Britta Steffen den DSV in ein tiefes Wellental gestürzt. Wenn der Verband sich nun tatsächlich von dem international geschätzten Lange trennen sollte, wäre diese Entscheidung acht Monate vor den Olympischen Spielen ein gewagter Schritt.

Die Spekulationen um Lange stellen den jüngsten Erfolg von Ex-Weltmeister Paul Biedermann beim Weltcup in Moskau gegen Rekord-Olympiasieger Michael Phelps ebenso in den Schatten wie den geschlossenen Frieden mit dessen Freundin Britta Steffen. Zumindest in Bezug auf Steffen herrscht wieder Harmonie. "Das Konfliktpotenzial ist beseitigt. Alle Seiten fühlen sich besser", sagte Buschkow.

Steffen betreibt Wiedergutmachung

Als Wiedergutmachung für ihre WM-Flucht wird sich Steffen in Berlin am Samstagmittag nach den Vorläufen mit Vertretern der DSV-Schwimmjugend treffen und künftig als Schirmherrin eines Jugend-Förderprojektes im DSV tätig sein. Buschkow bewertet diese Maßnahme als "gutes Signal, den Teamgeist innerhalb des Verbandes zu stärken". Für Steffen wird es bei ihrem ersten Wettkampf nach der WM-Schmach aber auch um sportliche Wiedergutmachung gehen. Die 27-Jährige muss beim Heimspiel zeigen, dass sie auf ihren Paradestrecken 50 und 100 Meter Freistil noch mit der Weltelite mithalten kann.

Steffen hat auch im Wasser ein Zeichen zu setzen, dass ihr mit Blick auf Olympia im nächsten Jahr in London Mut macht.

Steffen selbstkritisch: "War zu überheblich"

Bei der WM-Aufarbeitung gab sich Steffen selbstkritisch. "Ich war ein Stück weit zu überheblich", sagte sie im Interview mit der "Financial Times". Ihren ersten Auftritt auf der Langbahn in Shanghai hatte sie nach ihrer 15-monatigen Auszeit 2009 und 2010 offenbar etwas unterschätzt. Doch die Hoffnung auf den nächsten Olympia-Triumph nach Peking 2008 bleibt: "Da darf es ruhig auch mal in den Keller gehen - um dann wieder die höchste Höhe zu erreichen."

So sieht es auch Buschkow, der von Steffens Motivation und Klasse nach wie vor überzeugt ist: "Sie ist voll fokussiert." Viel ändern an ihrer Strategie und an ihrem Auftreten wird Steffen nicht. Im Training wird sie das Krafttraining deutlich reduzieren. In der Öffentlichkeit macht sie sich weiter rar. Bei der Pressekonferenz am Freitag ist Steffen nicht dabei. Über ihre Managerin Claudia Lindner ließ sie ausrichten: "Britta ist glücklich, alle sind glücklich." Dies trifft auf jeden Fall auf Steffens Freund Biedermann zu, dem in Moskau über 200 Meter Freistil die WM-Revanche gegen US-Superstar Pelps glückte.

Der 25-Jährige feierte nach dem Weltcup in Stockholm auch in Russlands Hauptstadt einen Doppelsieg und will dieses Kunststück in Berlin, wo Phelps auf andere Strecken ausweicht, wiederholen. "Wenn einer unserer Protagonisten in so guter Verfassung ist, dann ist das ein Grund zur Freude", sagte Buschkow. Auf Lange wird diese Stimmungslage nicht zutreffen.

dapd

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