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Sport-Welt Erfahrung setzt sich durch
Sport Sport-Welt Erfahrung setzt sich durch
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00:21 16.07.2014
Von Carsten Schmidt
Der Sieger zeigt die „Eins“: Eddy Hardouin galoppiert mit Red Dubawi (2. v. links) als Erster über die Ziellinie beim Großen Preis der VGH Versicherungen. Quelle: Florian Petrow
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Langenhagen

Eine solche Spannung hat es selten auf der Neuen Bult gegeben. Nahezu gleichauf in einer Reihe galoppierten die elf Pferde auf der Geraden entlang der Tribüne Richtung Ziel im Hauptrennen des Sonntags, dem Großen Preis der VGH Versicherungen über 1600 Meter. Und viele Zuschauer rieben sich die Augen, als das erste Pferd die Ziellinie passiert hatte, weil die Nummer 8, Red Dubawi, die wenigsten auf der Rechnung hatten.

Ein Außenseiter triumphierte also im wertvollsten Rennen des Jahres in Langenhagen. Und wieder einmal wog Erfahrung schwerer als der Schwung der jugendlichen Dreijährigen im Feld, Ajaxana (immerhin noch spätere Zweite) und Nordico. Red Dubawi ist bereits sechs Jahre alt; der Hengst hatte als Sieger und Dritter in Gruppe-III-Rennen im Frühjahr zwar aufhorchen lassen, doch auch die Konkurrenz hatte in dieser Kategorie diverse Meriten erworben. So war die Freude von Jockey Eddy Hardouin verständlich: Er reckte auf der Ziellinie den Zeigefinger der rechten Hand als „Eins“ nach oben. Trainerin Erika Mäder aus Krefeld war ebenfalls auf dem Häuschen angesichts des Erfolges in einem Rennen, das mit 70.000 Euro dotiert war. Erwartungsgemäß keine Chance auf einen Vorderplatz hatte König Concorde, der neunjährige Lokalmatador aus dem Trainingsquartier von Christian Sprengel.

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Eher auf dem Podest hatte man Sarinda erwartet, die den Neue-Bult-Cup über 2000 Meter gewann, ein Listenrennen für Stuten. Die Dreijährige, die Scheich Mohammed al Maktoum aus Dubai gehört, wurde von Anthony Crastus mit deutlichem Vorsprung über die Ziellinie geführt. Eine Rarität gab es bei den Platzierten - ein totes Rennen im Kampf um den 3. Rang zwischen High Strunk und Ninas Terz.

Grund zur Freude hatte auch Hans-Jürgen Gröschel, der Seniortrainer auf der Neuen Bult. Die großartige Saisonbilanz des 71-Jährigen mit 20 Erfolgen hatte bisher einen Makel - es fehlte der Sieg auf der Heimrennbahn. Das wurde gestern nachgeholt, allerdings musste Gröschel bis zum letzten Rennen des Tages warten. Dann gewann Fire on motion mit Wladimir Panov im Sattel den Ausgleich IV über 1600 Meter. Zuvor hatten die Gröschel-Starter Fair Trade als Dritter im Ausgleich II und Woomera als Zweite im 2. Rennen Siege knapp verpasst. Dort lag Majestic Hope vorn, eine Zweijährige aus dem Gestüt Brümmerhof, das von Rennvereinspräsident Gregor Baum und seiner Frau Julia betrieben wird.

Zufrieden konnte auch Paul Martin Harley sein. Der Ire, der seit Beginn des Jahres in Langenhagen arbeitet, verbuchte mit Glam Rock (Jockey Francisco Franco da Silva) einen 1. Platz.

Diese Rennresultate ließen die 8300 Besucher auch das wechselhafte Wetter vergessen - gegen 14.30 Uhr musste das Programm wegen eines Gewittergusses sogar für eine knappe halbe Stunde unterbrochen werden. Doch danach blieb es bis zum Renntagsende trocken, zeitweise zeigte sich sogar die Sonne. Erfreulicherweise für die Zuschauer verliefen auch An- und Abfahrt weitgehend stau- und störungsfrei.

10.000 Euro für Enke-Stiftung

Die Verbindung von Fußball und Galoppsport hat sich gestern besonders ausgezahlt. Insgesamt 10.000 Euro Erlös brachte eine Versteigerung auf der Neuen Bult zugunsten der Robert-Enke-Stiftung – weil Hermann Kasten, Vorstandsvorsitzender des Renntagssponsors VGH Versicherungen, im Namen seines Unternehmens noch einmal knapp 5000 Euro auf die erfolgreichen Gebote in Höhe von 5050 Euro draufpackte. Kasten lobte ausdrücklich die von Daniel Delius geleitete Auktion und die Freigebigkeit der Bieter ebenso wie Jan Baßler, Geschäftsführer der Enke-Stiftung.

Wobei sich das Mitmachen bei der Versteigerung durchaus lohnte für die Fußballanhänger – im Angebot waren Torwarthandschuhe, ein Originaltrikot und eine Autogrammkarte des unvergessenen 96-Torwarts Robert Enke, ein Poloshirt und ein Poster mit dem Autogramm der brasilianischen Fußball-Legende Pelé sowie ein Trikot der aktuellen englischen Fußball-Nationalmannschaft mit deren Unterschriften. Die Liebhaberstücke von der Insel und aus Südamerika hatte der Manager von David Beckham für den guten Zweck zur Verfügung gestellt, berichtete Gregor Baum, Vorsitzender des Hannoverschen Rennvereins (HRV) und Hausherr auf der Neuen Bult. Den höchsten Einzelbetrag erzielte übrigens Enkes Originaltrikot, das 96-Klubchef Martin Kind für 2200 Euro erwerben konnte.
Teresa Enke, Witwe des im November 2009 verstorbenen Torwarts, freute sich ebenfalls über die erfolgreiche Auktion. „Das Geld fließt in die aktuellen Projekte der Stiftung“, sagte die 37-Jährige. Sie selbst lebt mittlerweile in Köln, kommt aber gern in die Region Hannover zurück, auch weil sie hier einen „besonderen Zuspruch spürt“. Und Teresa Enke freute sich auf das WM-Finale am Abend und drückte dem deutschen Team „kräftig die Daumen“.

Einen Vorgeschmack auf abendliche Zweikämpfe mit Ball gab es während einer bunten Einlage auf dem Geläuf. Vier Mannschaften spielten Fußball in einem Plastikblasenkostüm. Es gewann passenderweise – das Galoppsportteam.

 cas

Der Renntag in Zahlen

4. Renntag auf der Neuen Bult
1. Rennen: Marju Prince (E. Pedroza) – Myrtille  – Jupiter; Siegwette: 40:10; Platzwette: 13, 24, 13:10; Zweierwette: 291:10; Dreierwette: 1387:10
2. Rennen: Majestic Hope (E. Pedroza) – Woomera  – Atlanita; 21:10; 14, 18:10; 124:10; 629:10.
3. Rennen: Rosebay (A. Helfenbein) – Peace Of Glory – Toward Glory; 37:10; 25, 63:10; 505:10; 2880:10.
4. Rennen: North Mum (E. Pedroza) – Fiora Di Capri – Schwarzgelb; 14:10; 11, 28, 15:10; 204:10; 1104:10.
5. Rennen: Sarinda (A. Crastus) –Ninfea – High Strung und Ninas Terz; 39:10; 14, 15, 19:10 (High Strung), 7 (Ninas Terz); 160:10; 1862:10 (mit High Strung) 199:10 (mit Ninas Terz).
6. Rennen: Glam Rock (F. F. da Silva) – Dorola – Heiße Schokolade – Prairie Adel; 73:10; 22, 24, 17, 27:10; 644:10; 16 690:10.
7. Rennen: Red Dubawi (E. Hardouin) – Ajaxana – Amaron; 162:10; 28, 15, 14:10; 460:10; 1952:10.
8. Rennen: Goiania (A. de Vries) – Oske – Zephyros; 17:10; 11, 13, 18:10; 52:10; 378:10.
9. Rennen: Moscatello (D. Porcu) –  Mandachic – Fair Trade; 28:10; 25, 32:10; 350:10; 1368:10.
10. Rennen: Fire on Motion (W. Panov) – Mastoso – Hernanda Directa; 32:10; 10, 13, 11:10; 229:10; 687:10.
Zuschauer: 8300.
Wettumsatz: 219 988,71 Euro.
Nächster Renntag: 21. September.

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