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Sport-Welt Nicolas Kiefer über das Ende seiner Tenniskarriere
Sport Sport-Welt Nicolas Kiefer über das Ende seiner Tenniskarriere
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13:16 02.02.2011
Von Björn Franz
Nicolas Kiefer bereut das Ende seiner Karriere "kein bisschen". Nur das warme Wetter auf der Tour fehlt dem deutschen Tennis-Star.
Nicolas Kiefer bereut das Ende seiner Karriere "kein bisschen". Nur das warme Wetter auf der Tour fehlt dem deutschen Tennis-Star. Quelle: Ralf Decker
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Herr Kiefer, vor einem Monat haben Sie Ihr Karriereende verkündet. Haben Sie die Entscheidung bereut, als Sie die Australian Open im Fernsehen gesehen haben?

Bereut kein bisschen. Das einzige, weswegen ich etwas traurig war, sind die Witterungsbedingungen in Melbourne mit 30 Grad. Bei mir ist es immer so gewesen, dass ich da war, wo die Sonne und das gute Wetter waren. Egal ob es Australien war, Indians Wells oder Miami – ich bin immer der Sonne hinterhergereist. Aber es war klar, dass diese Entscheidung irgendwann kommt, und ich bereue sie kein Stück.

War die Geburt Ihrer Tochter Mabelle im vergangenen August der letzte Kick, den Sie zum Aufhören nach zuletzt vielen Verletzungen gebraucht haben?

Was heißt Kick? Von den Verletzungen habe ich mich eigentlich immer wieder gut erholt und habe mich wieder rangekämpft. Aber klar, mit der Geburt meiner Tochter ist vieles nebensächlich geworden. Das ganze Leben hat neue Prioritäten bekommen. Deshalb ist es auch wichtig für mich, dass der NTV (Niedersächsischer Tennisverband, d. Red.) akzeptiert, dass es ein zeitlich begrenztes Engagement ist und kein Fulltime-Job. Ich erlebe ja ständig, wie wichtig ich als Vater für meine Tochter bin. Ich kümmere mich sehr gerne um sie und verbringe viel Zeit mit ihr.

Sie haben in Ihrer Karriere 640 Einzel auf der ATP-Tour gespielt, sechs Turniere und etwa 7,5 Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen. Was war für Sie mit Blick zurück der Höhepunkt?

Ganz klar die Olympischen Spiele (2004 in Athen, d. Red.), die Silbermedaille – auch wenn es unglücklich war. Trotzdem war es der größte Erfolg in meiner Karriere. Sicherlich gab es viele schöne Momente auf der Tour. Diese ganze Erfahrung kann man eigentlich gar nicht mit Worten beschreiben. Diese ganze Lebenserfahrung zu bekommen, die Chance zu haben, sein Hobby zum Beruf zu machen. Dazu das ganze Reisen, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen – ob es ein Roger Federer war oder ein Rafael Nadal. Das war einfach ein Geschenk. Aber irgendwann ist es mal zu Ende.

Haben Sie manchmal noch die vier vergebenen Matchbälle im olympischen Doppelfinale von Athen im Kopf?

Die habe ich im Kopf, und ich habe ja auch Videos. Das ist eine Sache, die Rainer Schüttler und mich ein Leben lang miteinander verbinden wird (lacht).

Sie haben gesagt, man kann das Gefühl auf der Tour nicht mit Worten beschrieben. Wie wollen Sie den Talenten in Hannover künftig diese Erfahrung näherbringen?

Ich will ihnen vermitteln, dass sie diesen Sport vielleicht noch mehr leben. Es geht darum, dass man vielleicht in anderen Umfängen trainiert – viel Zeit auf dem Platz verbringt, aber auch Videos von Taktiken anschaut. Im Prinzip ist Tennis ja wie Schach: Man baut sich einen Spielzug auf und setzt den Gegner dann schachmatt. Es ist nicht nur willenloses Draufgeprügel. Das beste Beispiel ist ja, wenn man sich einen Rafael Nadal anschaut. Oder Lleyton Hewitt – der baut sich alles auf, und dann gibt es den finalen Schuss. Wenn man die Kinder in dieses Denken hineinbekommt, dann ist das schon ein großer Erfolg.

Es ist zwar noch ein paar Jahre hin. Aber würden Sie ihrer Tochter zuraten, wenn sie irgendwann die Idee äußern würde, Tennisprofi zu werden?

(lacht) Ich spiele auch sehr gerne Golf. Deswegen weiß ich nicht, ob sie lieber Tennis- oder vielleicht doch lieber Golfprofi werden sollte.

Aber von einer Karriere als Profisportler würden Sie Ihren Kindern also nicht abraten – immerhin haben Sie im Zusammenhang mit der Tour einmal von einem Haifischbecken gesprochen …

Das ist es auch. Das ist sicher eine schwere Entscheidung. Darüber habe ich mir noch keine ernsthaften Gedanken gemacht.

Dann zum Abschluss noch einmal zu Ihrer zweiten Karriere als Fußballer: Wollen Sie sich über die „Ü 32“ von Hannover 96 noch einmal bei Profitrainer Mirko Slomka ins Gespräch bringen?

(lacht) Nein. Ich habe ja immer eine neue Herausforderung gesucht und sehe Fußball einfach als Ausgleichssport. Wir haben da ein tolles Team, und zuletzt hatte ich auch eine Einladung zur 96-Traditionsmannschaft. Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich gerne dabei.

Interview: Björn Franz

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