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Sport-Welt Mercedes enthüllt Silberpfeil-Lackierung
Sport Sport-Welt Mercedes enthüllt Silberpfeil-Lackierung
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22:24 25.01.2010
Der Formel 1 Rekordweltmeister Michael Schumacher (r) mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg.
Der Formel 1 Rekordweltmeister Michael Schumacher (r) mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg. Quelle: dpa
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Matt lackiert Glanz ausstrahlen: Mit Rekord-Champion Michael Schumacher als fahrerischem Fixstern will Mercedes Grand Prix im farbig dezenten neuen Silberpfeil an die glorreiche Ära der fünfziger Jahre anknüpfen. „Es ist unser Ziel und unsere Mission, Weltmeister zu werden“, sagte der 91-malige Grand-Prix-Gewinner bei der stilvollen Präsentation der neuen Farben am alten Auto. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche bestätigte gestern im Mercedes-Benz-Museum den hohen Anspruch des deutschen Formel-1-Teams: „Wir haben ein denkbar einfaches Ziel: Wir wollen Weltmeister werden. Aber es muss nicht im ersten Jahr klappen.“

Vier Mercedes-Auszubildende in blauen Overalls schoben das in mattem Silber lackierte Brawn-Vorjahresmodell auf die schwarze Bühne. In silbern glänzenden Rennanzügen schritten Schumacher und sein Teamkollege Nico Rosberg hinterher. Für den 41 Jahre alten Rückkehrer schließt sich nach drei Jahren Formel-1-Pause der Kreis. Der einstige Mercedes-Junior, der auch dank finanzieller Unterstützung des Stuttgarter Konzerns 1991 in der „Königsklasse“ bei Jordan debütieren konnte, kehrt zu den Schwaben zurück.

Beim Rundgang durchs Museum sah Schumacher auch den Silberpfeil-Sportwagen, in dem er vor rund 20 Jahren selbst schon gesiegt hatte. Jetzt richtet der siebenmalige Titelträger aber den Blick nach vorn: „Ich bin heiß aufs Fahren auf hohem Niveau.“ Mercedes habe alle Zutaten, um Weltmeister zu werden. Aber wie beim Kochen müsse man daraus erst ein gutes Menü machen. Bezüglich seines Comebacks mit 41 versicherte Schumacher, er müsse „niemand etwas wegen meines Alters beweisen“.

Rosberg sprach von einem „großen Schritt“ in seiner Karriere. „Es ist eine tolle Chance, Michael als Teamkollegen zu haben.“ Sorgen, dass er im übergroßen Schatten Schumachers nur eine Nebenrolle spielen könnte, hat der 24 Jahre alte Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg nach Gesprächen mit Teamchef Ross Brawn nicht mehr. „Es gab leichte Zweifel, da Michael eine gute Beziehung zu Ross hat“, sagte er. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir beide gleiche Autos und die gleichen Chancen bekommen.“

Mit Stolz erfüllt Rosberg die Tatsache, dass er als erster Deutscher seit 55 Jahren, als sich Mercedes nach dem Unglück in Le Mans vom Motorsport zurückgezogen hatte, einen Silberpfeil steuern darf: „Ein Traum ist wahr geworden.“ Der ehemalige Williams-Pilot darf bei den Testfahrten in Valencia vom 1. bis 3. Februar die Jungfernfahrt absolvieren. Brawn gab bekannt, dass aber auch Schumacher schon am ersten Tag ein paar Runden drehen soll. „Wir machen die deutsche Nationalmannschaft der Formel 1 perfekt. Nie zuvor gab es zwei Deutsche im Silberpfeil“, sagte Daimler-Chef Zetsche. Am 14. März, wenn die Saison mit dem Großen Preis von Bahrain beginnt, wird sich zeigen, wozu das Team Deutschland fähig ist.

dpa

Mythos Silberpfeil
Der Silberpfeil ist legendär. Seine Feuertaufe musste er 1934 in der „Grünen Hölle“ auf dem Nürburgring bestehen. Der Mercedes musste damals „abnehmen“, da er für das Rennen zu schwer gewesen sein soll. Also wurde kurzerhand die weiße Lackierung abgekratzt, gestartet wurde dann in der silbernen Farbe der Aluminium-Karosserie. Der Mythos war geboren.

Vor allem einer sorgte für weltweiten Ruhm der Silberpfeile: Juan Manuel Fangio wurde 1954 und 1955 Formel-1-Weltmeister im Mercedes. 55 Jahre später schicken die Stuttgarter erstmals wieder einen eigenen Silberpfeil an den Start. Im Vergleich zu den ebenfalls als Silberpfeile bezeichneten Autos der vergangenen Jahre mit Partner McLaren kommt das aktuelle Farbdesign ausgesprochen matt daher. An der Fahrzeugnase des MGP W01 ist die schwarze Kohlefaser des Chassis zu erkennen – eine Reminiszenz an den „Ur-Silberpfeil“, wie Mercedes schrieb.

dpa

Volker Wiedersheim 24.01.2010