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Sport-Welt Radsport versinkt weiter im Dopingsumpf
Sport Sport-Welt Radsport versinkt weiter im Dopingsumpf
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09:24 01.10.2010
Rollende Apotheke? An die Sauberkeit des Radsport glauben nur noch hartgesottene Fans.
Rollende Apotheke? An die Sauberkeit des Radsport glauben nur noch hartgesottene Fans. Quelle: afp
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Der Radsport hat den letzten Rest Glaubwürdigkeit verloren. Das bewirkten drei Dopingverdachtsfälle, die am Donnerstag bekannt wurden. Alle betreffen spanische Profis, mit dem dreimaligen Tour-de-France-Sieger Alberto Contador und Ezequiel Mosquera, Zweiter der Vuelta 2010, sind darunter gleich zwei Weltklasseleute.

Bei Contador wurde, wie der Weltverband UCI bekannt gab, der verbotene Wirkstoff Clenbuterol sowohl in der A- als auch der B-Probe einer Urinmenge festgestellt, die er am 21. Juli, dem zweiten Ruhetag der Tour de France, abgegeben hatte. Daraufhin wurde der Spanier „formal und provisorisch suspendiert“. Bei Mosquera und seinem Teamkollegen David Garcia ist in A-Proben vom 16. September die Substanz HES nachgewiesen worden, die möglicherweise den Gebrauch des Blutdopingmittels Epo verdecken kann.

Contador selbst ging am Donnerstag in die Offensive und versuchte, den Verdacht des Dopings auszuräumen. „Es ist ein klarer Fall von Lebensmittelverunreinigung“, sagte er auf einer Pressekonferenz im Madrider Vorort Pinto, „ich bin traurig und enttäuscht, aber ich halte den Kopf oben.“ Verseuchtes Fleisch und unsaubere Lebensmittel seien die einzige Möglichkeit für den verbotenen Wirkstoff in seinem Körper. Andere Teilnehmer der Tour hätten das verseuchte Fleisch ebenfalls gegessen, seien aber nicht zu einem Dopingtest zitiert worden.

Auf eine Lebensmittelverunreinigung sei er selbst nicht gekommen, ergänzte Contador. Vielmehr haben ihn Vertreter der UCI während eines längeren Gesprächs am 26. August auf diese Möglichkeit hingewiesen und ihm damit die Verteidigungslinie vorgegeben. „Danach war ich ständig in Kontakt mit der UCI“, offenbarte er. Diese merkwürdige Zusammenarbeit des Weltverbands mit dem Dopingverdächtigen nährt Vorwürfe aus der Vergangenheit. Die UCI soll schon bei Dopingvorwürfen gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong stets zum Sportler gehalten haben. Immerhin spendete der Texaner dem Weltverband Geld, aus welchen Motiven, konnte UCI-Chef Pat McQuaid nicht schlüssig erklären. Im Falle Contador soll die UCI nach Angaben der ARD schon seit zwei Monaten über den Befund informiert sein. Zudem gebe es laut der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt den Verdacht, dass der Spanier Blutdoping betrieben habe.

Contador teilte indes mit, dass die bei ihm festgestellte Clenbuterol-Dosis extrem niedrig gewesen sei. Das Dopinglabor in Köln habe „eine sehr geringe Konzentration“, nur 50 Picogramm, gefunden. Daher sei es ausgeschlossen, dass es sich um Doping handele, beteuerte er. Die UCI erklärte weiter, der Fall verlange wissenschaftliche Untersuchungen, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden könnten. Das würde Zeit brauchen. Dagegen stellte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur, klar, dass selbst die geringste Clenbuterolkonzentration für Sanktionen ausreichen würde. „Das ist keine Substanz, bei der es einen Grenzwert gibt“, sagte er.

Der schottische Radprofi David Millar, der wegen Epo-Dopings selbst zwei Jahre gesperrt war, hält sogar einen Freispruch des Spaniers für möglich, „weil die positive Analyse schwer nachvollziehbar ist“. Contador sei im Gelben Trikot jeden Tag getestet worden „und nur einmal positiv“. Entsetzen gab es im neuen Rennstall des Spaniers, dem Saxo Bank-Sun Guard-Team. „Scheiß unglücklich“, kommentierte Teamchef Bjarne Riis, der selbst bei seinem Toursieg 1996 gedopt war.

dpa