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Sport-Welt Nur die Hockeyteams kämpfen um Medaillen
Sport Sport-Welt Nur die Hockeyteams kämpfen um Medaillen
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19:46 14.05.2012
Von Carsten Schmidt
Die Olympiaträume der deutschen Volleyballer um Denis Kaliberda (oben) sind von den Italienern zunächst abgeblockt worden. Quelle: dpa
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Hannover

Aller guten Dinge sind drei? Diese Losung gilt jetzt für die deutschen Nationalmannschaften in den zwölf olympischen Ballsportarten. Im Optimalfall stehen im hiesigen Aufgebot für die Sommerspiele in London (27. Juli bis 12.August) wenigstens noch drei Teams - neben den bereits qualifizierten Männern und Frauen im Feldhockey vielleicht auch die Volleyball-Auswahl der Männer. Sie hat am Sonntag mit einer 2:3-Finalniederlage gegen Italien beim Turnier in Sofia zwar im ersten Anlauf die Olympiafahrkarte verpasst, es winkt aber vom 8. bis 10. Juni eine zweite Chance vor heimischem Publikum in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Dort allerdings müssen die Deutschen neben Tschechien und Indien vor allem Vizeweltmeister Kuba aus dem Rennen werfen - ein schwieriges Unterfangen.

Dass die Volleyball-Männer nahezu die letzte deutsche Ballsport-Hoffnung für London sind, ist allein schon Beleg genug für den mäßigen Leistungsstand hierzulande. Hallen-Volleyball mit Sechserteams spielt in Deutschland ohnehin nur die zweite Geige hinter Beachvolleyball mit Zweier-Kombinationen.

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Die deutsche Krise - 2008 in Peking starteten noch acht Ballsport-Mannschaften - zeigt sich vor allem im Fuß- und Handball. Die „U21“-Kicker blamierten sich in ihrer Qualifikation mit einem 1:4 auf Island, wobei das olympische Männerturnier allerdings weit weniger Prestige hat als die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine kurz zuvor. Die Frauen, zweimaliger Fußball-Weltmeister, vergaben ausgerechnet bei den Titelkämpfen im heimischen Land durch die Viertelfinalpleite gegen Japan das Olympiaticket. Ein einmaliger Ausrutscher, der aber in London eine sichere Medaille kostet.

Unter Strukturproblemen leidet Handball, die Nummer 2 unter den hiesigen Ballsportarten. Die Männer-Bundesliga setzt auf ausländische Stars, und möglicherweise hat der frühere Bundestrainer Heiner Brand auch zu lange an jenem Personal festgehalten, das 2007 überraschend den Weltmeistertitel gewann. So ist das Scheitern in der Qualifikation für 2012 nur der Tiefpunkt einer Entwicklung, die schon vor vier Jahren in Peking mit dem überraschenden Vorrunden-Aus einsetzte. Im Frauenbereich gibt es zwar einige Akteurinnen wie Clara Woltering bei Buducnost Podgorica aus Montenegro sowie Grit Jurack und Anja Althaus bei Viborg HK in Dänemark, die sich in europäischen Spitzenklubs behaupten. Doch dahinter fehlt die Basis, sodass auch die Handballerinnen nur zuschauen, wenn es in London um die Medaillen geht.

Ob Hand-, Basket-, Volley- oder Wasserball - eigentlich bieten die Olympischen Spiele die Plattform für diese Ballsportarten, um auch einmal das Rampenlicht genießen zu können. Und die Teilnahme am größten Sportereignis der Welt ebnet auch den „Weg in eine finanziell gesicherte Zukunft“, wie es der Hannoveraner Michael Zellmer, Teammanager der gleichfalls gescheiterten Wasserball-Männer, ausdrückt. Insofern drohen den Auswahlteams düstere Zeiten, weil ihnen die Werbung mit dem Olympia-Auftritt fehlt. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass in Zukunft beispielsweise die Zahl von Trainingslagern, die schon jetzt nach Ansicht vieler Ballsport-Bundestrainer zu kurz sind und zu selten stattfinden, noch weiter zurückgehen wird.

Bleibt das Vorbild Hockey, dort sammeln Männer und Frauen zuverlässig Medaillen bei internationalen Turnieren. Allerdings genießt die Weltspitze in dieser Sportart mit maximal zehn Teams einen Hauch von Exklusivität, den es in anderen Ballsportarten nicht gibt. Und Frauen-Bundestrainer Michael Behrmann klagt schon über mehr Professionalität in anderen Verbänden.

Mehr Lehrgänge, bessere Talentförderung und auch mehr Geld mögen den deutschen Ballsport kurzfristig weiterhelfen. Doch eigentlich geht es um etwas, das längst verloren gegangen ist - Gemeinschaftsgefühl. Gerade in den Spielsportarten fällt es immer schwerer, Mannschaften auf die Beine zu stellen. Das gilt sogar für „König Fußball“, wie die jüngste Mitgliedererhebung des Landessportbundes Niedersachsen zeigte. Und das macht wenig Hoffnung für eine nachhaltige Entwicklung des Ballsports hierzulande.

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